Renten: Die Anleihekurse kamen getrieben aus den USA am gestrigen Nachmittag unter Abgabedruck


10.01.18 09:15
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Während die europäischen Bondkurse die gestern Morgen startende Emissionsflut noch ganz gut wegstecken konnten, kamen sie am Nachmittag im Zuge steigender US-Renditen unter Abgabedruck, so die Analysten der National-Bank AG.

Ob dafür tatsächlich, wie es mehrfach berichtet worden sei, die Reduzierung der Anlaufvolumina der Bank of Japan am langen Ende der Zinskurve verantwortlich zu machen sei, sei eher unwahrscheinlich. Schließlich fahre die japanische Notenbank im Zuge ihrer Zinssteuerung die Ankaufvolumina schon seit etwas längerer Zeit zurück. Und zugleich sei ein Ende ihrer ultra-lockeren Geldpolitik nicht zu erkennen, denn von einem nachhaltigen Anziehen der Teuerung sei man in Japan noch entfernt. Vielmehr dürften sich die Investoren auf die Fortsetzung der Emissionstätigkeit vorbereiten und versuchen, die Emittenten zu Konzessionen zu bewegen.

Sollte das Renditeniveau bis in den Nachmittag halten, wäre das bei der Aufstockung der aktuellen 10-jährigen T-Notes bspw. gelungen. Allerdings stünden bereits am Vormittag zahlreiche Emissionen von Euroländern an. Der Bund werde eine neue 10-jährige bringen. Italien und Portugal hätten gestern Syndikate für 20 bzw. zehn Jahre mandatiert, sodass heute mit der Platzierung gerechnet werden könne.

Vor dem Hintergrund des reduzierten Ankaufvolumens durch die EZB könne das Platzierungsergebnis ersten Aufschluss darüber geben, ob die Ankaufreduzierung Auswirkungen habe, obwohl die EZB am Staatsanleiheprimärmarkt nicht aktiv sei. Theoretisch könnte aber nach wie vor jeweils ein Drittel der neuen Emissionen bei der EZB im Portfolio landen, was im Falle der Bund und der portugiesischen Neuemission aufgrund der sonstigen Anlagerestriktionen durchaus wahrscheinlich sei.

Datenseitig werde heute nichts Bedeutendes veröffentlicht. Die Auftragseingangs- und Außenhandelsdaten Deutschlands gestern hätten überzeugen können. Immerhin sei der reflexartige Hinweis, der Außenbeitrag Deutschlands sei viel zu hoch, ausgeblieben. Heute dürften die Investoren kurz auf die Industrieproduktionsdaten aus Frankreich sowie die Importpreise aus den USA schauen. Großen Einfluss würden die Daten nicht ausüben. Zusätzlich würden die US Öllagerbestände im Hinblick auf den Ölpreis und damit die Entwicklung der Preise betrachtet werden. Die Schätzungen würden von einem deutlichen Rückgang der Lagerbestände ausgehen, was sich in der Ölpreisentwicklung der vergangenen Tage ablesen lasse.

Daneben würden die Investoren sicher die Aussagen der US-Notenbanker auf neue Hinweise untersuchen, wie die Geldpolitik im laufenden Jahr aussehen werde. Allerdings seien die meisten Notenbanker, ähnlich wie Neel Kashkari gestern, im FOMC in 2018 nicht stimmberechtigt, sodass die Aussagen nur einen eingeschränkten Nutzen hätten.

Immerhin gebe es von den chinesischen Preisdaten heute Morgen kein Störfeuer: Sowohl Erzeuger- als auch Verbraucherpreise seien im Rahmen der Schätzungen ausgefallen.

Für den Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) dürfte es heute schwer werden, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Die Emissionstätigkeit sollte auf den Notierungen lasten, sodass er mit leichten Verlusten in den Tag starten dürfte. Er sollte sich im weiteren Handelsverlauf zwischen 160,70 und 161,90 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte zwischen 2,48 und 2,62% schwanken. (10.01.2018/alc/a/a)