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Renditen auf beiden Seiten des Atlantiks zuletzt stabilisiert


04.10.21 10:39
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Mit dem US-Arbeitsmarktbericht steht diese Woche ein Daten-Schwergewicht am Kalender, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Nach einer sehr positiven Arbeitsmarktdynamik in den Monaten Mai, Juni und Juli von durchschnittlich 876 Tsd. neuen Stellen pro Monat, habe sich die Erholung im August abgeschwächt (235 Tsd.). Dies sei vordergründig auf steigende COVID-19 Fälle zurückzuführen gewesen, da insbesondere Sektoren kontaktintensiver Dienstleistungen stagnierende Beschäftigung ausgewiesen hätten.

Seit Mitte September seien die COVID-19 Fallzahlen in den USA wieder rückläufig wenn auch weiterhin auf erhöhtem Niveau, sodass davon auszugehen sei, dass die Beschäftigungsentwicklung im September noch unter dem Einfluss der jüngsten Pandemie-Welle stehe. Umfragen wie Einkaufsmanagerindices würden dies nahelegen und auf eine stagnierende Beschäftigungsentwicklung im Dienstleistungsgewerbe hindeuten (49,9 Punkte).

Die Arbeitslosenquote sei zuletzt auf 5,2% gefallen und liege damit bereits 1,5%-Punkte unter dem Jahresendwert 2020 (Vorkrisenniveau liege bei 3,5%). Neben der Arbeitslosenquote werde vor allem der Partizipationsrate große Aufmerksamkeit geschenkt, da diese bislang in nur geringfügigem Ausmaß Zuwächse verzeichnet habe (61,7% vs. 61,5% im Dezember 2020). Partizipationsraten würden der Entwicklung der Arbeitslosenquote hinterherhinken, aber ein breiteres Maß für die Einschätzung der Situation am Arbeitsmarkt darstellen und würden wohl auch für die US-Notenbank Federal Reserve entscheidend sein für die Einschätzung des Vollbeschäftigungsziels.

In der Eurozone stünden letzte Ergebnisse der Einkaufsmanagerumfragen (Rückgänge im Dienstleistungsbereich), der Sentix Index für Oktober (erneuter Rückgang) und Industriedaten zur Veröffentlichung an. Der relativ leere Datenkalender biete die Gelegenheit für einen Blick zurück auf die Daten der Vorwoche. Dabei steche insbesondere das Hochschnellen der Inflation im September von 3,0% p.a. auf 3,4% p.a. ins Auge.

Die hohe Teuerung sei vor allem auf den starken Anstieg der Energiepreise zurückzuführen. Diese würden von dem auf Jahressicht gestiegenen Ölpreis und der in die Höhe schießenden Großhandelspreise für Strom und Gas befeuert. Aber auch die Preisanstiege ex Energie seien so stark wie seit langem nicht mehr ausgefallen, immerhin habe die Kernrate mit 1,9% p.a. den höchsten Wert seit November 2008 erreicht und liege somit nur mehr knapp unter der EZB Zielmarke von 2,0% p.a. Die Kernrate werde dabei stark von Basiseffekten geprägt.

Im Herbst des Vorjahres seien in einigen Branchen aufgrund des Corona-Umfeldes Preisnachlässe gewährt worden. Zudem sei in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte die Mehrwertsteuer reduziert worden. Die Rückkehr zum alten Preisniveau bzw. Steuersatz führe nunmehr zu einer erhöhten Veränderungsrate, die wohl im November ihr Hoch erreichen werde. Dieser Preisschub dürfte sich aber nicht in wiederkehrende hohe Preissteigerungen fortsetzen und so seien die hohen Inflationsraten bis Jahresende als vorübergehend zu betrachten. Allerdings sollte die Teuerung ex Energie & Nahrungsmittel auch mittelfristig höher liegen als im Jahrzehnt vor der Corona-Krise (die Kernrate zwischen 2010 und 2020 habe im Schnitt 1,0% p.a. betragen und eine relativ geringe Schwankung um diesen Wert ausgewiesen).

Immerhin sei bislang die Übertragung von den Preisanstiegen bei Vorleistungsgütern und die Auswirkung von Lieferkettenengpässen auf die Verbraucherpreise überraschend begrenzt. Diese Überwälzungen sollten aber vor dem Hintergrund einer starken Konsumnachfrage in weiterer Folge Stück für Stück nachgeholt werden. Die Analysten würden daher davon ausgehen, dass sich die Kernrate in den kommenden Jahren über der 1%-Marke einpendeln werde.

Nach den doch deutlicheren Anstiegen hätten sich Renditen auf beiden Seiten des Atlantiks zuletzt stabilisiert. In Anbetracht der jüngsten Marktentwicklungen und im Einklang mit ihren Prognosen würden die Analysten ihre Empfehlung auf Sicht der nächsten drei Monate für 10-jährige deutsche Staatsanleihen von Verkauf auf Halten verändern. Steigende Bund Renditen seien vor allem am längeren Ende der Renditekurve zu verorten und insbesondere durch steigende Inflationserwartungen getrieben gewesen.

Im Unterschied dazu habe sich die US-Treasury Kurve insbesondere im mittleren Laufzeitensegment erhöht, was stärker in Verbindung mit Anstiegen inflationsgeschützter (realer) Renditen stehe. Obgleich der Anstiege im ähnlichen Ausmaß seien die Treiber demnach unterschiedlich. In der Eurozone spiele die Normalisierung der Inflationserwartungen, im Zuge jüngster Anstiege der realisierten Inflation, eine bedeutende Rolle. In den USA stehe die näher rückende geldpolitische Normalisierung der Federal Reserve mit dem bevorstehenden Tapering zu Jahresende und Spekulationen einer ersten Zinserhöhung Ende 2022 / Anfang 2023 im Fokus. (Ausgabe vom 01.10.2021) (04.10.2021/alc/a/a)