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ROBECO veröffentlicht Ausblick für 2021: Bewältigung des Trilemmas


19.11.20 15:30
ROBECO

Rotterdam (www.anleihencheck.de) - ROBECO erwartet, dass 2021 ein gutes Jahr für riskante Vermögensanlagen wird, so die Experten von ROBECO.

Dabei dürften Aktien voraussichtlich überdurchschnittliche Renditen erzielen. In einem Szenario des heute veröffentlichten Jahresausblicks allerdings, in dem für einen Großteil der Weltbevölkerung kein wirksamer Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar sei, sei alles möglich und sämtliche riskanten Vermögensanlagen könnten negative Erträge abwerfen.

Nach den Erwartungen von ROBECO würden Anleger im Jahr 2021 weiter mit einem Trilemma konfrontiert sein. Dieses bestehe darin, eine Balance zwischen drei Aspekten der Coronavirus-Krise zu finden: Der Wiederherstellung der öffentlichen Gesundheit, der Rückkehr zu einer normal funktionierenden Wirtschaft und der Wahrung persönlicher Freiheiten.

In ihrem Basisszenario würden die ROBECO-Experten annehmen, dass ein Impfstoff in der ersten Hälfte des Jahres 2021 verfügbar sein werde. Die Kombination aus dem baldigen Vorliegen eines wirksamen Impfstoffs und anhaltenden geld- und fiskalpolitischen Anreizen ermögliche ein Wachstum der Wirtschaftsleistung und - noch wichtiger - ein laufend verbessertes Gewinnwachstum der Unternehmen.

Für den durchschnittlichen Gewinn pro Aktie würden Multi-Asset-Chef Jeroen Blokland und Strategieexperte Peter van der Welle ein Niveau in der Nähe des Werts vor Ausbruch des Coronavirus erwarten. Dies impliziere ein Gewinnwachstum von rund 20 Prozent, wenn die Wirtschaft von der Rezession zur Konjunkturerholung übergehe. In der Vergangenheit sei diese Phase durch das stärkste Wachstum des Gewinns pro Aktie im Konjunkturzyklus sowie einen Anstieg der Bewertungen charakterisiert gewesen. Doch angesichts der derzeitigen Bewertungsniveaus hält ROBECO den Spielraum für einen weiteren Anstieg der Bewertungskennziffern für begrenzt, auch wenn die Aktienerträge sehr solide erscheinen, so die Experten von ROBECO.

Eine Erholung der Unternehmensgewinne würde bedeuten, dass der Anstieg der Zahlungsausfälle bei Hochzinsanleihen zum Stillstand käme. Da die aktuellen Spreads etwas über dem langfristigen Durchschnitt lägen, bestehe Spielraum für eine weitere Einengung. Dennoch erscheinen hochverzinsliche Anleihen aus Risiko/Ertrags-Perspektive etwas weniger attraktiv als Aktien, so die Experten von ROBECO. Die Spreads von Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating würden sich voraussichtlich einengen.

Außerdem dürfte es zu gewissen Umschichtungen von Staatsanleihen in Unternehmensanleihen bei Anlegern kommen, die auf Rendite aus seien, aber ihr Gesamtrisiko nicht erhöhen wollten. Die Renditen von Staatsanleihen dürften sich weiter schrittweise erhöhen, vor allem in den USA. Da die US-Notenbank ein asymmetrisches Inflationsziel verfolge, das die Möglichkeit der Kompensation einer unterhalb des Ziels bleibenden Inflation biete, sei bei steigenden Inflationserwartungen kaum mit Gegenmaßnahmen zu rechnen.

Da die Geldpolitik jedoch nach wie vor sehr großzügig sei und die Diskussion darüber anhalte, was ein asymmetrisches Inflationsziel in der Praxis bedeute, sei der potenzielle Renditeanstieg begrenzt. Darüber hinaus werde ein etwaiger Renditeanstieg am langen Ende der Zinskurve erfolgen, da die kurzfristigen Renditen durch den Leitzins niedrig gehalten würden. Daher dürfte die Renditekurve steiler werden.

Das günstige Umfeld für riskante Vermögensanlagen komme auch Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern zugute. Währungen aus den Emerging Markets würden über reichlich Spielraum verfügen, um ihre starken Wechselkursverluste gegenüber dem US-Dollar auszugleichen. Doch da ROBECO gleichzeitig mit einer Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar rechne, dürften die Währungsgewinne in Euro weniger ausgeprägt sein. Zudem sei die Geldpolitik der Schwellenländer nicht so locker wie in den entwickelten Volkswirtschaften, was anhaltend niedrige Renditen in den Schwellenländern weniger wahrscheinlich mache.

Darüber hinaus dürfte sich die Neuausrichtung von Angebot und Nachfrage bei Rohstoffen fortsetzen. Insbesondere der Rohstoffbedarf Chinas nehme weiter zu und treibe die Preise nach oben. Blokland und van der Welle würden mit einer langsamen Erhöhung der Ölproduktion durch die "OPEC+"-Länder rechnen, die mit dem Wiederanstieg der Nachfrage einhergehe. Dies sollte für ein solides Aufwärtspotenzial beim Ölpreis sorgen.

Peter van der Welle, Multi Asset Stratege: "2020 könnte aus ökonomischer Sicht als eines der bemerkenswertesten Jahre in die Geschichte eingehen, da die Coronavirus-Krise zur stärksten Rezession seit den 1930er Jahren geführt hat. Die Entwicklung rund um den Globus wird weiter von der engen Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Notenbanken abhängen. Ihre permanente Koordination hat den wirtschaftlichen Schaden bislang erheblich abgemildert. Bis jetzt wurde noch keine akzeptable Balance aus öffentlicher Gesundheit, Wirtschaft und persönlichen Freiheiten gefunden. Dieses Trilemma und seine Bewältigung werden die Rahmenbedingungen für Wirtschaft, Finanzmärkte und Gesellschaft im Jahr 2021 bestimmen."

Jeroen Blokland, Head of Multi Asset: "Viel hängt von der baldigen Verfügbarkeit und Wirksamkeit eines Impfstoffs ab und vom Ausmaß, in dem wir zu einer Art von 'neuer Normalität' zurückkehren. Wir sind optimistisch und erwarten in unserem Basisszenario eine Bewältigung des politischen Trilemmas zwischen öffentlicher Gesundheit, Aufrechterhaltung der Konjunktur und persönlicher Freiheit. Infolgedessen werden die Schwankungen auf makroökonomische Ebene und an den Märkten deutlich zurückgehen, wenn sich eine Neue Normalität herauskristallisiert. Ein solches Umfeld ist typischerweise günstig für die Finanzmärkte. Daher blicken wir recht zuversichtlich in das kommende Jahr." (19.11.2020/alc/a/a)