Primärmarkt zieht wieder merklich an - Banken schließen Niederlassungen und reduzieren die Mitarbeiterzahl


14.09.17 10:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Während sich am Markt für Kreditausfallrisiken die CDS-Spreads im iTraxx Senior Financial dem Jahrestiefstand nähern und um das Niveau von 50 Bp notieren, verzeichnete der Cash-Markt zuletzt leicht steigende Spreads, so Michaela Hessmert und Melanie Kiene, CIIA, von der Nord LB.

Die Analysten der Nord LB rechnen damit, dass mit der Fülle der zu erwartenden Neuemissionen auch die Spreads moderat ansteigen dürften. Weiterhin sähen die Analysten geopolitische Risiken und regulatorische Unsicherheiten, die im aktuellen Spreadniveau nicht widergespiegelt würden. Auch dies spreche aus ihrer Sicht bis zum Jahresende für tendenziell ansteigende Risikoaufschläge.

Nachdem der Primärmarkt bereits in den letzten Tagen des Augusts wieder merklich angezogen habe, habe sich dieser Trend Anfang September fortgesetzt. Das positive Marktumfeld dürfte auch weiterhin die Emittenten dazu verleiten, nach der Sommerpause den potenziell aufgestauten Nachholbedarf an Senior Unsecured Emissionen zu platzieren.

Die schwedische SBAB Bank habe ihren ersten Senior Unsecured Bond (ISIN XS1678974525 / WKN A19NS7) (5Y; MS +20 Bp) in 2017 emittiert und habe damit insgesamt vier Emissionen im Euro-Benchmarkformat ausstehend. Für die spanische Caixabank sei es in diesem Jahr bereits die zweite Benchmark-Emission eines Senior Unsecured Bonds(ISIN XS1679158094 / WKN A19NTF) gewesen. Allerdings handle es sich bei der jüngsten 5Y-Emission um eine TLAC/MREL-fähige Non-preferred Senior Anleihe (MS +95 Bp).

Die britische Lloyds Banking Group (HoldCo) habe einen 10Y strukturell nachrangigen Bond (ISIN XS1681050610 / WKN A19NXY) emittiert (MS +80 Bp), der ebenfalls TLAC/MREL-fähig sei. Nachdem Belgien am 31. Juli 2017 (nach Frankreich und Spanien) auch ein Gesetz zur Etablierung der neuen Asset Kategorie "Non-preferred Seniors" eingeführt habe, habe die Belfius Bank Anfang September ihren ersten Non-preferred Senior Bond (ISIN BE6298043272 / WKN A19NX6) (5Y; MS +62 Bp) platziert. Mit dieser Transaktion stärke das Institut seine MREL-Quote. Die letzte Senior Unsecured-Emission der Belfius Bank im Benchmarkformat sei in 2013 gewesen.

Das beliebte mittlere Laufzeitsegment sei auch von der schwedischen LF Bank genutzt worden, die einen 5Y Senior Unsecured Bond (ISIN XS1684785774 / WKN A19N7Y) im Volumen von EUR 500 Mio. zu MS +37 Bp platziert habe. Nach der Westpac Ende August habe mit der National Australia Bank (NAB) ein weiterer australischer Emittent das Parkett für unbesicherte Bankanleihen im Euro Benchmarkfomat betreten. Die NAB habe einen siebenjährigen Bond (ISIN XS1685481332 / WKN A19N71) im Volumen von EUR 500 Mio. zu MS +28 Bp emittiert. Als erstes deutsches Institut habe die Commerzbank einen TLAC/MREL-fähigen Senior Unsecured Bond (ISIN DE000CZ40MC5 / WKN CZ40MC) (gesetzliche Nachrangigkeit) mit einer Laufzeit von acht Jahren im Volumen von EUR 500 Mio. zu MS +63 Bp emittiert.

Ähnlich wie bereits von der Deutschen Bank vorgenommen, habe die Commerzbank ihre Anleihedokumentation dahingehend geändert, dass diese die geplante Anpassung der Eigenkapitalverordnung (Entwurf Capital Requirement Regulation, CRR II) zur Harmonisierung der TLAC- und MREL-Mindestanforderungen berücksichtigen würden. Konkret würden die Änderungen drei Aspekte umfassen: Die Anleihe sei nicht besichert oder garantiert, Aufrechnungsvereinbarungen oder Netting-Rechte seien ausgeschlossen, kein Gläubigerkündigungsrechten außer im Insolvenzfall.

Die EBA habe am 5. September ihren finalen Vorschlag zu den ITS (implementing technical standards) zu den Minimum Requirements for Own Funds and Eligible Liabilities (MREL) geliefert. Diese würden für die Abwicklungsbehörden die Vorgehensweise konkretisieren und Templates im Zusammenhang mit der Meldung der MREL an die EBA liefern. Mit diesen Standards sei die EBA in der Lage die Konsistenz der Implementierung von MREL innerhalb der EU zu überwachen. Die ITS würden zudem ein vereinfachtes Reporting für bestimmte Institute liefern, für die eine Liquidation statt einer Abwicklung die bevorzugte Strategie sei. In diesen Fällen bestehe die MREL ausschließlich aus dem Betrag zur Verlustabsorbtion (und nicht aus einem Rekapitalisierungsbetrag). Diese ITS würden nicht das Reporting der Institute an die Aufsicht behandeln.

Nordea Bank AB habe sich dazu entschieden, den Hauptsitz von Schweden nach Finnland zu verlagern. Damit ziehe das einzige nordische global systemrelevante Institut in die Eurozone um. Die Bank habe sich in der Vergangenheit sehr kritisch zu den schwedischen Initiativen geäußert, die Steuern und regulatorischen Anforderungen an die heimischen Banken zu erhöhen. Mit dem Firmensitz in Finnland und damit als Teil der Bankenunion erwarte Nordea ein "Level Playing Field" mit seinen europäischen Peers. Die Entscheidung stehe noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Aufsicht sowie Anteilseigner.

Nach Angaben der European Banking Federation (EBF) hätten Banken in der EU in 2016 rund 9.100 Zweigstellen geschlossen und die Mitarbeiterzahl um etwa 50.000 gekürzt. Die Zahl der im Bankgewerbe tätigen Menschen sei mit 2,8 Mio. damit auf dem tiefsten Stand seit 1997. Insgesamt sei seit 2008 mit 48.000 ein Fünftel der bestehenden Niederlassungen geschlossen worden. Diese Entwicklung werde neben dem Zinsumfeld und dem Kostendruck auch mit dem sich ändernden Kundenverhalten erklärt. Das digitale und mobile Banking erfordere weniger Präsenz vor Ort. Auch die Bankenkonsolidierung schreite voran. Mit bestehenden 6.596 habe sich die Anzahl der Kreditinstitute in 2016 im Vergleich zu 2015 um 6% verringert. (14.09.2017/alc/a/a)





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