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QE-Programm der EZB: "Was auch immer es kostet? Ja, aber..."


06.05.20 08:30
Barings

Boston (www.anleihencheck.de) - Matteo Cominetta, Senior Economist des Barings Investment Institute, kommentiert das gestrige Urteil des Bundesverfassungsgerichts über den Ankauf von Staatsanleihen (Public Sector Purchase Programme, PSPP) durch die EZB.

"Was auch immer es kostet? Ja, aber..." Das scheine die Antwort des deutschen Bundesverfassungsgerichts zu sein, das gestern Morgen das Verfahren zur Legitimität des 2015 gestarteten QE-Programms der EZB (so genanntes PSPP) abgeschlossen habe. Das Gericht habe die Behauptung zurückgewiesen, die EZB habe sich offensichtlich an der monetären Finanzierung von Regierungen beteiligt, was eine sehr starke Unterstützung der EZB-Programme darstelle. Es habe jedoch auch darauf hingewiesen, dass Beschränkungen der Konzentration der EZB-Käufe auf bestimmte Anleihen und Länder ein wesentlicher Schutz vor monetärer Finanzierung seien. Dies könnte ein Problem für das kürzlich gestartete COVID-bezogene Kaufprogramm namens PEPP darstellen, da die Konzentrationsgrenzen in diesem Programm gelockert worden seien. Das Gericht habe ausdrücklich erklärt, dass sich sein Urteil nicht auf PEPP beziehe, aber die EZB könnte sich nun davor hüten, zu sehr von diesen Grenzen abzuweichen, sollte jemand in Zukunft eine Forderung auf PEPP erheben. Die wahrgenommenen Grenzen der EZB-Maßnahmen würden zu einer ernüchternden Stimmung an den Märkten in der gesamten EU führen.

Der Euro spüre den ganzen Schmerz des gestrigen deutschen Gerichtsurteils. Die Einheitswährung sei gegenüber allen wichtigen Währungen, einschließlich des Pfund Sterling, gefallen. Dies sei bezeichnend, wenn man bedenke, dass gerade erst eine Reihe von außerhalb des Messbereichs liegenden Daten für die britische Wirtschaft veröffentlicht worden sei. Der Composite PMI, ein Indikator für die wirtschaftliche Aktivität, sei auf dem niedrigsten jemals verzeichneten Niveau bestätigt worden, während die Neuzulassungen von Autos im April um 97% gefallen seien (kein Tippfehler). Tatsächlich sei der Automarkt im letzten Monat zum Stillstand gekommen. (Ausgabe vom 05.05.2020) (06.05.2020/alc/a/a)