Renten: Bundesanleihen verbuchten deutliche Verluste


04.09.17 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach den Vorgaben unerwartet, für einen August aber nicht ganz unüblich fiel der US-Arbeitsmarktbericht enttäuschend aus, so die Analysten der Helaba.

Der geringere Stellenzuwachs (156K), ein Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,4% und fehlender Lohndruck (0,1%/2,5%) würden der Notenbank genug Gründe liefern, sich mit dem nächsten Zinsschritt Zeit zu lassen.

Hierzulande hätten die Umfragen bei den Einkaufsmanagern des Verarbeitenden Gewerbes Spaniens (52,4 nach 54) und Italiens (56,3 nach 55,1) ob ihrer gegenläufigen Entwicklung keinen Einfluss auf den endgültigen Wert für die Eurozone (57,4) gehabt. In Großbritannien habe sich die Stimmung dagegen überraschend deutlich aufgehellt (56,9 nach 55,3).

Staatsanleihen seien trotz wenig überzeugender Konjunkturdaten zum Wochenschluss ins Hintertreffen geraten. Mit zunehmenden Zweifeln an weiteren Zinsschritten habe die Risikobereitschaft wieder zugenommen.

Die gute Laune an den Aktienbörsen dürfte aber nach dem Atomtest Nordkoreas schnell wieder verflogen sein. In Fernost würden sich Anleger aus Aktienanlagen zurückziehen, die Verluste würden sich jedoch in Grenzen halten.

Bundesanleihen hätten angeführt von Langen und ultralangen Laufzeiten deutliche Verluste verbucht. Die Ansage des französischen Schatzamtes, in der kommenden Woche 10-, 19-, 24- und 43-jährige Bonds versteigern zu wollen, habe den Druck erhöht. Ein Großteil der Umsätze sei allerdings dem Wechsel in den Dezemberkontrakt an der EUREX geschuldet gewesen. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich auf 78,5 BP ausgeweitet. 10-jähriger Bonds aus Frankreich (0,68%) und Belgien (0,68%) hätten auf Bunds einen halben BP verloren.

Auch an den Bondmärkten der EU-Peripherie hätten sich Anleger zum Wochenschluss bedeckt gehalten. Der Risikoaufschlag 10-jähriger spanischer (1,59%) und italienischer Bonds (2,07%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um knapp einen BP ausgeweitet, der portugiesischer Anleihen (2,78%) habe sich um 4 BP ermäßigt. Spanien habe angekündigt, am Donnerstag SPGBs mit Laufzeiten 04/2022, 10/2027 und 07/2033 zu begeben.

Die Renditen für US-Staatsanleihen seien trotz überwiegend enttäuschender Konjunkturdaten gestiegen. Neben dem schwachen Jobreport habe der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe (58,8 nach 56,3) jedoch positiv überrascht und spreche für eine robuste wirtschaftliche Entwicklung. Das Verbrauchervertrauen der University of Michigan (96,8 nach 97,6) habe die Prognosen nicht ganz getroffen, der Automobilabsatz im August (16.06 Mio.) habe unter den Erwartungen gelegen. Aus Fernost gebe es für US-Treasuries wegen des heutigen Feiertages in den USA keine Vorgaben.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (164,77) und Bobl-Kontrakt (133,08) hätten 45 bzw. 9 Stellen verloren, der Schatz (112,27) sei unverändert aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,38% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2-und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 110,5 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 4 BP höher bei 2,17% rentieren. Der Euro verbillige sich leicht auf 1,188 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 47,4 Dollar.

In dieser Woche würden sich die Einkaufsmanager aus dem Dienstleistungssektor dies- und jenseits des Atlantiks zu Wort melden. Größeres Interesse dürften jedoch Auftragseingänge in den Vereinigten Staaten sowie Produktionszahlen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens erzielen.

Die Daten würden jedoch vor der Sitzung der EZB am Donnerstag in den Hintergrund rücken. Die zentrale Frage laute, ob die Notenbank den Ausstieg aus den Anleihekäufen ankündige und wie behutsam er ausfalle? Glaube man Insidern, werde diese Entscheidung aber trotz Vorlage aktualisierter Projektionen auf den 26. Oktober vertagt. Allerdings könne der unerwartet starke Anstieg des Euro nicht für eine komplette Verweigerung ins Feld geführt werden. Die selbst gesetzte Grenze von 33% eines Emittenten werde bei einem unveränderten Umfang des Kaufprogramms im Sommer kommenden Jahres für Bundesanleihen, wenig später für Frankreich, Italien und Spanien erreicht. Zinserhöhungen würden jedoch angesichts der aktuellen Entwicklung in immer weitere Ferne rücken.

Am Primärmarkt starte die Woche morgen mit der Versteigerung 10-und 20-jähriger Anleihen Österreichs im Volumen von rund 1,4 Mrd. Euro. Zur Wochenmitte stocke die Finanzagentur des Bundes 5-jährige Bundesobligationen um 3 Mrd. Euro auf. Spanien und Frankreich würden ihre Auftritte am Donnerstag planen. (04.09.2017/alc/a/a)





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