Erweiterte Funktionen

Renten: Geopolitische Risken steigen - Leichter Anstieg der Renditen


10.05.18 08:30
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Mit dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran sind die geopolitischen Risiken gestiegen, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die kurzfristige Reaktion sei ein leichter Anstieg der Renditen, was für eine solche Situation ungewöhnlich sei. Die Anleger würden offensichtlich das durch den gestiegenen Ölpreis (Reaktion auf Iran-Enscheidung) stärkere Inflationsrisiko höher gewichten als die Verunsicherungskomponente. Im Vorfeld der Ankündigung zum Atomabkommen hätten sich die Anleger nicht so recht aus der Deckung getraut. Begleitet worden sei diese Vorsicht von gemischten Deutschland-Konjunkturindikatoren, bei denen die Auftragseingänge und die Einzelhandelsumsätze schwach ausgefallen seien, während die Produktions- und Exportzahlen einen kräftigen Zuwachs gezeigt hätten (alles März-Daten).

Gleichzeitig sei an den Finanzmärkten eine höhere Nervosität festzustellen gewesen, die sich insbesondere in Form von kräftigen Währungsabwertungen in zahlreichen Schwellenländern gezeigt habe, darunter Türkei, Mexiko und Argentinien. Zurückzuführen sei das wiederum auf die plötzliche Stärke des US-Dollar, die für in Fremdwährung verschuldete Länder zu einem Problem werden könne.

In jedem Fall sei festzuhalten, dass sich der Zinsgraben zwischen den USA und der Eurozone weiter vertieft habe. Mittlerweile betrage die Differenz zwischen zehnjährigen T-Notes und den Pendants aus Deutschland über 240 Basispunkte, ein historischer Rekordwert. Üblicherweise würden die Anleger Zinsdifferenzen ausnutzen und auf diese Weise dafür sorgen, dass sich die Zinsen unterschiedlicher Währungsräume innerhalb einer bestimmten Bandbreite angleichen würden, unter Berücksichtigung von Bewertungsveränderungen der unterschiedlichen Währungen.

Eine Normalisierung der Zinsdifferenz könne entweder durch einen Anstieg der Bundrenditen oder einen Rückgang der T-Notes-Renditen geschehen. Ein Rückgang der T-Notes-Renditen würde mit einer weiteren Verflachung oder gar Inversion der US-Zinsstruktur einhergehen, was angesichts der robusten Konjunktur- und Inflationsentwicklung in den USA schwer nachzuvollziehen wäre.

Wesentlich plausibler sei dagegen das Szenario eines Anstiegs der Bund-Renditen, der sich angesichts des insgesamt weiterhin freundlichen Wirtschaftsumfelds in der Eurozone ohne weiteres rechtfertigen lasse. Darüber hinaus gebe es noch die Alternative, dass sich die Zinsdifferenz auf dem derzeitigen Rekordniveaus verfestige. Voraussetzung dafür wäre, dass die Anleger dauerhaft eine deutlichen Aufwertung des Euro erwarten würden.

In den nächsten Tagen werde es darum gehen, wie die Finanzmärkte den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran verarbeiten würden. Die geopolitische Verunsicherung dürfte schon kurzfristig in den Vordergrund rücken und die Renditen wieder sinken lassen. Die Konjunkturdaten (darunter BIP Deutschland für Q1, Immobilienmarktdaten und Inflationsdaten aus den USA) sowie Reden von Notenbankern (darunter FED-Chef Jerome Powell) würden in den Hintergrund geraten. (Ausgabe vom 09.05.2018) (10.05.2018/alc/a/a)