Renten: Erholung


14.01.22 08:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die zu erwartende Straffung der Geldpolitik in den USA ist weiterhin das dominierende Thema, nachdem sich viele FED-Vertreter zu Wort gemeldet und ein konsequentes Vorgehen gegen die zu hohe Inflation in Aussicht gestellt haben, so die Analysten der Helaba.

Inzwischen sei viel eingepreist, denn ein erster Zinsschritt im März und drei weitere bis zum Ende des Jahres würden mehrheitlich erwartet. Von den heute anstehenden US-Daten werde wohl kein zusätzlicher Druck auf die US-Notenbank aufkommen, die Zinsen noch schneller als gedacht anzuheben.

Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, dass der Euro seine jüngst erzielten Gewinne zum US-Dollar halten oder möglicherweise noch ausbauen könne. Positiv hervorzuheben sei der Ausbruch aus der wochenlangen Seitwärtsrange sowie der Anstieg über die 55-Tagelinie. Die nächsten Ziele seien das bei knapp 1,15 USD liegende Retracement sowie die bei 1,1507 USD verlaufende 100-Tagelinie. Kurse darüber würden den Weg bis zum letzten Impulshoch von Ende Oktober bei 1,1692 ebnen.

Gut behauptet präsentiere sich derzeit das Britische Pfund, was wohl mit der Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik der BoE zu erklären sei und der Hoffnung, dass sich die Omikron-Welle kaum negativ auf die britische Konjunkturerholung auswirken werde. Die "Partygate"-Affäre des britischen Premierministers Boris Johnson spiele an den Devisenmärkten keine große Rolle und so bleibe der Euro in Reichweite des 2-Jahrestiefs, das unlängst bei 0,8320 GBP markiert worden sei. Entscheidend auf der Unterseite sei aber das im Februar 2020 erreichte Mehrjahrestief bei 0,8280 GBP.

Die heute anstehenden US-Daten und die weit gediehenen Zinserwartungen könnten am Rentenmarkt eine fortgesetzte Erholung möglich machen. Dafür spreche auch ein nachlassendes Angebot am europäischen Primärmarkt. Insgesamt bleibe das Umfeld aber schwierig und die Erholung sollte als Korrektur eines intakten Abwärtsimpulses verstanden werden. Hinweise auf einen dauerhaften Richtungswechsel gebe es mit Blick auf die technische Verfassung des Bund-Futures (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) nicht.

Die Corona-Entwicklung scheine eine immer geringere Rolle an den Zinsmärkten zu spielen, denn trotz rekordhoher Infektionszahlen in vielen Ländern der EU seien die Peripheriespreads rückläufig. Auch bei italienischen Bonds, die zuletzt vergleichsweise schlecht performt hätten, reduziere sich die Renditedifferenz gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen.

Eine stabile Risikobereitschaft spiegele sich auch am Aktienmarkt wider, denn zu einer größeren Abgabebereitschaft sei es bislang nicht gekommen. Der DAX konsolidiere zwar unterhalb des Allzeithochs (16.290), das er Anfang des Jahres nicht habe überwinden können, allerdings halte er sich oberhalb des jüngsten Korrekturtiefs (15.724) sowie der 21- und 55-Tagelinien und eines Retracements im Bereich 15.800/15.817. Erste Indikationen würden heute auf eine schwächere Eröffnung schließen lassen. (14.01.2022/alc/a/a)