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Rendite-Aufwärtsbewegung 2022 dürfte von der geldpolitischen Ausrichtung abhängen


05.01.22 15:09
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Politik ist zu Jahresbeginn voll und ganz mit den möglichen Auswirkungen der Omikron-Variante beschäftigt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Nicht nur auf den Aktienmärkten, auch auf den Rentenmärkten sei davon aber wenig zu bemerken. Ganz still und leise im Decklicht der Feiertage seien die Renditen auf den etablierten Staatsanleihemärkten wieder leicht nach oben geklettert. In der Eurozone hätten sie den höchsten Stand seit Anfang November erreicht. Bei den 10-jährigen Laufzeiten seien nur noch die deutschen Bundesanleihen mit -0,12% im negativen Terrain. Auch bei den kürzeren Laufzeiten sei ein leichter Anstieg von 10 Basispunkten erkennbar gewesen.

So habe die Deutsche Finanzagentur am 04.01.2022 knapp EUR 4 Mrd. an 2-jährigen Schatzanweisungen mit einer Rendite von -0,62% aufgenommen. Vor einem Monat habe die Emissionsrendite noch -0,71% betragen. Auch der ESM habe seine Emissionstätigkeit mit EUR 1,5 Mrd. 3-monatigen Schatzwechsel bei -0,65% Rendite eröffnet. Italien und die Slowakei seien am 05.01.2022 ebenfalls am Anleihemarkt aktiv geworden. Deutschland komme nächste Woche mit 10-jähriger Bund-Auktion.

Sowohl die deutschen 10-jährigen Bundesanleihen wie die 10-jährigen US-Treasury Notes hätten mit -0,12% bzw. 1,65% für eine Punktlandung der Renditeprognosen der Analysten zum Jahreswechsel gesorgt. Nach jeweils etwa 60 Basispunkte Renditeanstieg in den USA und Eurozone im letzten Jahr dürfte die Rendite-Aufwärtsbewegung 2022 ganz in Abhängigkeit von der geldpolitischen Ausrichtung der Notenbanken und der tatsächlichen Inflationsentwicklung abhängen. Die Analysten würden die Renditen im zweiten Halbjahr nur moderat höher sehen. Nur für den Fall, dass die Teuerung hartnäckig über den aktuellen Schätzungen bleibe, bestehe ein gewisses Risiko nach oben. Es gelte aber zu bedenken, dass die Notenbanken auch trotz Rückzugs von QE-Maßnahmen nach wie vor das "Markt"geschehen dominieren würden.

Die am 07.01. (Eurozone) und am 12.01. (USA) verlautbarten Verbraucherpreisanstiege für Dezember könnten anzeigen, dass der Höhepunkt der Teuerung überschritten sei. Aber erst die Differenz zu den Januarwerten werde die Finanzmärkte mehr interessieren, weil dann gewisse Basiseffekte (z.B. deutsche Steuermaßnahmen) herausfallen würden. In der Eurozone würden die vorläufigen Januardaten erst am 02.02. und die endgültigen Zahlen erst am 23.02. kommen, weil Gewichte einzelner Produktgruppen und Mitgliedsstaaten jährlich aktualisiert würden. Auch für Österreich sei am 07.01. die VPI-Schnellschätzung für Dezember am Programm. Die Großhandelspreise seien in Österreich 2021 um 10,4% über jenen des Vorjahres gelegen.

Daher dürften bis Ende nächster Woche die Wirtschaftsdaten aus den USA in den Mittelpunkt rücken. Große Aufmerksamkeit habe dabei am 07.01. der US-Arbeitsmarktbericht. Nach +210,000 Beschäftigten im November werde aus saisonalen Gründen ein Anstieg auf 400.000 im Dezember geschätzt. Die Bandbreite der Schätzungen sei allerdings extrem (zwischen 150k und 1,100k) und reflektiere die Unsicherheit. Ein weiterer Rückgang der Arbeitslosenquote auf 4,1% und auch des Anstiegs der Stundenlöhne (von 4,8% November auf 4,2%) sollte ganz im Sinne der US-Notenbank liegen.

Weitere wichtige US-Wirtschaftsinformationen vom Monat Dezember seien neben den Verbraucherpreisen am 12.01. (hier vor allem Unterscheidung zwischen Gesamt- und Kernrate des VPI relevant!) die Erzeugerpreise am 13.01., welche knapp zweistellig erwartet würden, und am 14.01. Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion. Mit diesen Daten habe die Federal Reserve sicherlich wieder gute Argumente auf ihrem nächsten FOMC-Meeting 26./27.01. ihre neue geldpolitische Position zu bestätigen. Dazwischen gebe das Protokoll zum letzten FED-Meeting gewissen Aufschluss. Die Gründe für den rascheren Ausstieg aus dem Krisenmodus in 2022 habe Jerome Powell aber bei seiner Pressekonferenz schon ausführlich erläutert. Jetzt müsse nur noch der Senat am 11.01. seiner Wiederbestellung zustimmen. Die Ernennung von FED-Vize Lael Brainard erfolge zwei Tage später. (05.01.2022/alc/a/a)