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Problematik der Staatsverschuldung in der EU geringer als in den USA oder Japan


08.10.18 12:15
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Eine weltweit gültige Regel, wann die Staatsverschuldung einer Volkswirtschaft solide Finanzierungsverhältnisse spiegelt und wann nicht, existiert nicht, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Für die Eurozone (EA) und die Europäische Union (EU) sei aber mit dem "Stabilitäts- und Wachstumspakt" aufbauend auf den Maastrichter Stabilitätskriterien ein solches Regelwerk formuliert worden. Diese Regeln sollten sicherstellen, dass die Leiter der Union eine Politik solider öffentlicher Finanzen verfolgen und ihre Fiskalpolitik entsprechend ausrichten würden.

Danach solle die Neuverschuldung einer Volkswirtschaft nicht die Grenze von 3% des BIP und die gesamte Staatsverschuldung nicht 60% des jeweiligen BIP übersteigen. Von allen EU Ländern erwarte die Europäische Kommission (EC), dass sich die strukturelle Budgetposition mittelfristig der Benchmark von 0,5% des BIP annähere. In ihrer neuesten Publikation über die Entwicklung der öffentlichen Finanzen stelle die EC ein günstiges Gesamtbild für die EU und die Eurozone fest. Zusammengefasst hätten sich in der EU die Defizite (Neuverschuldung) in 2017 um einen halben Prozentpunkt auf 1,0% des BIP (in der Eurozone auf 0,9%) vermindert. Im Jahr 2009 sei ein Spitzenstand von 6,6% des BIP registriert worden. Hierdurch hätten die Eurozone und die EU in 2017 deutlich niedrigere Defizite als zum Vergleich die USA (4,9% des BIP) oder Japan (3,8% des BIP) erzielt. Die europäischen Ergebnisse seien besser als die ursprünglich für 2017 geplanten Programme.

Die Relation öffentliche Gesamtverschuldung zum BIP habe sich in 2017 ebenfalls weiter verbessert. Es stelle sich in der EU auf 82% des BIP und in der Eurozone (ohne Griechenland) auf 87%. Der Spitzenstand sei 2014 mit 88% bzw. 94% des BIP registriert worden. Dies sei ebenfalls signifikant niedriger als die öffentlichen Schulden in den USA mit rund 88% des BIP bzw. in Japan mit 236% des BIP Nippons. Im Herbst 2018 würden die öffentlichen Gesamtschulen in den USA USD 21,49 Billionen und damit mehr als 100% des BIP erreichen.

Alle Mitgliedsländer würden eine weitere Reduktion der öffentlichen Verschuldung auf ein Gesamtergebnis von 74% des BIP in 2021 in der EU bzw. 78% in der Eurozone planen. Der geplante Rückgang sei meist auf primäre Überschüsse zurückzuführen, weniger auf ein günstigeres Wirtschaftswachstum.

Mittelfristig würden die Risiken fiskalpolitische Stabilität von einer Reihe von Mitgliedsländern erhöht bleiben. Um die Grenze von 60% des BIP wieder zu unterschreiten, bedürfe es zusätzlicher fiskalpolitischer Einschränkungen. Eine Absicht zur Reduktion der Staatsverschuldung sei in den USA aber nicht erkennbar.

An der Währung Euro könne man zwar auch manche Kritik üben, an der öffentlichen Verschuldung in Prozent des BIP als fundamentalen Maßstab sei aber das Stabilitätsrisiko in der Eurozone deutlich geringer als in den USA und Japan. (08.10.2018/alc/a/a)