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Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe erneut leicht zurückgegangen


05.06.17 10:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den nächsten Tagen stehen nur wenige Konjunkturdaten auf dem Programm, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Auf größeres Interesse dürfte bei den Marktteilnehmern lediglich der ISM Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe (Montag) treffen. Die Analysten würden mit einem Rückgang um rund einen Punkt auf 56,3 Punkte rechnen und seien damit etwas pessimistischer als der Konsens.

Interessant mit Blick auf die FED-Zinsentscheidung am 14. Juni bzw. auf die Wortwahl von FED-Präsidentin Janet Yellen mit Blick auf den Arbeitsmarkt auf der anschließenden Presskonferenz sei die JOLT Umfrage (Dienstag). Diese dürfte erneut bestätigen, dass es in den USA eine hohe Zahl an offenen Stellen gebe, die zu einem großen Teil nicht besetzt werden könnten, weil es keine geeigneten Bewerber gebe. Anekdotische Evidenz für diese Vermutung habe auch der ISM Index für Mai geliefert.

Das Hauptaugenmerk der Marktakteure dürfte in den nächsten Tagen auf der Aussage des ehemaligen FBI-Direktors James Comey liegen. Dieser werde am Donnerstag in öffentlicher Sitzung vor dem Untersuchungsausschuss des Senats zur Russland-Affäre aussagen. Angeblich werde er dabei bestätigen, dass ihn US-Präsident Donald Trump dazu gedrängt habe, seine Ermittlungen gegen den ehemaligen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. Sollte sich dies bestätigen, dürfte der US-Präsident noch stärker unter Druck geraten.

Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe sei in den letzten Tagen erneut leicht zurückgegangen und liege nun bei 2,2%. Seit Mitte März summiere sich der Renditerückgang damit auf 40 Basispunkte. Am kurzen Ende dagegen tue sich sehr wenig. Die Rendite der 2-jährigen US-Staatsanleihe liege unverändert bei 1,3%. Seit Mitte März betrage das Minus damit nur 10 Basispunkte. Es falle ein wenig schwer, Gründe für diese Kurvenverflachung zu finden. Die Entwicklung am kurzen Ende lege nahe, dass die Märkte sich wohl mit einer Zinsanhebung im Juni sowie einer weiteren Anhebung bis Jahresende "abgefunden" hätten. Der Renditerückgang am langen Ende sei dagegen insbesondere deswegen schwer nachzuvollziehen, weil sich die Anzeichen für einen baldigen Beginn der Reduzierung der Notenbankbilanz zuletzt verstärkt hätten. So habe jüngst San Francisco FED-Präsident John Williams geschildert, dass das Wertpapierportfolio der FED über einen Zeitraum von fünf Jahren von derzeit rund USD 4,5 Bio. in etwa halbiert werden solle. Das könnte bedeuten, dass in nicht allzu ferner Zukunft monatlich USD 20 Mrd. an Nachfrage nach langlaufenden US-Staatsanleihen wegfalle.

Darüber hinaus unterschätze der Markt nach Meinung der Analysten das Ausmaß der Zinsanhebungen im nächsten und übernächsten Jahr. Statt jeweils nur einmal wie vom Markt erwartet, dürfte die FED jeweils mindestens zwei- bis dreimal an der Zinsschraube drehen. Nach Meinung der Analysten der RBI sprechen die geschilderten Umstände für einen mittel- und langfristigen Anstieg der Rendite am langen Ende. (Ausgabe vom 02.06.2017) (05.06.2017/alc/a/a)