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Renditesprung bei den T-Notes


05.02.21 09:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die zehnjährigen Treasury-Renditen haben in den USA einen Sprung nach oben gemacht und liegen derzeit bei 1,14%, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Grund dafür sei vor allem die Erwartung, dass die Regierung Biden anstrebe, das Fiskalpaket im geplanten Umfang von 1,9 Billionen US-Dollar (rund 10% des BIP) durchzusetzen. Unter normalen Umständen würde er dafür neben der Zustimmung des Abgeordnetenhauses eine Super-Mehrheit von 60 Stimmen im Senat benötigen. Wenn jedoch in dem Haushaltsgesetz langfristige Gegenfinanzierungsmaßnahmen enthalten seien, genüge eine Mehrheit von 51 Stimmen, über die die Demokraten grundsätzlich verfügen würden. Biden verhandle zwar mit den Republikanern, treibe aber gleichzeitig den Gesetzgebungsprozess voran, da die Republikaner mit einem wesentlich kleineren Fiskalpaket von 0,6 Billionen US-Dollar in die Verhandlungen gestartet seien.

Sollte das 1,9 Billionen US-Dollar Paket in den kommenden Wochen verabschiedet werden, werde dies vermutlich den Bondmarkt belasten und zu tendenziell höheren Renditen führen. Die FED dürfte entspannt bleiben, solange der Renditeanstieg moderat bleibe. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank nähmen an, dass das in Bezug auf die zehnjährigen T-Notes bis 1,50% der Fall sein dürfte, ein rascher Anstieg über dieses Niveau hinaus könnte Reaktionen der FED in Form einer Erhöhung der Anleiheankäufe hervorrufen, zumal die Aktienmärkte unter einem derartigen Zinsanstieg leiden könnten.

Die Bundrenditen seien ebenfalls gestiegen und lägen derzeit bei -0,46%. Hier sei die Ursache möglicherweise eine andere, nämlich der sprunghafte Anstieg der Inflation in der Eurozone, von -0,3% auf +0,9% YoY. Das habe mit der Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland zu tun und höheren Energiepreisen, mehr aber noch mit einer Umstellung der Gewichte im Warenkorb. Denn die neuen Konsumgewohnheiten habe man, auch wenn sie teilweise temporär seien, nunmehr berücksichtigt.

In Deutschland würden beispielsweise Pauschalreisen nicht mehr mit 3,1%, sondern nur noch mit 1,0% gewichtet, Nahrungsmittel hingegen mit 12,8% statt mit 11,3%. Bei Bekleidung/Schuhe sei das Gewicht von 5,1% auf 4,4% angepasst worden. Man habe im Ergebnis die von der Coronakrise betroffenen Güter und Dienstleistungskategorien, bei denen meist Preisrückgänge zu verzeichnen seien, niedriger gewichtet und umgekehrt die Leistungen, die in der Pandemie stärker nachgefragt würden und wo tendenziell Preiserhöhungen festzustellen seien, höher gewichtet.

Insofern könne man nicht daraus ableiten, dass der Inflationsdruck plötzlich gestiegen sei, es handle sich hier eher um methodisch bedingte Auswirkungen und um Basiseffekte. Insofern würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank nicht davon ausgehen, dass die höhere Inflation nachhaltig die Renditen nach oben treiben werde.

In der kommenden Woche (10.02.) würden die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung besprechen, wie es mit dem Lockdown weitergehe. Vermutlich sei es aus virologischer Sicht sinnvoll, den Lockdown noch über den 14.02. hinaus zu verlängern. Allerdings stelle sich die Frage, ob das gesellschaftlich noch durchzusetzen sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich klar für eine Verlängerung ausgesprochen, bei den Ministerpräsidenten sei das Bild weniger eindeutig.

In Italien sei jetzt der ehemalige EZB-Präsident Mario Draghi mit der Bildung einer Expertenregierung beauftragt worden. Allerdings werde es für Draghi nicht ganz leicht, die notwendige Mehrheit hinter sich zu bringen. Die den Linkspopulisten zugerechnete Fünfsternebewegung M5S, die in beiden Kammern relativ gesehen die meisten Stimmen auf sich vereinige (im Abgeordnetenhaus 203 von 630, im Senat 107 von 319 Sitzen), habe Draghi in einem ersten Reflex abgelehnt. Falls Draghi eine Regierungsbildung gelingen sollte, werde es seine vordringlichste Aufgabe sein, einen Plan für die Verwendung der EU-Hilfsgelder aus dem Wiederaufbaufonds aufzustellen. Das seien 209 Mrd. Euro bzw. 12% des italienischen BIP.

An der Datenfront sei auf die US-Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen (05.02.) zu achten. Hier könnte es Enttäuschungen geben, darauf würden die wöchentlichen Zahlen hindeuten. Ebenfalls am 05.02. würden die Auftragseingänge für die deutsche Industrie veröffentlicht. Hier seien weiterhin gute Ergebnisse zu erwarten. Nächste Woche seien die Inflationszahlen aus den USA (10.02.) sowie die Industrieproduktion in der Eurozone (12.02.) hervorzuheben. In Deutschland und China stünden außerdem die Exporte und Importe für Dezember bzw. Januar an (09.02.). Außerdem beginne in China das Neujahrsfest (12. bis 17.02.). (Ausgabe vom 04.02.2021) (05.02.2021/alc/a/a)