Renten: Globaler Zinstrend in den kommenden Wochen vermutlich wieder stärker aufwärts gerichtet


09.06.17 11:45
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet, hat die EZB gestern keine materiell nachhaltige Kurskorrektur vorgenommen, sondern nur ihr Wording angepasst: Was die EZB auf keinen Fall wollte, ist eine Erwartungshaltung im Sinne baldiger Zinserhöhungen zu schüren, so die Analysten der National-Bank AG.

Der aktuelle Aufschwung sei nach Erachten der Analysten nicht Ausdruck europäischer Prosperität und/oder sich abzeichnender Eigendynamik. Ein Beleg dafür sei etwa die unverändert relativ schwache Kreditvergabe. Die Zunahme der Dynamik in Europa sei maßgeblich der höheren Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft geschuldet. Dabei spiele ferner auch der Umstand eine zentrale Rolle, dass die Eurozone während eines "verlorenen Jahrzehnts" kaum gewachsen sei und insofern ein gewisser Nachholbedarf entstanden sei.

All dies komme in dem Umstand zum Ausdruck, dass die Kapazitätsauslastung in Europa - rechne man Deutschland mal heraus - kaum Inflationsgefahren erkennen lasse: So sei der Rücksetzer bei der Kerninflation nach Erachten der Analysten zu erwarten gewesen, die - nach einem Sprung auf 1,2 Prozentpunkte - zwischenzeitlich wieder unter die 1-Prozentmarke gefallen sei. EZB-Präsident Draghi habe sich dann gestern auch zurückhaltend gegeben. Wie schon im Vorfeld presseseitig durchgesickert sei, sei es dann in der Tat zu einer Abwärtsrevision der Inflationsprojektionen gekommen: Eine wirkliche Beschleunigung der Inflation sei derzeit nicht in Sicht.

Mit Blick auf das Timing der europäischen Zinswende dürfte auch die dann vorherrschende ordnungspolitische Konstitution der Eurozone eine gewichtige Rolle spielen. Diese sei gestern abermals erschüttert worden: Premier Mays Plan für einen harten Brexit-Kurs sei nicht aufgegangen - der britische Wähler habe ihr eine größere Mehrheit für ihren harten Brexit-Kurs versagt. Damit würden die Dinge in Europa nicht einfacher, auch wenn eine Einigung mit der EU perspektivisch wahrscheinlicher geworden sei.

Vor einem unruhigen geopolitischen Hintergrund klinge eine Handelswoche mit im Saldo weiterhin ermutigenden Daten zum globalen Konjunkturverlauf aus. Vorbehaltlich weiterer exogener Schocks aus der Golf-Region und/oder der US-Administration sollte der globale Zinstrend in den kommenden Wochen also wieder stärker aufwärts gerichtet sein.

Nach dem kräftigen Kursplus nach dem EZB-Entscheid sollte der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) hier grundsätzlich an Terrain verlieren. Mit Blick auf das traditionelle risk-off zum Schluss der Handelswoche sollte der Index aber heute zunächst noch gut behauptet tendieren können. Die Analysten würden im Saldo eine Handelsspanne des Bund-Future zwischen 164,45 und 165,25 Indexpunkten sehen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte zwischen 2,14 und 2,25% liegen. (09.06.2017/alc/a/a)





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DE0009652644 965264 168,86 € 158,73 €