Erweiterte Funktionen

Renten im Euroraum: Sorge vor der EZB


08.11.21 08:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - EZB-Präsidentin Lagarde hat auf ihrer jüngsten Sitzung alles getan, um Bedenken, dass sich der globale Zinszug in Bewegung setzt, zu zerstreuen, so die Analysten der Helaba.

Doch habe sie den Aufwärtstrend am Rentenmarkt zunächst nicht aufhalten können. Im Euroraum hätten die Renditen kräftig angezogen, wobei nicht nur das kurze Ende der Zinskurve auf die geldpolitischen Spekulationen reagiert habe. Insbesondere die Verzinsung zehnjähriger Staatsanleihen sei nach oben geklettert: Die Rendite der zehnjährigen Bunds habe mit -0,086% ein Jahreshoch markiert, sogar die Nulllinie schien greifbar. Weitaus dynamischer jedoch habe sich der Renditeanstieg in der Peripherie vollzogen. Mit den Wetten auf eine straffere Geldpolitik der EZB sei es zunächst zu einem Kursrutsch insbesondere bei spanischen und noch stärker bei italienischen Anleihen gekommen. Es sei die Sorge vor einer schnelleren Rückführung der Wertpapierkäufe durch die EZB gewesen, die zu den herben Kursverlusten beigetragen habe.

Damit seien die Risikoprämien im Euroraum erstmals in diesem Jahr wieder stärker in Bewegung geraten. Während sich die Spreadausweitungen in Frankreich und Spanien noch in Grenzen gehalten hätten, sei Italien in einer ersten Reaktion besonders getroffen gewesen. Das überrasche vor dem Hintergrund, dass Italien die Pandemie inzwischen besser manage, als viele europäische Nachbarländer. Angefangen von der Impfkampagne bis hin zum Wiederhochfahren der Wirtschaft komme das Land erstaunlich gut voran.

Zuletzt habe die Ratingagentur S&P das Länderrating Italiens mit "BBB" bestätigt und den Ausblick von stabil auf positiv geändert. Diese Entscheidung sei dadurch gestützt worden, dass "die Fortschritte der italienischen Behörden bei der Umsetzung der Reformen (Plan für Wiederaufbau und Stabilität) das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die Haushaltskonsolidierung begünstigen werden". Die Rating-Agentur rechne damit, dass das italienische BIP nun ein Jahr früher über dem Niveau von 2019 liegen werde und das Haushaltsdefizit niedriger ausfallen dürfte, als 2020 noch geschätzt.

Nachdem die Bank of England sich doch nicht getraut habe, hätten sich auch die Wetten um eine europäische Zinswende reduziert. Damit sei der Spuk in der europäischen Peripherie vorbei gewesen. Die Anleger hätten bei italienischen Staatsanleihen zugegriffen, was die Risikoprämie auf den niedrigen Pandemie-Durchschnittswert von 107 zurückgebracht habe. Die Verzinsung der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe sei wieder unter 1% gefallen. Dieses Luftholen am europäischen Rentenmarkt dürfte aber einen ersten Vorgeschmack darauf gegeben haben, wenn das PEPP-Programm der EZB auslaufe. Die Schwankungen dürften dann spürbar zunehmen. Ob Italien aber wieder in Regionen von 250 Basispunkten wie im Frühjahr 2020 vorstoße, scheine gegenwärtig wenig wahrscheinlich. (Ausgabe vom 05.11.2021) (08.11.2021/alc/a/a)