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Renten: EZB drückt mit der Verlängerung des Ankaufprogramms das Renditeniveau


06.11.17 11:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Entwicklung an den internationalen Rentenmärkten verlief in den letzten Wochen auffallend unspektakulär, so die Analysten von Postbank Research.

Selbst politische Verwerfungen, die in der jüngeren Vergangenheit oftmals die kurzfristigen Trends bestimmt hätten, seien zuletzt ohne größere Auswirkungen auf das Marktgeschehen geblieben. So habe sich zwar der Renditespread zwischen 10-jährigen spanischen und deutschen Staatsanleihen unmittelbar im Anschluss an das umstrittene katalanische Unabhängigkeitsreferendum ausgeweitet. Anschließend habe er aber wieder nachgegeben und aktuell sei der Spread sogar etwas niedriger als vor dem Referendum, das ohnehin von Anfang an keine Auswirkungen auf das Renditeniveau hierzulande gehabt habe.

In den USA habe die Rendite 10-jähriger Treasuries nach schwächer als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten zunächst nachgegeben, sei aber nachfolgend wieder angestiegen. Dahinter habe die wieder gestiegene Erwartung gestanden, dass die US-Regierung eine Steuerreform und damit doch noch eines der avisierten wirtschaftspolitischen Großprojekte werde durchsetzen können. Aber auch dieser Impuls habe nicht weit getragen. Eine wieder zunehmende Verunsicherung hinsichtlich der Handlungsfähigkeit der US-Regierung und Zweifel, wie weit die geldpolitische Straffung durch die FED angesichts der niedrigen Inflation gehen könne, hätten zu einer erneuten Gegenbewegung geführt. Zuletzt habe die 10-jährige Treasury-Rendite mit 2,35% lediglich um 3 Basispunkte höher als zum Zeitpunkt der letzten Ausgabe der Analysten von "Zinsen und Währungen" gelegen.

Die 10-jährige Bundrendite habe die Zuckungen des US-Marktes zeitweilig mitgemacht, aber im Vergleich zum Vormonat letztlich um 9 Basispunkte auf 0,37% nachgegeben. Verantwortlich für den jüngsten Rückgang seien vor allem die geldpolitischen Entscheidungen der EZB gewesen. Offensichtlich habe für die Marktteilnehmer die deutliche Verlängerung des Ankaufprogramms schwerer als die Halbierung des monatlichen Ankaufvolumens gewogen. Auch habe man der EZB wohl abgenommen, dass der Aspekt der Marktschonung auch zukünftig bei geldpolitischen Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen werde.

Für die kommenden Monate würden die Analysten, ungeachtet immer möglicher, kurzfristiger Ausschläge, grundsätzlich mit einer Fortsetzung der Seitwärtsbewegung der deutschen Kapitalmarktzinsen rechnen. Nachfolgend sollte sich dann aber der Einfluss des nahenden Endes der EZB-Anleiheankäufe, der näher rückenden Leitzinswende im Euroraum sowie der anhaltenden Leitzinserhöhungen durch die FED stärker bemerkbar machen. Diese Faktoren dürften die 10-jährige Bundrendite auf Jahressicht auf 0,80% steigen lassen. (Ausgabe November 2017) (06.11.2017/alc/a/a)