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Primärmarktausblick: Bundesländer mit hohem Kapitalbedarf


11.09.20 12:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Arbeitskreis "Steuerschätzungen" hat gestern seine Ergebnisse vorgelegt, so Barbara Bahadori sowie Ralf Umlauf von der Helaba.

Für das Jahr 2020 seien die Berechnung der Steuerschätzung vom Mai weitgehend bestätigt worden. Danach stünden allen Gebietskörperschaften in Deutschland rund 83 Mrd. Euro weniger als 2019 zur Verfügung. Nur auf die Bundesländer bezogen würden die Steuereinnahmen um etwa 18 Mrd. Euro sinken. Dies sei um 9,3 Mrd. Euro geringer als noch im Mai befürchtet. Ähnlich wie beim Bund mache sich hier die besser als erwartete wirtschaftliche Erholung bemerkbar. Auch seien die Länder finanziell weniger von den Steuerrechtsänderungen betroffen als der Bund.

Der Finanzierungsbedarf der Länder sei dennoch hoch. So würden umfangreiche Mittel benötigt, um die Wirtschaft und die Sozialsysteme in der Corona-Krise und danach zu unterstützen. Insgesamt habe dies in allen Bundesländern zu Nachtragshaushalten mit höheren Kreditermächtigungen geführt. Die vielfach geplanten Rückführungen der Verschuldung seien aufgegeben worden, mithin würden 2020 auch die Verschuldungskennzahlen steigen.

Die Mittelaufnahme der Bundesländer erfolge im Durchschnitt zu 65% über den Kapitalmarkt. Angesichts des gestiegenen Finanzierungsbedarfs sei es nicht verwunderlich, dass sie am Primärmarkt bis Ende August sehr aktiv gewesen seien. Mit rund 69 Mrd. Euro sei das Euro-Emissionsvolumen mehr als doppelt so hoch ausgefallen wie im Vorjahr (32 Mrd. Euro). Besonders eifrig hätten sich neben den Großemittenten Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen die Länder Hessen und Brandenburg gezeigt. Beachtlich sei zudem, dass sich Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen 2020 erstmalig bzw. deutlich stärker mit festverzinslichen Anleihen über den Kapitalmarkt finanziert hätten als zuvor. (11.09.2020/alc/a/a)