Renten: Bundesanleihen blieben gut unterstützt


12.06.17 11:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die deutschen Exporte sind im April stärker als erwartet um 0,9% gestiegen, so die Analysten der Helaba.

Allerdings sei auch deutlich mehr importiert worden und der Handelsbilanzüberschuss sei auf 18,1 Mrd. Euro gesunken. Da dauere es bestimmt nicht lange, bis sich Donald Trump auch diese Entwicklung auf seine Fahne schreibe.

In Frankreich seien die Produktionszahlen anders als in Deutschland enttäuschend ausgefallen. Das werfe Fragen für die Entwicklung in der Eurozone auf.

Nach dem Wahldebakel der Konservativen in Großbritannien dürfte sich eine Regierungsbildung schwierig gestalten. Premierministerin May habe eine Übereinkunft mit der irischen "DUP" erzielt, wonach diese eine Minderheitsregierung der Tories dulden würden. Allerdings müsste die Regierungschefin dann wohl etwas von ihrer harten Linie abweichen.

Ganz anders sehe es dagegen in Frankreich aus. Präsident Macrons "La République en Marche" habe im ersten Wahlgang fast ein Drittel aller Stimmen erzielt. Bei der endgültigen Entscheidung am nächsten Sonntag sei nach Expertenmeinung eine Zwei-Drittel-Mehrheit möglich. Damit könnte der Staatschef die dringend notwendigen Arbeitsmarkt- und Sozialreformen umsetzen.

An den internationalen Finanzmärkten sei die Risikobereitschaft am Ende der Woche wieder gestiegen.

Trotz steigender Aktiennotierungen seien Bundesanleihen aber gut unterstützt geblieben. Das Interesse der Investoren habe sich allerdings wieder mehr auf mittlere und kurze Fälligkeiten verlagert. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich auf 86,5 BP ausgeweitet. Schon im Vorfeld der Wahl seien französische Staatsanleihen lebhaft nachgefragt worden. Am kommenden Donnerstag würden OATs mit Fälligkeiten 02/2020, 04/2022, 05/2022 sowie 10/2023, aber keine Langläufer versteigert. Der Renditeabstand 10-jähriger Bonds aus Frankreich (0,64%) und Belgien (0,59%) hätten gegen Bunds 2 bzw. 1 BP aufgeholt.

Der Aufschwung an den Bondmärkten der EU-Peripherie habe auch am Tag nach der EZB-Sitzung angehalten. Die Aussicht auf anhaltend hohe Anleihekäufe, keine vorgezogene Neuwahlen und keine Langläufer bei den Auktionen in Italien in der kommenden Woche hätten positiv zu Buche geschlagen. Spanien habe im Verlauf Federn lassen müssen, nachdem bekannt geworden sei, dass die Katalanen am 1. Oktober über ihre Unabhängigkeit abstimmen wollten. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,42%), italienischer (2,08%) und portugiesischer Bonds (2,97%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 3, 5 bzw. 1 BP ermäßigt.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen im Vorfeld der Notenbank-Sitzung weiter gestiegen. Nach der Anhörung von Ex-FBI-Chef Comey seien die Anleger schnell zu Tagesordnung übergegangen. Mit zunehmendem Risikoappetit hätten Aktien Zinstiteln den Rang abgelaufen. In Erwartung eines nächsten Zinsschrittes seien vor allem Bankwerte gefragt gewesen. In Fernost würden US-Treasuries trotz schwacher Aktiennotierungen weiter nachgeben. In Japan habe der Rückgang der Maschinenaufträge im April (-3,1%/2,7%) auf ganzer Linie enttäuscht.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (164,97) habe 10 Stellen verloren, Bobl (133,21) und Schatz (112,22) seien 7 bzw. 1,5 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,265% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2-und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich marginal auf 99,5 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 3 BP höher bei 2,22% rentieren. Der Euro verharre bei 1,121 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 46,1 Dollar.

Viel Zeit zum Durchatmen bleibe den Akteuren am Kapitalmarkt nicht. Bereits am Donnerstag stehe mit der Sitzung der US-Notenbank das nächste Highlight auf dem Kalender. Hier dürfte der Korridor für den Leitzins wohl erneut auf 1,00 bis 1,25% angehoben und nächste Schritte angekündigt werden. Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt und steigende Importpreise würden dieses Szenario stützen, der Inflationsrückgang stelle den weiteren Fahrplan jedoch in Frage. Spannend bleibe die Frage, wie die FED den geplanten Bilanzabbau kommentiere.

Daneben stünden Konjunkturdaten der Vereinigten Staaten im Fokus der Anleger. Das Augenmerk liege außerdem auf Verbraucher- und Erzeugerpreisen, ersten Stimmungsbildern für Juni beim Verarbeitenden Gewerbe der Distrikte New York und Philadelphia auf Aktivitäten am Wohnungsmarkt.

Nach verhaltenem Auftakt mit einzig den Produktionszahlen Italiens (0,2%/ 2,6%) auf der Agenda werde es am Dienstag mit der ZEW-Umfrage und Inflationszahlen aus Großbritannien schon spannender.

Am Primärmarkt würden Italien (5,5 Mrd. Euro 3 und 7 Jahre) und die Niederlande (3 Mrd. Euro 10 Jahre) am Dienstag den Reigen eröffnen, die Finanzagentur des Bundes biete 3 Mrd. Euro der 10-jährigen Bundesanleihe zur Wochenmitte an. An Fronleichnam würden Spanien und Frankreich in Aktion treten. Spanien stocke am kommenden Donnerstag SPGBs der Fälligkeiten 04/2022, 04/2027, 07/2032 und 01/2037 auf. Frankreich versteigere OATs mit Fälligkeiten 02/2020, 04/2022, 05/2022 sowie 10/2023, aber keine Langläufer. Portugal sei tags zuvor mit 5-und 10-jährigen Titeln im Volumen von zusammen 1.25 Mrd. Euro am Zug. Das amerikanische Schatzamt habe 3- und 10-jährige Notes im Volumen von 24 bzw. 20 Mrd. USD sowie 30-jährige Bonds im Volumen von 12 Mrd. USD im Angebot. (12.06.2017/alc/a/a)






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