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Reißen die Lieferketten, ist der Westen am stärksten gefährdet


19.05.20 13:00
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Bei Investment-Grade-Anleihen aus Schwellenländern sieht Polina Kurdyavko, Partner und Head of Emerging Markets bei BlueBay Asset Management, trotz aller Unsicherheiten bedeutende Chancen.

Ihrer Einschätzung nach sei die Interdependenz der Lieferketten zwischen China und dem Westen nicht zu unterschätzen - auch wenn Donald Trump im beginnenden US-Wahlkampf meine, die USA stünden besser ohne zu viel globalen Wettbewerb da.

Bei Schwellenländer-Anleihen falle eine Diskrepanz in den Blick: Die entsprechenden Staaten hätten in den vergangenen beiden Monaten viele Neuemissionen auf den Weg gebracht. Schwellenländer-Unternehmen hätten im Verlauf des Monats März jedoch nur Anleihen im Wert von 10 Milliarden US-Dollar emittiert - das sei das niedrigste monatliche Niveau seit 2009. Es überrasche nicht, dass die meisten dieser Emissionen aus Asien stammen würden, der Region, in der Anleger über beträchtliche Mittel verfügen und mit einer hohen Risikobereitschaft auftreten würden.

Darüber hinaus hätten sich die Unternehmensanleihen, die im Investment-Grade-Bereich auf den Markt gekommen seien, bisher gut entwickelt. Die Zinsdifferenzen hätten sich bei den meisten neuen Investment-Grade-Emissionen zwischen 15 und 50 Basispunkten verengt.

Nach Einschätzung der Experten sei die betont negative Rhetorik der US-Regierung gegenüber China Teil des in Schwung kommenden Wahlkampfes um das US-Präsidentenamt. Diese Dynamik dürfte in den kommenden Monaten weiter an Fahrt aufnehmen. Für Fixed-Income-Anleger gelte jedoch: Die Interdependenz der Lieferketten zwischen China und dem Westen sei nicht zu unterschätzen. China liefere zum Beispiel rund 90 Prozent der in den USA verkauften Antibiotika. Sollten die Lieferketten zwischen China und dem Westen in Mitleidenschaft gezogen werden oder sogar reißen, seien die hoch entwickelten Länder am stärksten gefährdet. Die Experten würden daher davon ausgehen: Donald Trumps beißende Rhetorik werde sich eher in Twitter-Schlagzeilen als in aggressiver Wirtschafts- und Marktpolitik niederschlagen.

Investment-Grade-Anleihen würden daher angesichts der von der Coronavirus-Pandemie ausgelösten teils massiven Neubewertungen vielversprechende Chancen bieten. So würden beispielsweise Katar-Schuldtitel mit AA-Rating inzwischen einen größeren Spread als Griechenland-Anleihen mit B-Rating aufweisen.

Aktive Manager könnten sich diese Unwuchten im Marktgefüge zunutze machen. Die Covid-19-Krise berge Risiken, weil die Welt aus ihr mit mehr Schulden herauskommen werde, als sie in die Krise hineingegangen sei - bei gleichzeitig geringerem Wachstum. Es sei unwahrscheinlich, dass man eine V-förmige Erholung in den hoch entwickelten Märkten und den Schwellenmärkten sehen werde - eine W-Form sei wahrscheinlicher. FX-Anleger müssten sich daher auf mehr Volatilität und Marktverwerfungen in einem Umfeld einstellen, in dem beträchtliche Spread- und Performanceunterschiede zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen die Regel seien. (19.05.2020/alc/a/a)