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Renditen und Spreads kaum geändert - Alle Augen auf die Rede des FED-Vorsitzenden gerichtet


08.04.21 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Im Gegensatz zum Dienstag, der von Finanzemittenten dominiert wurde, waren gestern SSAs und grüne Emittenten gleichermaßen präsent, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die verstärkten Bemühungen der EZB, eine Verschärfung der finanziellen Konditionen nicht zuzulassen, habe zu beschleunigten Anleihekäufen in den letzten Wochen geführt, aber auch die Türen für weitere Anleiheemissionen, einschließlich derjenigen von Europas am höchsten verschuldeten staatlichen Emittenten geöffnet.

Die neue 50-jährige Anleihe Italiens sei auf starke Nachfrage gestoßen - eine 12,8fache Überzeichnung - dreimal höher als der alte Rekord. IT habe auch seine 2028er Staatsanleihen vermarktet. Das vergleichsweise niedrige Niveau der langfristigen Renditen habe die Spekulationen am Markt genährt, dass Italien sogar ein Debüt mit einer 100-jährigen Anleihe wagen könnte.

Darüber hinaus habe Portugal eine 10-jährige Anleihe mit einem Orderbuch von über EUR 30 Mrd. verkauft, ebenfalls ein starkes Investoreninteresse. Im CEE-Raum habe Rumänien sehr erfolgreich eine Zwei-Tranchen-Anleihe mit einer Laufzeit von zwölf und 20 Jahren begeben.

An der grünen Front habe die deutsche Entwicklungsbank KfW eine 8-jährige grüne Anleihe und die baskische Regierung eine nachhaltige Anleihe emittiert. Die SSAs würden mit Niedersachsens 15J-Deal einen noch tieferen Fußabdruck hinterlassen.

Risikobehaftete Vermögenswerte hätten einen zögerlichen und unspektakulären Handel gehabt, da die Anleger auf das Protokoll der FED-Sitzung gewartet hätten. Die US-Aktien seien zunächst wenig verändert gewesen und dann in der späten Sitzung gestiegen, da das Protokoll eine positive Formulierung enthalten habe, die den jüngsten Anstieg der Treasury-Renditen als Ausdruck eines positiven Wirtschaftsausblicks dechiffriert habe. Während die Aktien in Europa gestern 0,3% abgegeben hätten, könnten sie die Wende zur positiven Stimmung jenseits des Atlantiks in der heutigen Sitzung nachahmen, wie die Futures zeigen würden.

Zu den wichtigsten Ereignissen des heutigen Tages gehöre die Rede des FED-Vorsitzenden Powell während der virtuellen Sitzung des IWF. Die 10-jährige US-Treasury-Rendite habe flach begonnen, bevor sie um 1,7 Basispunkte angestiegen sei, während das deutsche Pendant um 0,8 Basispunkte nachgegeben habe. Die Kreditspreads seien gestern auf der Stelle getreten, wobei IG unverändert gehandelt und HY um 1 Basispunkt nachgegeben habe.

S IMMO AG habe heute Morgen die Geschäftszahlen für 2020 berichtet. Niedrigere Hotelerlöse hätten im Jahresvergleich zu einem Mieterlösrückgang von 17% auf EUR 174 Mio. geführt. Ähnlich habe sich die Entwicklung beim EBITDA (-18%, EUR 71 Mio.) gezeigt. Verschuldungsseitig sei eine stabile Entwicklung (-1%, EUR 1,5 Mrd.) verzeichnet worden, während das ausgewiesene Immobilienvermögen um rund 4% per 31.12.2020 auf EUR 2,5 Mrd. angestiegen sei. Zuletzt habe die S IMMO die für 30.04. geplante ordentliche Hauptversammlung verschoben, während gestern die IMMOFINANZ AG die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung bei S IMMO gefordert habe.

S&P habe das Rating der Sodexo S.A. um eine Stufe auf BBB+ herabgestuft. Die Ratingagentur sehe eine langsamere Erholung der Kreditkennzahlen aufgrund pandemie-bedingter Einschränkungen. So erwarte S&P, dass das Verhältnis von FFO zu Verschuldung bis zum Geschäftsjahr 2024 wieder über 30% liegen werde, während es im Geschäftsjahr 2021 unter 20% liegen werde. Der negative Ausblick für das Sodexo-Rating spiegele die verbleibende hohe Unsicherheit hinsichtlich einer Erholung des Catering-Marktes wider.

Nach Local GAAP habe die Sberbank im März einen Nettogewinn von RUB (Russischer Rubel) 103,3 Mrd. und in Q1 2021 von RUB 282,5 Mrd. (RoE = 23,6%) erzielt. Die Bank habe dabei von einer Beschleunigung des Retail-Kreditgeschäfts (+2,2% im März), einer Verbesserung des Provisionsüberschusses (+6% gg. Vj.) und einer relativ stabilen Asset-Qualität (Risikokosten Q1 2021 = 0,9%) profitiert. Die Bank habe auch den geprüften Jahresüberschuss des Geschäftsjahres 2020 in das Kernkapital einbezogen, um die CET1-Quote (13,3%) zu stärken und die Grundlage für die vom Aufsichtsrat empfohlene Dividendenzahlung von RUB 422 Mrd. (56% des IFRS-Jahresüberschusses) zu schaffen.

Laut der OeNB hätten die österreichischen Kreditinstitute im Jahr 2020 ein Jahresergebnis in der Höhe von EUR 3,7 Mrd. erzielt und im Vorjahresvergleich einen Rückgang von EUR 3,0 Mrd. verzeichnet. Während im operativen Geschäft die COVID-19-Pandemie nicht sichtbar sei - das Betriebsergebnis sei nahezu gleichgeblieben - sei der starke Einbruch im Jahresergebnis im Ausmaß von knapp 50% gegenüber dem Vorjahr vorrangig auf einen, der COVID-19-Pandemie geschuldeten, stark erhöhten Wertminderungs- und Rückstellungsbedarf zurückzuführen. Gleichzeitig habe von den österreichischen Banken jedoch im Jahr 2020 durch einbehaltene Gewinne und Neuemissionen die historisch stärkste Kapitalausstattung mit Eigenmitteln in der Höhe von EUR 94,3 Mrd. erzielt werden können.

Die EZB habe ihre PEPP-Nettokäufe im Vergleich zur Vorwoche mit EUR 10,6 Mrd. zum vergangenen Freitag fast halbiert. Damit steige der Gesamtbestand des PEPP auf EUR 943,2 Mrd. an. Die neuesten Daten zur Zusammensetzung des PEPP würden einen weiteren Rückgang der Commercial Papers auf EUR 12,8 Mrd. zeigen, während die Bestände an Unternehmensanleihen in den letzten zwei Monaten um EUR 4,7 Mrd. auf EUR 27,1 Mrd. per Ende März angestiegen seien. Die APP-Bestände seien im Laufe der letzten Woche um EUR -4,5 Mrd. gesunken. Davon seien EUR 0,3 Mrd. auf das CSPP entfallen.

Rumänien habe gestern zwei, Apr-2033 und Apr-2041, EUR Eurobonds in Höhe von insgesamt EUR 3,5 Mrd. zum Auktionspreis von ms+195 BP bzw. ms+235 BP (beide 30 BP unter anfänglichem Richtpreis; Gebote ca. EUR 6 bzw. 4 Mrd.) begeben. Die EUR ROMANI-Kurve bestehe nun aus 22 Anleihen mit einem kumulierten Emissionsvolumen von EUR 31,7 Mrd. (ähnlich groß wie EUR POLAND) mit einer gewichteten durchschnittlichen LZ von ca. 12J. Für 2021 plane man insgesamt EUR 7,4 Mrd. (äquiv.) an den internationalen Anleihemärkten aufzunehmen.

Nach steilen Renditeanstiegen im April seien gestern die Renditen von USD UKRAIN wieder gefallen (2028 USD mid-YTM wieder nahe 7%). Die 2029 USD RUSSIA-Rendite sei angesichts der mehr denn je bestehenden Sanktionsrisiken angesichts des jüngsten Säbelrasselns im RU/UA-Konflikt unter moderatem Aufwärtsdruck geblieben. RU MinFin habe indessen gestern eindrucksvoll lokale Staatsanleihen versteigert und damit die Aufnahmefähigkeit seines Bankensektors und seine mutmaßliche Unabhängigkeit von den internationalen Primärmärkten demonstriert.

Nach der gestrigen Zinssitzung der NBP sei die Formulierung zur Wechselkurslage modifiziert worden, die nun besage, dass das Tempo der Konjunkturerholung unter anderem von weiteren Veränderungen des Polnischen Zloty abhängen werde. In den Monaten zuvor sei deutlich gesagt worden, dass eine mangelnde Zloty-Abwertung in Reaktion auf die Pandemie die Konjunkturerholung behindern könnte. Abgesehen vom FX-Teil sei die neutrale Haltung bekräftigt worden, wobei auf der Pressekonferenz am Freitag mehr Informationen zu erwarten seien.

Der amtierende bulgarische Premierminister Borissov sehe erwartungsgemäß wenig Chancen, eine neue Koalition anzuführen. Seine Partei GERB habe bei den Parlamentswahlen am Sonntag die meisten Stimmen erhalten, werde aber Partner brauchen. Präsident Radev sollte zuerst die GERB mit der Regierungsbildung beauftragen, aber das werde wahrscheinlich scheitern. In diesem Fall komme die zweitstärkste Partei zum Zug. Wenn das nicht klappe, bekomme eine dritte Partei eine Chance, bevor eine Neuwahl ausgerufen werde. (08.04.2021/alc/a/a)