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Renten: Deutliche Anzeichen für höhere Renditen


08.02.21 10:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Nach der politischen Zeitenwende in den USA zog die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen kräftig an, so die Analysten von Postbank Research.

Erstmals seit Beginn der Coronavirus-Pandemie sei sie wieder über die Marke von 1% geklettert. Auf diesem Niveau habe die laufende Verzinsung im Januar aber eine Pause eingelegt.

Der Wirkmechanismus für den Renditeanstieg sei offensichtlich: Die Investoren würden kurzfristig eine kräftige Aufstockung der Corona-Schecks für US-Bürger und in den kommenden Monaten ein umfassendes Konjunkturprogramm erwarten. Im Raum stünden weitere Fiskalhilfen in Höhe von 1,9 Billionen US-Dollar. Das könnte nicht nur die Erholung der größten Volkswirtschaft der Welt beschleunigen, sondern dort auch die Inflation anfachen. Die entsprechenden Erwartungen seien bereits gestiegen. Deshalb stagniere die inflationsbereinigte Rendite - also die Rendite abzüglich der Inflationserwartung - bisher weitestgehend unverändert bei rund -1%.

In den kommenden Monaten könnte allerdings auch die reale Rendite im Zuge einer fortschreitenden Konjunkturnormalisierung wieder zulegen. Das würde den Aufwärtsdruck auf die laufende Verzinsung von US-Staatspapieren verstärken. Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) könnte vor dem Hintergrund einer wiedererstarkten Konjunkturdynamik in der zweiten Jahreshälfte eine Straffung ihrer Geldpolitik in Erwägung ziehen. Sie dürfte bei stabilen Finanzmärkten aber einen moderaten Renditeanstieg dulden.

Die Währungshüter hätten aber sicherlich noch das Ausstiegsszenario aus den Anleihekäufen von 2013 vor Augen ("Taper Tantrum"). Damals habe das Gedankenspiel der FED ausgereicht, um die Finanzmärkte in Aufruhr zu versetzen. So habe die Präsidentin der Kansas FED jetzt darauf hingewiesen, dass es noch zu früh sei, über eine Straffung der Geldpolitik zu spekulieren.

Für eine restriktivere US-Geldpolitik müssten sich deshalb zunächst die Inflationsentwicklung und der Arbeitsmarkt erholen. Boston-FED-Präsident Eric Rosengren habe in diesem Zusammenhang angemerkt, dass er vor 2024 keinen nachhaltigen Anstieg der US-Inflationsrate auf 2% erwarte. Darüber hinaus spreche das neue durchschnittliche Inflationsziel der US-Notenbank selbst dann für eine anhaltend expansive Geldpolitik, wenn die Inflationsrate den Zielwert von 2% überschreite.

Entsprechend preise der Markt eine Leitzinserhöhung in den USA erst für Anfang 2024 vollständig ein. Eine Verringerung der Anleihekäufe wäre allerdings schon früher möglich.

Auf der Jagd nach Rendite könnten Anleger in China fündig werden. Dort boome der Markt für Staatsanleihen. Vergangenes Jahr sei das Volumen aller ausstehenden in Lokalwährung notierten Papiere auf Nennwertbasis um knapp 18% auf umgerechnet rund 14,5 Billionen Euro gestiegen. Der Trend dürfte sich 2021 in ähnlichem Umfang fortsetzen.

Bislang würden nur knapp 3% der in China emittierten Anleihen von ausländischen Investoren gehalten - und die hätten einen beachtlichen Gesamtertrag erzielt: So hätten US-Anleger wegen der Aufwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar durchschnittlich fast 10% mit chinesischen Staatsanleihen eingestrichen. Die laufende Verzinsung für 10-Jährige Papiere liege aktuell bei 3,15% - also gut 2%-Punkte über der von US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit. Die für Oktober 2021 erwartete Aufnahme chinesischer Anleihen in den einschlägigen FTSE World Government Bond Index dürfte die ausländische Nachfrage nach chinesischen Papieren noch stärken. (Ausgabe Perspektiven Februar 2021) (08.02.2021/alc/a/a)