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Renten: Der Blick auf die FED


10.09.21 09:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Analystengemeinde diskutiert intensiv darüber, wann die US-Notenbank Federal Reserve (FED) beginnt, das Volumen ihrer monatlichen Wertpapierkäufe zu reduzieren (Tapering), so die Analysten von Postbank Research.

Favorisierter Startmonat sei inzwischen Dezember. Die FED müsste demnach spätestens auf ihrer Sitzung im November einen entsprechenden Beschluss fassen. Nach überwiegender Einschätzung der Analysten dürfte das Tapering in Teilschritten mit einer Drosselung der monatlichen Staatsanleihekäufe um 10 Milliarden US-Dollar und der von Hypothekenanleihekäufen um 5 Milliarden US-Dollar erfolgen. Damit wäre das Programm im zweiten Halbjahr 2022 beendet und erste Leitzinserhöhungen könnten 2023 folgen.

Dieses Szenario, das immer unter dem Vorbehalt stehe, dass externe Schocks ausbleiben würden, dürfte die Marktakteure nach Meinung der Postbank nicht sonderlich beunruhigen. Anders als 2013, als die FED die Märkte mit der Ankündigung eines schnelleren Ausstiegs aus dem Anleihekaufprogramm überrascht habe, nähmen die US-Währungshüter mit ihrer aktuellen Kommunikation der geldpolitischen Straffung ihren Schrecken. Allerdings sei der Verlauf des nächsten Zinserhöhungszyklus für die Investoren an den Finanzmärkten wichtiger als der des Tapering. So sollten mögliche Leitzinserhöhungen gut prognostizierbar sein, nicht zu hoch ausfallen und in einem Abstand von mindestens drei Monaten erfolgen. Die stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) würden aktuell eine finale Federal Fund Rate von 2,5% erwarten - ein Szenario, das Anleger wohl kaum verstören dürfte.

Eine sinkende Nachfrage nach US-Staatsanleihen durch die Notenbank müsse sich nicht zwangsläufig in steigenden Renditen der Staatsanleihen niederschlagen. In einer prosperierenden Wirtschaft würden sich die Steuereinnahmen erhöhen, gleichzeitig würden staatliche Corona-Hilfsprogramme auslaufen - entsprechend dürfte in den Folgequartalen auch das Angebot an US-Treasuries sinken. Das setze allerdings voraus, dass das geplante Infrastrukturpaket der US-Regierung gegenfinanziert werden könne und das Zinsniveau niedrig bleibe.

Davon gehe die Analystengemeinde in ihrem Basisszenario aus. Für die Tapering-Phase erwarte sie nach jeder Volumenreduzierung bei 10-jährigen US-Staatspapieren einen Renditeanstieg von rund 0,1 Prozentpunkten innerhalb von ein bis zwei Monaten. Selbst unter ungünstigen Rahmenbedingungen dürfte der Anstieg maximal 30 Basispunkte erreichen - alles in allem für Zinsanleger kein Grund zur Panik.

Globale Unternehmensanleihen mit guter und sehr guter Bonität (Investment Grade, IG) dürften weiterhin von verbesserten Fundamentaldaten und einer stabilen Nachfrage bei gleichzeitig sinkendem Angebot profitieren. Steigende Leitzinsen könnten aber zu größeren Kursschwankungen führen. Gleichzeitig sollte sich die weitere Konjunkturerholung positiv auf die Ausfallraten im Segment der Hochzinsanleihen (High Yield, HY) auswirken. Dafür spreche auch der Rating-Trend: Zuletzt hätten Heraufstufungen der Bonität überwogen. Außerdem seien HYs weniger zinsempfindlich als IGs, die Auswirkungen einer Drosselung der Anleihekäufe in den USA durch die FED sollten überschaubar sein. Nach Einschätzung der Postbank könnten sich die Renditeaufschläge auf Anleihen aus den Schwellenländern in den nächsten zwölf Monaten einengen - auch weil Impffortschritte die wirtschaftliche Erholung dort beschleunigen dürften. Risikofaktor bleibe eine Abschwächung der Wachstumsdynamik in China. (Perspektiven September 2021) (10.09.2021/alc/a/a)