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Primärmarktausblick: EU und Länder weit vor Corporates und Banken


08.09.20 14:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Corona-Virus drückte in den ersten Monaten dieses Jahres nicht nur dem öffentlichen Leben, sondern auch dem Anleihe-Primärmarkt seinen Stempel auf, so die Analysten der Helaba.

Liquiditätsbevorratung und die Finanzierung der krisenbedingt steigenden Ausgaben hätten für ein großes Angebot an Corporate Bonds und vor allem Anleihen der deutschen Bundesländer gesorgt. Auch das Volumen von ungedeckten Bankanleihen und Covered Bonds sei trotz attraktiver Refinanzierungsangebote der Notenbanken noch recht ordentlich ausgefallen.

Corporates dürften aufgrund des schwierigen und unsicheren wirtschaftlichen Umfelds in den kommenden Wochen weiterhin bemüht sein, ihre Bilanzen mit Liquidität aufzupolstern und ihre Bonität durch Hybridanleihen zu festigen. Per saldo noch immer ausgesprochen günstige Finanzierungskosten und das Wiederanfahren der EZB-Käufe würden hierfür gute Rahmenbedingungen bilden.

Bei den Banken würden die Analysten davon ausgehen, dass die Institute ihre Non-preferred-Emissionen fortsetzen würden, um die regulatorischen Mindestquoten zu erreichen. Zudem dürften sie mit Blick auf die im kommenden Jahr anstehenden Fälligkeiten sowie mögliche weitere Coronabedingte Belastungen der Kapitalquoten günstige Markt-Fenster zum Pre-Funding nutzen.

Am Primärmarkt für Covered Bonds würden sich voraussichtlich insbesondere französische Emittenten und nordische Spezialinstitute, aber auch einige kleinere Häuser aus Deutschland und Österreich zeigen und für ein solides Volumen sorgen.

Steuerausfälle sowie der anhaltende Kapitalbedarf zur Unterstützung von Wirtschaft und Sozialsystemen sollten für eine Fortsetzung des Emissionsreigens bei Länderanleihen sorgen. Daueremittenten, wie NRW, Niedersachsen oder Hessen, seien ebenso zu erwarten wie Papiere von Neulingen oder bislang seltener anzutreffenden Bundesländern.

Zum Shooting-Star könnte die Europäische Union avancieren. Insbesondere die Refinanzierung der Anti-Corona-Programme SURE und NGEU sorge für einen riesigen Mittelbedarf. Die Analysten würden mit einem Bond-Volumen von jährlich mehreren hundert Millionen EUR rechnen, das ein breites Publikum ansprechen dürfte.

Weiterhin auf Wachstum programmiert sei das Nachhaltigkeits-Segment. Wie die erste grüne Bundesanleihe und der jüngst gegebene erste Green Bond von Daimler zeigen würden, gewinne die Entwicklung derzeit sowohl regional als auch sektoral an Breite. (Ausgabe vom 07.09.2020) (08.09.2020/alc/a/a)