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Renten: Dauerhafte Inflationsresilienz?


13.11.20 11:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Renteninvestoren brauchen derzeit ein dickes Fell, so die Analysten der Helaba.

Lange Zeit hätten sie von der Unsicherheit über das Ausmaß und die Folgen der Pandemie profitiert. Die Lockdowns im Zuge der zweiten Infektionswelle hätten die Kurse zwischenzeitlich deutlich nach oben getrieben. Die Hoffnung auf einen wirksamen Impfstoff habe zuletzt allerdingseine markante Gegenbewegung ausgelöst. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass aufgrund des verbesserten Ausblicks die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung der EZB kleiner werde. An den Terminmärkten stehe der seit März bestehende Abwärtstrend der Geldmarkt-Futures vermutlich vor einer Trendwende.

Neben Zinsfantasie würden auch Inflationserwartungen traditionell eine wichtige Rolle bei der Preisbildung von Renten spielen. Allerdings stelle sich die Frage, ob dies im aktuellen Umfeld noch der Fall sei. Seit dem Tiefpunkt im März seien die 5Y/5Y-Inflation-Forwards für den Euroraum um einen halben Prozentpunkt gestiegen und lägen damit im Vor-Corona-Bereich bei rund 1,2%. Renten habe diese Entwicklung bislang jedoch nicht geschadet. Dies zeige auch die Korrelationsanalyse zwischen der Veränderung der Inflationserwartungen und der Veränderung der Bund-Rendite.

Nach Jahren im "normalen positiven" Bereich (steigende Inflationserwartungen = steigende Renditen) sei der Koeffizient im letzten Jahr in den neutralen Bereich nahe der Nulllinie gesunken. Der letzte Wert liege nun bei -0,6. Steigende Inflationserwartungen seien mit sinkenden Renditen einhergegangen. Anders sei das Bild bei US-Renten. Hier sei der Koeffizient konstant positiv, zuletzt bei +0,6. Es überrasche daher nicht, dass der jüngste Renditeanstieg - innerhalb von zwei Tagen sei die Rendite zehnjähriger US-Treasuries um einen viertel Prozentpunkt geklettert - stärker ausgefallen sei. Die Inflation-Forwards lägen rund einen Prozentpunkt über denen im Euroraum, was US-Staatsanleihen eine höhere Sensitivität verleihe.

Allerdings beantworte dies noch nicht die unterschiedlichen Vorzeichen bei den Korrelationskoeffizienten. Ein Grund dürfte im unterschiedlich hohen Einsatz der Notenbanken liegen. Setze man die Bilanzsummen in Relation zum jeweiligen BIP, so steuere der Euroraum bis Jahresende auf einen Wert von rund 60% zu, während die Vergleichsgröße in den USA mit etwa 35% deutlich niedriger ausfalle. Im Falle deutlich steigender Inflation würden die Anleger der FED, gemessen an den unterschiedlichen Korrelationskoeffizienten, vermutlich eher ein Gegensteuern zutrauen.

Immerhin habe die US-Notenbank in den letzten Jahren bereits bewiesen, dass sie in der Lage sei, ihre Anleihebestände auch wieder abzuschmelzen. Davon würden wohl im Falle der EZB und der besonderen Zwänge, denen sie in der Währungsunion ausgesetzt sei, wohl nur die wenigsten Anleger ausgehen. Das heiße allerdings nicht, dass sich der Korrelationskoeffizient nicht wieder in Richtung positiver Bereich bewegen werde. Der erste ernste Test stehe vermutlich nächstes Jahr an, wenn die Inflation im Euroraum wieder spürbar anziehe. (13.11.2020/alc/a/a)