Erweiterte Funktionen

Primärmarkt: Der umsatzstärkste März in der Geschichte


01.04.21 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Da die Osterfeiertage vor der Tür stehen, hat sich der Primärmarkt gestern deutlich verlangsamt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Insgesamt seien am europäischen Primärmarkt EUR 2,5 Mrd. emittiert worden. Im EUR-Segment haben wir zwei grüne Emissionen von AXA SA (EUR 1 Mrd.) und VGP NV (EUR 600 Mio.) gesehen, so die Analysten der RBI. Damit belaufe sich das Emissionsvolumen im März auf insgesamt EUR 181 Mrd., was auch der umsatzstärkste März in der Geschichte sei. Darüber hinaus sei etwa ein Viertel des bisherigen Jahresvolumens von EUR 550 Mrd. (+1% gegenüber dem Vorjahr) auf ESG-Anleihen zurückzuführen. Das gesamte Emissionsvolumen sei von Investment Grade Emissionen (EUR 488 Mrd.) getrieben worden, von denen insbesondere das SSA-Segment einen deutlichen Anstieg (auf EUR 271 Mrd., +10%) im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet habe, während das Corporate- (EUR 84 Mrd., -27%) und das Financial-Segment (EUR 133 Mrd., -9%) hinter den Volumina des Vorjahres zurückgeblieben seien. Gestern seien keine Neuemissionen und Mandate bekannt gegeben worden.

Während der DAX gestern über der 15.000er Marke und damit auf einem neuen Allzeithoch geschlossen habe, seien die EUR-Credit-Märkte etwas zurückhaltend gewesen. So zeigten die von uns verfolgten EUR Kassabond Benchmark Indices gestern stabile bis leicht weitere Spreads, so die Analysten der RBI. Insgesamt sei die Performance im März und im bisherigen Jahresverlauf (ytd) besonders positiv für die Segmente High-Yield (März: +0,53%; ytd: +1,51%) und Contingent Convertibles (März: 0,60%; ytd: +1,33%) gewesen, während Non-Fins und die Financial Segmente Senior (März: +0,14%; ytd: -0,52%) sowie Subordinated (März: +0,64%; ytd: +0,04%) zurückgeblieben seien. Innerhalb des Non-Fins Segments hätten neben Konsumgütern (-0,00%) alle anderen Sektoren im März positive Gesamterträge aufgewiesen, wobei Automotive (+0,53%) und Leisure (+0,39%) hervorgestochen hätten.

PhosAgro sehe stabile Preise für Phosphatdünger in den kommenden zwei bis drei Jahren. Der stellvertretende CEO des Unternehmens habe während eines Investorenwebinars gesagt, dass er keine großen Akteure sehe, welche planen würden, die Produktionskapazitäten in den nächsten zwei bis drei Jahren deutlich zu erhöhen. Somit sollte es keine negative Auswirkung auf die Düngemittelpreise geben, welche derzeit bei 580 bis 600 USD pro Tonne DAP notieren würden. Das Unternehmen habe seine Ambitionen zum Abbau der Verschuldung in Richtung 1-1,5x Nettoverschuldung/EBITDA von 1,86 zum Jahresende 2020 bekräftigt und angedeutet, dass die Dividende in diesem Jahr voraussichtlich steigen werde.

CEZ habe gestern bekannt gegeben, dass es den Verkauf seiner rumänischen Aktiva an einen von Macquarie Infrastructure and Real Assets verwaltete Fonds abgeschlossen habe. Das Unternehmen habe den Preis nicht genannt, doch frühere Kommentare des CEO hätten den Preis auf fast EUR 1 Mrd. geschätzt. CEZ werde weiterhin im Handel und auf dem Energiemarkt in Rumänien tätig sein und den Verkaufserlös für die Erhöhung der Verschuldungskapazität, Investitionen und Dividenden verwenden.

VTB habe ihre Eigenkapitalrendite auf IFRS-Basis in 2M 2021 auf 20,4% steigern können (+6,3 PP gg. Vj.), was auf eine bessere NIM (3,7%, +10 BP), ein höheres Provisionsergebnis (+36%: Ausweitung des Transaktions-, Versicherungs- und Brokerage-Geschäfts) und eine Normalisierung der Risikokosten nach der COVID-Pandemie (0,4%, -60 BP) zurückzuführen sei. Bemerkenswerte Zuflüsse von Firmenkundeneinlagen (+12% gg. 2020) bei stabilen Privatkundengeldern hätten die LTD-Quote auf 90% sinken lassen (2020: 96%), während sich das Kreditwachstum auf das Privatkundenportfolio konzentriert habe (+2,9% gg. 2020) bei einem weitgehend stabilen Firmenkundenbestand.

Moody's habe den Ausblick für das russische Bankensystem von negativ auf stabil geändert in der Erwartung, dass sich die Qualität der Aktiva und die Rentabilität der Banken stabilisieren würden, da die Erholung des Ölpreises und die Aufhebung der COVID-Restriktionen das Wirtschaftswachstum und die operativen Bedingungen unterstützen sollten. Die Analysten würden davon ausgehen, dass das Kreditwachstum des Sektors im Jahr 2021 von 12% (2020: 14%) die Ertragsbasis bei stabiler NPL-Quote und Risikokosten unterstützen werde. In einem separaten Kommentar habe die Agentur Kredit-, Cybersecurity- und Sanktionsrisiken als Faktoren genannt, die in diesem Jahr zu beachten seien.

Der ESG-Anleihe-Boom sei bislang von großvolumigen SSA-Anleihen geprägt gewesen und das Financial Segment (GICS Def.) sei weniger im Fokus gewesen. Nichtsdestotrotz zeige sich nach dem ersten Quartal auch hier eine deutliche Zunahme. So seien im Segment Financials zum Ende des Q1/21 bereits EUR-ESG-Anleihen mit einem Volumen von EUR 26,5 Mrd. platziert worden und somit bereits über 70% des Vorjahresvolumen in diesem Segment. Noch deutlicher sehe das Bild im Quartalsvergleich (Q1/20 vs. Q1/21) aus, hier sei ein fünffach höheres Volumen als im Vorjahr platziert worden.

Ungarn hebe das Haushaltsdefizitziel für 2021 um 1 PP auf 7,5% des BIP an (basierend auf einem BIP-Wachstum von 4,3%, wie BBG-Konsens). Der Nachtragshaushalt ändere nichts an der Erwartung der Analysten der RBI von Null-Eurobondemissionen in diesem Jahr. Tatsächlich habe FM Varga dies angesichts der starken Vorfinanzierung in 2020 bestätigt (EUR 6 Mrd. ggü. nur EUR 1,3 Mrd. Tilgung damals). Gepaart mit der Zielvorgabe, den Fremdwährungsanteil an der Staatsverschuldung unter 20% zu halten, seien neue REPHUN-Deals unwahrscheinlich. (01.04.2021/alc/a/a)