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Renten: Bundrenditen testen Untergrenze


07.08.18 15:55
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Renditen am deutschen Rentenmarkt sind seit unserer letzten Ausgabe von "Zinsen und Währungen" moderat gestiegen, so die Analysten von Postbank Research.

So habe sich die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen um 10 Basispunkte auf 0,39% erhöht. Im 2-Jahresbereich habe sich ein Renditeanstieg um 8 Basispunkte auf -0,59% ergeben. Letzteres deute darauf hin, dass sich die Einschätzung der Marktteilnehmer hinsichtlich der EZB-Geldpolitik leicht verändert habe, obwohl es seitens der Währungshüter eigentlich keine Neuigkeiten zu verarbeiten gegeben habe. Allerdings hätten die Marktteilnehmer im Juni auf die EZB-Sitzung wohl überreagiert. Die Aussage, dass die Zinsen über den Sommer 2019 hinweg auf dem aktuellen Niveau verharren sollten, habe dazu geführt, dass der erwartete Termin für die erste Leitzinserhöhung ins Jahr 2020 verschoben worden sei. Dies habe sich mittlerweile wieder korrigiert. Inzwischen würden die Märkte diesen Schritt für den Herbst 2019 einpreisen.

Auch ansonsten hätten Nuancen bei der Interpretation von Notenbankentscheidungen oder -verlautbarungen zu gewissen Ausschlägen an den Rentenmärkten gesorgt. So seien die Renditen an den internationalen Kapitalmärkten nach dem Beschluss der Bank of Japan, ihren geldpolitischen Kurs grundsätzlich beizubehalten, mit Verzögerung etwas angestiegen, nachdem man realisiert habe, dass die Erreichung des 0,00-Prozent-Ziels bei der Rendite 10-jähriger Staatsanleihen flexibler gehandhabt werden solle.

Die Leitzinserhöhung durch die Bank of England wiederum habe letztlich kaum Spuren hinterlassen, da die britischen Währungshüter klar geäußert hätten, dass die Zinsen allenfalls allmählich und sehr moderat angehoben würden. Insgesamt hätten die Reaktionen am deutschen Rentenmarkt den Eindruck vermittelt, dass die angetestete Marke von 0,30% bei 10-jährigen Bunds wohl eine derzeit nicht zu durchbrechende Rendite-Untergrenze darstelle. In der Folge seien auf der Gegenseite gelegentlich Gründe gesucht worden, um das Renditeniveau etwas nach oben zu hieven.

Letztlich würden die Analysten weiterhin davon ausgehen, dass die Renditen am hiesigen Kapitalmarkt mit dem baldigen Ende der EZB-Nettoanleiheankäufe und einer sich nähernden Leitzinswende steigen würden. Dabei würden die Analysten aber auch unterstellen, dass die derzeitigen Handelskonflikte nicht massiv eskalieren würden und der Wachstumsausblick konstruktiv bleibe. Zudem sollte es nicht zu einem ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der EU kommen. Ein Auspreisen der diesbezüglichen Risiken sollte den Weg zu höheren Renditen freimachen. Gleichzeitig sei aber ein sprunghafter Anstieg der Renditen aufgrund der sehr verhaltenen Gangart der EZB nicht zu erwarten. Die Basisprognose der Analysten, dass die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen in einem Jahr bei etwa 1,0% liegen werde, bleibe unverändert. (Ausgabe August 2018) (07.08.2018/alc/a/a)