Reformationstag "Light" à la Draghi


02.11.17 16:47
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - In dieser Woche wurde erstmals der Reformationstag bundesweit als Feiertag begangen - und zwar zu Ehren Martin Luthers, der vor 500 Jahren, am 31. Oktober, seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben soll, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Im Vergleich dazu habe EZB-Präsident Mario Draghi am vergangenen Donnerstag nur eine Mini-Reform initiiert und somit sicherlich nicht den Grundstein für einen neuerlichen Reformationstag gelegt. Zu unspektakulär seien seine Ankündigungen bezüglich der künftigen Geldpolitik der von ihm geführten EZB gewesen.

Die von ihm verkündeten Beschlüsse würden zumindest einmal den Einstieg in den Ausstieg bedeuten, der jedoch mit einer Reihe von Entscheidungen zeitlich nach hinten verschoben worden sei. Es bestehe zwar kein Anlass auf die Echternacher Springprozession zu verweisen, denn man beschreite nun endlich den Pfad der Normalisierung. Aber das Tempo sei deutlich gedrosselt worden, wodurch man das Ziel erst viel später werde erreichen können.

Das im Volumen halbierte Ankaufprogramm wurde zwar vorerst bis September 2018 terminiert, jedoch wird uns das Thema spätestens dann erneut beschäftigen, so die Analysten der Baader Bank. Auch die Tatsache, dass die Reinvestitionen auf der Pressekonferenz so eingehend erläutert worden seien und ab dem 6. November sogar gesonderte Mitteilungen wert seien, mache die Brisanz dieser Thematik mehr als deutlich. Der Wiederanlage komme also zukünftig ein besonderes Gewicht zu, und dies könne sogar zu noch stärkeren Abweichungen vom Kapitalschlüssel führen. Darüber hinaus sollten die Kaufvolumina in den privaten Teilen des Kaufprogramms beträchtlich bleiben, was wiederum die Folge der bereits ausgereizten Mengenbegrenzung bei Staatsanleihen sein dürfte. Der Beschluss des sehr sanften Ausstiegs erinnere somit doch sehr stark an das Motto: "Wasch mich, aber mach mich nicht nass".

In diesem Zusammenhang verweise der EZB-Präsident stets auf die noch zu geringe wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone und die daraus resultierende Notwendigkeit der geldpolitischen Unterstützung. Die aktuell - aus Sicht der Notenbanker - weiterhin zu geringe Inflation in der Eurozone sei ein anderes Argument für die taubenhaften Töne seitens der EZB-Verantwortlichen. Die große Mehrheit im EZB-Rat scheine diese Meinung zu teilen und habe sich entschlossen, das QE-Ende offen zu halten. Gleichzeit sei auch betont worden, dass die Zinsen erst dann steigen würden, wenn die Ankäufe beendet worden seien. Da an den Finanzmärkten nicht mit einem abrupten Ende in 2018 gerechnet wird, ist das ein eindeutiges Indiz für eine Niedrigzinspolitik, die uns auch ins Jahr 2019 und eventuell noch über das Ende der Amtszeit von Super Mario hinaus (31.10.2019) begleiten wird, so die Analysten der Baader Bank.

Nach den politischen Turbulenzen würden sich Anleger offenbar wieder an Spaniens Wirtschaftswachstum und seine Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt erinnern. Und sie hätten sich bewusstgemacht, dass die Ratingagenturen seit September Portugal und Italien besser benoten würden. Das nehme insgesamt Druck von südeuropäischen Bonds und die schwindende Furcht vor einem Zerfall Spaniens habe dem dortigen Kapitalmarkt zusätzlich Auftrieb gegeben.

Nachdem die Rendite der 10-jährigen spanische Staatsanleihen (ISIN ES0000012A89 / WKN A19KVL) noch infolge der Unabhängigkeitserklärung für Katalonien von 1,52% auf 1,57% gestiegen sei, habe sich der Markt inzwischen wieder beruhigt. Am Mittwoch habe dieser Bond sogar wieder bei 1,46% rentiert. Aber nicht nur spanische Staatsanleihen hätten sich wieder gefangen, sondern auch an der Aktienbörse sei der spanische Leitindex am Montag im Anschluss an eine Großdemonstration in Barcelona für die Einheit Spaniens um 1,5% gestiegen, während der Bankenindex sogar 2,2% gewonnen habe. Beide Indices hätten dieses Niveau anschließend halten und sogar noch leicht hinzugewinnen können.

Denn an den Kapitalmärkten sei man wieder zuversichtlicher, was die weitere Entwicklung in Spanien angehe. Würden die Proteste doch zeigen, dass es durchaus ernst zu nehmende Kräfte in Katalonien gebe, die für die Einheit Spaniens eintreten würden. Spaniens Regierungschef Rajoy plane für den 21. Dezember Neuwahlen in Katalonien und jüngsten Umfragen zufolge würden die Separatisten dann ihre bisherige Mehrheit im Regionalparlament verlieren.

Inzwischen seien bekanntlich der angeklagte Ex-Regionalpräsident von Katalonien, Carles Puigdemont, und weitere führende Politiker vom spanischen Gerichtshof vorgeladen worden. Die 14 Angeklagten müssten zudem binnen drei Tagen den Betrag von 6,2 Mio. Euro hinterlegen, was den geschätzten Kosten des für illegal erklärten Unabhängigkeitsreferendums vom 1. Oktober entspreche. Puigdemont habe sich mit mehreren anderen ehemaligen Regionalministern nach Belgien abgesetzt und sei nach den Worten seines Anwalts nicht bereit, nach Spanien zu reisen, sondern stehe lediglich in Belgien für eine Befragung zur Verfügung.

Janet Yellen sei offenbar aus dem Rennen. Wie US-Medien berichten würden, sei die Entscheidung, wer die US-Notenbank (FED) ab dem nächsten Februar führen werde, bereits gefallen. Demnach werde D.T., der Unberechenbare, den Vertrag der bisherigen Notenbank-Chefin nicht verlängern und die Entscheidung am Donnerstagnachmittag bekannt geben.

Als wahrscheinlichster Nachfolger an der FED-Spitze gelte inzwischen Jerome Powell, der bereits seit 2012 im Gouverneursrat der FED sitze, dem obersten Gremium der Bank. Bisher habe Powell sämtliche Entscheidungen von Präsidentin Yellen mitgetragen und würde somit für Kontinuität in der Zinspolitik stehen. Das dürfte auch einer der Hauptgründe dafür sein, dass Donald Trump an Powell Gefallen finde. Wolle doch der US-Präsident auf keinen Fall die Börsen verschrecken, wo Yellen große Anerkennung genieße.

Ein Kurswechsel in der Geldpolitik würde vermutlich für Unruhe sorgen und damit zu Kursverlusten führen. Das wolle Trump sicherlich vermeiden. Mit der Wahl von Powell würde die FED also auf Yellen-Kurs bleiben, nur eben ohne Yellen. Bei der gestrigen FED-Sitzung sei keine Änderung der Leitzinsen beschlossen und zugleich mit dem Hinweis auf ein solides Wirtschaftswachstum und eine gute Lage am Arbeitsmarkt die Grundlage für eine Zinserhöhung im Dezember - zumindest verbal - geschaffen worden.

Eine Nichtverlängerung des Postens an der FED-Spitze habe es in der neueren Geschichte der Notenbank zwar nicht gegeben, aber wenn es so kommen sollte, würde dies nicht an der allseits anerkannten Yellen liegen, sondern eher an dem Umstand, dass Trump hier eine eigene Duftmarke setzen wolle. Denn Handlungsfähigkeit wolle der Präsident auf jeden Fall zeigen, nicht nur aufgrund seines ausgeprägten Egos, sondern auch wegen seiner schlechten Zwischenbilanz. Obwohl die republikanische Partei über die Mehrheit in beiden Kongresskammern verfüge, könne Trump bisher keine nennenswerten Erfolge vorweisen.

Daher könne die immer wieder avisierte große Steuerreform schon entscheidend für die Bilanz seiner Legislaturperiode werden. Hierzu sei die Vorlage eines detaillierten Konzepts in den letzten Wochen immer wieder verschoben und jetzt final für den heutigen Donnerstag angekündigt worden. Im Kern solle das Steuersystem einfacher, gerechter und verständlicher werden, wogegen sicherlich nichts spreche. Besonders profitieren sollten die einfachen Arbeiter, kleinere Unternehmen und mittlere Einkommensschichten.

Jedoch sei die Regierung vorerst ein Konzept für eine solide Gegenfinanzierung schuldig geblieben. Zumal nach den bisher bekannten rudimentären Eckpunkten die Reform mit mehr als 2 Billionen US-Dollar in den nächsten zehn Jahren zu Buche schlagen dürfte. Im schlimmsten Fall würde dies aber bedeuten, dass die Staatsverschuldung, deren Anteil ohnehin schon 115% der Wirtschaftsleistung betrage, weiter ansteigen würde.

Stehe Italien vor seinem Comeback? Die Botschaft höre man gern, allein man glaube nicht gleich daran. Italien habe die Trendwende geschafft, habe es dieser Tage aus Rom geheißen. Die gefährliche Mischung aus hohen Schulden, grassierender Arbeitslosigkeit und schwachem Wachstum sei demnach überwunden. Italien sei wieder auf Wachstumskurs. Davon sei Yoram Gutgeld überzeugt, der als einer der wichtigsten Wirtschaftsberater des früheren Premiers Matteo Renzi und des aktuellen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni gelte.

Die Regierung in Rom habe unter Renzi mit einer Kombination aus Arbeitsmarktreform, niedrigeren Steuern und Bürokratieabbau das Steuer herumgerissen, so Gutgeld. Das Exportwachstum Italiens liege mit einer Rate von 5% über dem von Deutschland. Sogar die Jugendarbeitslosigkeit habe man von 40% auf 35% drücken können. Doch damit nicht genug. Das Land habe nach Lesart von Gutgeld auch seine bisher als ineffizient geltende Bürokratie in den Griff bekommen. Nirgendwo sonst in Europa seien die Kosten der Regierung so günstig. Während die Italiener nicht einmal 19% der Wirtschaftsleistung für den öffentlichen Dienst ausgeben würden, seien es in anderen Ländern deutlich mehr.

Gestützt würden Gutgelds Thesen von der Ratingagentur Standard & Poor's, die vergangene Woche die Bonitätsnote des Landes auf BBB nach oben korrigiert und den Schritt explizit mit den ersten sichtbaren Reformerfolgen begründet habe. Nun könnten die strukturellen Reformen das Wachstum deutlich beleben und auch die Schuldenquote reduzieren, würden die S&P-Analysten schreiben.

Ob Italien sein Comeback schon eingeläutet habe, müsse sich aber erst noch zeigen. Angesichts einer Schuldenquote von 133% des Bruttoinlandsprodukts sei zumindest klar, dass dieser Weg kein leichter sein werde. Im Übrigen dränge auch die Zeit. Schließlich habe kein anderes Land so sehr von der EZB-Politik Mario Draghis profitiert wie Italien. Sollte Draghi ab September 2018 die Anleihekaufprogramme tatsächlich weiter ausschleichen lassen, verbleibe dem Land nicht mehr viel Zeit, die überfälligen Strukturreformen umzusetzen. Glaube man Gutgeld, sei ein guter Anfang bereits gemacht. Andere wie etwa der frühere Premier Mario Monti würden hingegen beklagen, dass die quantitativen Lockerungen Italiens Reformeifer eher gebremst hätten. Daher möge es erzieherische Wirkung haben, wenn nun das Ende des Anleihekaufprogramms eingeläutet sei.

Im Übrigen werde sich an der Entwicklung Italiens auch die Frage entscheiden, ob die EZB-Rechnung der extrem niedrigen Zinsen aufgehe oder nicht. Damit sei ausgerechnet Draghis Heimatland das Testfeld, auf dem man das langfristige Ergebnis seiner Strategie der expansiven Geldpolitik beurteilen könne.

Am 31. Oktober sei wieder Weltspartag gewesen, an dem früher die Banken ihre Kunden mit diversen Geschenken für große und kleine Sparer gelockt hätten. Doch der Weltspartag, der auf den ersten Internationalen Sparkassenkongress im Oktober 1925 zurückgehe, sei längst kein Weltzinstag mehr. Die Zinsen würden an der Nulllinie vor sich hindümpeln. Und wenn man noch die Kapitalertragsteuer und die Inflation berücksichtige, sei Sparen schon seit vielen Jahren ein Verlustgeschäft. Daher sei Sparen auch nicht mehr unbedingt die am besten geeignete Form, Vermögen aufzubauen, wie auch so mancher Banker eingestehe.

Sicher, das Schaffen von finanziellen Rücklagen sei nach wie vor wichtig. Aber angesichts der niedrigen Zinsen sei manchem Sparer eher zum Gruseln zumute - und zwar nicht wegen Halloween. So habe sich die Idee des Sparens in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Das Zurücklegen von Geld aber gleich als sinnlos zu erklären, wie es die Interhyp tue, gehe dann doch zu weit. So preise der Vermittler privater Baufinanzierungen - nicht ganz uneigennützig - den Immobilienerwerb als intelligente Investitionsstrategie zum Vermögensaufbau. Immobilienfinanzierung als das neue Sparen, wie es die Interhyp darstelle? Für den finanzkräftigen Anleger möge das mit Einschränkung gelten, für Otto Normalverbraucher wäre es aber risikobehaftet, sich mit einem Immobilienkauf in ein finanzielles Abenteuer zu stürzen.

Wie sehr Deutschland inzwischen zum Topstandort für Immobilieninvestoren geworden sei, mache eine neue Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC in Zusammenarbeit mit dem Urban Land Institute deutlich. Dies liege allerdings weniger an dem niedrigen Zinsniveau, sondern gehe vielmehr auf die Brexit-Entscheidung Großbritanniens zurück. So habe sich in den vergangenen zwölf Monaten das Investitionsvolumen in Deutschland auf 68 Mrd. Euro addiert, nach 54 Mrd. Euro im Vorjahr. In Großbritannien seien die Investitionen dagegen von 66 Mrd. Euro auf 64 Mrd. Euro gesunken und dadurch habe Deutschland Großbritannien auf Platz eins in Europa verdrängt.

In der Bekleidungs- und Textilbranche habe es in dieser feiertagsverkürzten Handelswoche gleich zwei Unternehmen gegeben, die sich am Primärmarkt refinanziert hätten. So habe Takko Lux mittels zweier Bonds und das Modeunternehmen CBR Fashion mittels seiner Finanztochter CBR Fashion Finance frisches Geld eingesammelt. Des Weiteren hätten der Spezialchemiekonzern Ineos Finance und das in der Ölindustrie tätige Unternehmen Saipem Finance jeweils eine Anleihe begeben.

Das westfälische Modeunternehmen Takko habe mittels seiner luxemburgischen Finanztochter Takko Lux einen Floater sowie einen festverzinslichen Bond (ISIN XS1710653137 / WKN A19RD5) emittiert. Mit einem festen Kupon in Höhe von 5,375%, der halbjährlich zur Auszahlung komme, habe das Unternehmen aus Telgte 285 Mio. Euro am Bondmarkt eingesammelt. Fällig werde das Papier am 15.11.2023 und sei zu pari begeben worden (+545 Bps über der vergleichbaren Bundesanleihe).

Der 225 Mio. Euro schwere Floater (ISIN XS1710653483 / WKN A19RD4) habe ebenfalls eine Laufzeit bis zum 15.11.2023. Allerdings richte sich der Zins nach dem vierteljährlichen Euribor +5,375 PP. Zusätzlich sei ein 0% Euribor Floor in die Anleihebedingungen aufgenommen worden, sodass der Zins für den Investor immer mindestens 5,375% betrage. Der Emissionspreis habe bei 100% gelegen. Bei beiden Anleihen habe sich Takko Lux eine Make Whole Option sowie zusätzliche Kündigungstermine zu unterschiedlichen Zeiten in den Emissionsbedingungen festschreiben lassen.

CBR Fashion vertreibe die beiden Marken Street One und CECIL. Das niederländische Modeunternehmen habe mit seinem 5-jährigen Bond (ISIN XS1709347923 / WKN A19RLJ) 450 Mio. Euro frisches Geld eingesammelt und zahle seinen Investoren bis zur Fälligkeit am 01.10.2022 einen Zins in Höhe von 5,125%, der halbjährlich in den Monaten April und Oktober ausgezahlt werde. Emittiert worden sei zu pari, was einem Emissionsspread von +511 Bps über Bund entsprochen habe. Neben einer Make Whole Option sei die Anleihe seitens des Emittenten jederzeit innerhalb eines Kalenderjahres ab dem 01.10.2019 zu 102,563%, ab dem 01.10.2020 zu 101,281% und ab dem 01.10.2021 zu 100% kündbar.

Als Dritter im Bunde habe der Spezialchemiekonzern Ineos Finance einen 8-jährigen Bond (ISIN XS1577947440 / WKN A19RLS) mit einem Emissionsvolumen von 550 Mio. Euro aufgelegt. Die börsennotierte Gruppe mit Sitz in der Schweiz zahle für die Aufnahme des Kredits bis zur Fälligkeit am 15.11.2025 jährlich Zinsen in Höhe von 2,125%. Jeweils im Mai und November eines jeden Jahres würden die Investoren die Zinsen anteilig gutgeschrieben erhalten. Der Emissionspreis habe sich auf 100% belaufen, was +197 Bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleichgekommen sei. Zusätzlich sei der Bond mit einer Make Whole Option sowie drei weiteren Kündigungsterminen ausgestattet worden.

Zum Abschluss habe die Tochter des italienischen Unternehmens Saipem, Saipem Finance, eine Anleihe (ISIN XS1711584430 / WKN A19RN2) mit einem Volumen von 500 Mio. Euro begeben. Der mit der Herstellung und Installation von Maschinen für die Erdölgewinnung tätige Konzern habe den Bond mit einem Zins von 2,625% ausgestattet, welcher bis zur Fälligkeit am 07.01.2025 jährlich gezahlt werde. Emittiert worden sei zu pari (+209,8 Bps über Mid Swap). Eine Make Whole Option ergänze die Details zu diesem Bond.

Alle Emittenten hätten sich bei den genannten Anleihen für eine Mindeststückelung von 100.000 Euro entschieden und dürften daher vorwiegend für institutionelle Investoren interessant sein.

Am vergangenen Samstag sei während des Spitzenspiels der Fußball-Bundesliga zwischen dem FC Bayern München und RB Leipzig von den Gästefans gesungen worden: "Ohne Schiri habt ihr keine Chance". Auf den Bondmarkt übertragen könnten momentan die bearisch eingestellten Rentenhändler skandieren: "Ohne Draghi hättet ihr keine Chance". Aber auch mit solchen Erkenntnissen sei die Niederlage bzw. die Fehleinschätzung nicht einfacher zu ertragen.

So habe der EZB-Präsident auch im dritten Jahr der Ankaufprogramme auf der Pressenkonferenz keine Zweifel aufkommen lassen, wer die Power habe und mit wem man sich nicht anlegen sollte. Jeder Börsianer bzw. Investor, der auf einen schnellen und klar geregelten Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik gehofft habe, sei eines Besseren belehrt worden. Habe man am Tag der EZB-Ratssitzung noch südlich der unteren Trendlinie (161,10%) den Handel gestartet, so habe man inzwischen sogar kurzzeitig die Widerstandslinie bei 162,52% überschritten und den "Bären" sei das Fell über die Ohren gezogen worden.

Jedoch sollte man dies nicht überbewerten. Denn obwohl die EZB-Ankaufprogramme weiterhin auf einem ausgetrockneten Kapitalmarkt stattfänden, würden sich die Renditen der europäischen Staatsanleihen nicht vollständig dem Einfluss der zu erwartenden US-Zinspolitik entziehen können. Bemerkenswert sei in der jetzigen Markteuphorie allerdings, dass Renten- und Aktiennotierungen "Hand-in-Hand-Gehen" und das lange Zeit praktizierte, spiegelverkehrte Handelsmuster der Vergangenheit angehöre. Die Frage werde nun allerdings sein, wer sich aus diesem Gleichschritt zuerst verabschiede, Aktien oder Renten?

Aktuell notiere das Rentenbarometer Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) nach dem gestrigen Zinsentscheid in den USA bei 162,46% und somit in der Nähe der oberen Begrenzungslinie.

In den USA seien am gestrigen Mittwoch erstmals nach dem FED-Beschluss zur Reduzierung der Bilanzsumme die Quartal-Auktionspläne veröffentlicht worden und die Marktteilnehmer hätten gespannt gewartet, ob darin Hinweise für eine geänderte Fälligkeitsstruktur versteckt seien. Dies sei aber nicht der Fall gewesen und in den USA werde es vorerst keine 100-jährige Anleihe geben. Somit seien für die kommende Woche lediglich die üblichen T-Bills mit Laufzeiten von vier und 52 Wochen sowie drei und sechs Monaten angekündigt worden. Für Investoren, die bereit seien, den USA für einen längeren Zeitraum ihr Geld anzuvertrauen, würden dann auch T-Notes mit Fälligkeit in 2020 und 2027 sowie 30-jährige T-Bonds angeboten. In dieser Handelswoche seien allerdings lediglich Geldmarktpapiere mit einem Gesamtvolumen von 128 Mrd. USD aufgelegt worden.

In Euroland werde heute neben Frankreich mit drei Bonds (ISIN FR0013286192 / WKN A19QFA, 2028; ISIN FR0012993103 / WKN A1Z7JJ, 2031; ISIN FR0013257524 / WKN A19HR9, 2048) das in der UEFA-Rangliste für Klubwettbewerbe führende Spanien mit der Aufstockung von vier Altemissionen (ISIN ES0000012A97 / WKN A19P6R, 2022; ISIN ES0000012A89 / WKN A19KVL, 2027; ISIN ES00000128S2 / WKN A19G01, 2027; ISIN ES00000120N0 / WKN A0NXYY, 2040) am Kapitalmarkt aktiv. Bereits zum Wochenauftakt habe Italien mittels Auktionen in diversen Bonds, die aus steuerlichen Gründen nicht an deutschen Regionalbörsen handelbar seien, Material zur Verfügung gestellt und somit die Gunst der Stunde genutzt. Denn am vergangenen Freitag habe Standard & Poor's das lang- und kurzfristige Kreditrating Italiens von BBB- auf BBB (mit Ausblick stabil) angehoben.

Von dieser Einstufung sei Griechenland noch weit entfernt, aber dennoch würden in der griechischen Regierung bereits Überlegungen reifen, sich mit Auslaufen des Hilfspakets im August 2018, wieder am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Um die Bereitschaft der Investoren - ohne die eine solche Maßnahme fehlschlagen würde - auszuloten, sei in den kommenden Monaten mit der Begebung neuer Anleihen zu rechnen.

Am vergangenen Donnerstag sei der Außenwert des Euro mit Mario Draghis halbherzigem Abgesang auf die ultralockere Geldpolitik neu festgestellt worden. Nach der Bekanntgabe der Beschlüsse habe die europäische Gemeinschaftswährung von in der Spitze 1,1836 USD auf 1,1639 USD nachgegeben und kämpfe seit diesem Zeitpunkt sogar mit der psychologischen Marke von 1,16 USD. Dieses Niveau sei seit Ende Juli für Devisenhändler kein Thema mehr gewesen, jedoch spreche momentan nichts für eine Trendumkehr beim Euro. Lediglich in einer möglichen Schwäche des Greenbacks - infolge politischer Kapriolen - sei eine Mini-Chance zu sehen, die Währung der Euroländer wieder zu stärken. Die eigenen, hausgemachten Probleme (Spanien, Katalonien, Italien und QE ohne Ende) seien nicht in der Lage diese Wende herbeizuführen. Aktuell notiere der Euro bei 1,1640 USD.

Die Schwäche des Euro werde aber auch gegenüber dem Britischen Pfund deutlich. Trotz der zähen Brexit-Verhandlungen und in Erwartung der ersten Zinsanhebung seit zehn Jahren bei der heutigen Bank of England-Sitzung (um einen Viertelpunkt auf 0,5%) handle die europäische Gemeinschaftswährung wieder auf dem Juni-Niveau bei 0,8780 GBP. Jedoch sei es am Devisenmarkt wie im richtigen Leben. Man müsse nur lange genug suchen, dann entdecke man etwas, was einen wieder groß und wichtig und nicht nichtig und klein (Reinhard Mey) erscheinen lasse.

Zumindest gegenüber der Türkischen Lira (TRY) (aktuell: ca. 4,44 TRY) sowie dem Südafrikanischen Rand (ZAR) (ca. 16,27 ZAR) hätten die hohen Niveaus gehalten werden können und in diesen beiden Fremdwährungen hätten verstärkt Handelsaktivitäten registriert werden können. Darüber hinaus hätten Privatinvestoren aber weiterhin ihren Fokus auf US-Dollar-Bonds gerichtet.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (02.11.2017/alc/a/a)





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