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Renten: Begrenzter Renditeanstieg


08.04.21 10:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im März auf den Renditeanstieg europäischer Staatsanleihen reagiert, so die Analysten von Postbank Research.

Die Währungshüter hätten angekündigt, dass die Käufe im Rahmen des Pandemie-Anleihekaufprogramms (PEPP) im 2. Quartal in einem "signifikant höheren Umfang als in den ersten Monaten dieses Jahres durchgeführt werden." Nach Einschätzung der Postbank könnte das Nettokaufvolumen nun auf durchschnittlich 20 Milliarden Euro pro Woche bis zum Ende des 2. Quartals 2021 steigen.

Die Aktivitäten der EZB dürften einen weiteren Anstieg der Renditen von Staatsanleihen aus der Eurozone bremsen. Ein gewisser Druck komme allerdings aus den USA. Dort seien die Renditen der US-Staatsanleihen seit Jahresbeginn stärker gestiegen. Aktuell würden Papiere mit zehn Jahren Laufzeit gegenüber deutschen Bundesanleihen einen Renditeaufschlag von knapp 2%-Punkten bieten - Anfang Januar seien es noch 50 Basispunkte weniger gewesen. Selbst nach Absicherung der Währungsrisiken sei die laufende Verzinsung von US-Dollar-Anleihen deutlich höher. Für Anleger aus dem Euroraum betrage der währungsgesicherte Renditevorteil bei 10-jährigen Staatsanleihen aktuell fast 1%-Punkt - der höchste Wert seit 2016. US-Staatsanleihen hätten auch den Renditeabstand auf chinesische Titel verringern können und würden für globale Investoren damit immer interessanter.

Im Segment der Unternehmensanleihen sei die Gemengelage eine andere. Die direkten Auswirkungen umfangreicherer PEPP-Käufe der EZB dürften, wenn überhaupt, gering ausfallen. Denn obwohl das Krisenprogramm völlig flexibel in allen Anleiheklassen genutzt werden könne, entfalle aktuell nur rund 1% der Käufe auf Unternehmenspapiere mit guter oder sehr guter Bonität (Investment Grade, IG). Daran dürfte sich nach Einschätzung der Postbank auch nichts ändern. Zwar würden die EUR-IG-Renditen durch das steigende Zinsniveau ebenfalls nach oben getrieben, die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen seien seit Jahresbeginn aber wie in den USA zurückgegangen. Die relative Ruhe auf dem EUR-Unternehmensanleihemarkt erzwinge damit kein Handeln der Währungshüter.

Die Renditen von US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating seien seit Dezember 2020 um rund 0,5%-Punkte auf aktuell 2,2% gestiegen. Zwar hätten die Unternehmen das vergleichsweise günstige Zinsumfeld genutzt, um ihre Finanzierungslaufzeiten auszudehnen und liquide Mittel von insgesamt knapp 4 Billionen US-Dollar anzuhäufen. Sollten Anleiherenditen und Risikoaufschläge zukünftig aber weiter steigen, dürften sich diese höheren Kapitalkosten mit einer zeitlichen Verzögerung auch in den Bilanzen der Unternehmen bemerkbar machen. Denn für Unternehmen mit hoher Verschuldungsquote, schwachem Rating, ungünstiger Fälligkeitsstruktur und niedrigem Zinsdeckungsgrad wirke sich ein Zinsanstieg nachteilig aus. Investoren sollten dies bei ihrer Aktienwahl unbedingt berücksichtigen. Denn die Qualität der Bilanz habe Auswirkungen auf die Gläubiger, aber auch auf die Eigentümer. (Perspektiven April 2021) (08.04.2021/alc/a/a)