Erweiterte Funktionen

Quartalsausblick: Inflationshöhepunkt dürfte bald erreicht sein


14.07.21 13:15
AB

München (www.anleihencheck.de) - Die Erholung der Weltwirtschaft nimmt zwar weiter Fahrt auf, geht aber weiterhin mit global steigenden Inflationsraten einher, so die Experten von AllianceBernstein (AB).

"Wir haben unsere Prognosen angehoben und erwarten, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 6,1 Prozent und im Jahr 2022 um 4,3 Prozent wachsen wird", sage Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB). Beide Prognosen lägen deutlich über dem Vorkrisentrend von rund 3 Prozent. Die weltweite Produktion habe zwar wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht, liege aber immer noch 3 Prozent unter dem Wert, der ohne die COVID-19-Krise erreicht worden wäre. "Diese Lücke sollte sich im Laufe des kommenden Jahres verkleinern, aber wir bezweifeln, dass das Wachstum stark genug sein wird, um sie ganz zu schließen", so Williams.

Der erwartete Wachstumsboom sei da: Mit dem Rückgang von COVID-19 werde die US-Wirtschaft im Jahr 2021 wahrscheinlich die höchste jährliche Wachstumsrate seit fast 40 Jahren verzeichnen. Dies werde das Bruttoinlandsprodukt wieder auf den Vorkrisentrend und darüber hinaus bringen, da die aufgestaute Nachfrage und die starke Finanzlage der Haushalte den Konsum ankurbeln würden. Während die Nachfrage steige, stehe die Angebotsseite der Wirtschaft jedoch unter Druck. Engpässe in den globalen Lieferketten und Arbeitskräftemangel würden die Preise in die Höhe treiben und würden dies auch über den Sommer hinweg tun. Die Experten würden jedoch denken, dass der Preisdruck nur vorübergehend sei.

Nach einigen schwierigen Monaten würden sich die Aussichten für den Euroraum verbessern, da die Impfprogramme allmählich eine kritische Masse erreichen würden. Die Experten hätten ihre Wachstumserwartungen deshalb für dieses und nächstes Jahr auf 4,5 Prozent angehoben. Sie würden schätzen, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal etwa 4 Prozent unter dem Vorkrisenniveau gelegen habe, sich diese Lücke bis zum Jahresende aber geschlossen haben werde.

Die mit COVID-19 einhergehenden Nachfrage- und Angebotsverzerrungen würden die Inflation steigen lassen. Die Experten hätten deshalb ihre Inflationsprognosen für 2021 nach oben korrigiert und würden davon ausgehen, dass die Geldentwertung in den entwickelten Volkswirtschaften in diesem Jahr 2,4 Prozent erreichen werde, bevor sie sich 2022 auf 1,9 Prozent abschwäche. Der zugrundeliegende Inflationsdruck sei zwar gedämpft, in einigen Staaten sei jedoch Vorsicht geboten. Die Inflation habe insbesondere in den Schwellenländern überraschend stark angezogen. Steigende Lebensmittel- und Ölpreise sowie anhaltende pandemiebedingte Preisverzerrungen - teilweise aufgrund von Versorgungsengpässen - könnten zu einem teuflischen Inflationszyklus führen.

Eine anhaltend hohe Inflation würde den geldpolitischen Ausblick trüben und einen großen Schatten auf die Finanzmärkte werfen. Aus heutiger Sicht dürfte der geldpolitische Stimulus in den kommenden Jahren aber nur sehr langsam zurückgeführt werden. Das heiße nicht, dass die Zentralbanken einen einheitlichen geldpolitischen Kurs einschlagen würden. Viele Notenbanken, darunter auch die Federal Reserve, würden versuchen, die Geldpolitik nach dem Abklingen der Krise allmählich wieder zu normalisieren und beginnen, die Anleihekäufe zu reduzieren. Die Experten würden damit im vierten Quartal 2021 rechnen. Zinserhöhungen der FED seien noch in weiter Ferne.

Für eine vollständige Erholung Europas sei eine kontinuierliche Unterstützung durch die Europäische Zentralbank (EZB) erforderlich. Die EZB werde das Tempo ihrer Anleihekäufe im kommenden Jahr wahrscheinlich verringern, aber weiterhin genügend Anleihen kaufen, um die Renditen auf einem sehr niedrigen Niveau zu halten. Eine Zinserhöhung sei auch hier nicht in Sicht.

Die Bank of England (BoE) schlage einen etwas anderen Kurs ein. Trotz der Geschwindigkeit der Erholung im Vereinigten Königreich, dürfte die BoE ihre Geldpolitik für den Rest des Jahres beibehalten. Die Experten würden erwarten, dass die Bank die Zinsen in der zweiten Hälfte 2022 auf 0,5 Prozent anheben werde. Wie schon vor der Pandemie dürfte die geldpolitische Straffung in einem allmählichen Tempo und in begrenztem Umfang erfolgen. (14.07.2021/alc/a/a)