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Primärmarkt Update EUR Corporate Bonds: EZB sorgt für Stabilisierung


01.07.21 09:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In den ersten sechs Monaten 2021 wurden am EUR Corporate Bondmarkt knapp 215 Mrd. EUR und damit fast 90 Mrd. EUR weniger als noch in H1 2020 platziert, so die Analysten der Helaba.

Insbesondere zwischen April und Juni habe das Niveau deutlich unter dem des Vorjahres gelegen, als die Unternehmen angesichts der beginnenden Corona-Krise zusätzliche Liquiditätssicherungsmaßnahmen ergriffen hätten. Nicht zuletzt die Ankäufe der EZB hätten jedoch zu einer Stabilisierung der Emissionstätigkeit beigetragen. Im Schnitt seien die Bonds mit rund 520 Mio. EUR mehr als 70 Mio. EUR kleiner als im Vorjahr gewesen. Der Anteil von Deals mit einem Volumen von mindestens 1,5 Mrd. EUR sei so niedrig gewesen wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Unternehmen aus der Industrie, der Versorger- und der Automobilbranche hätten seit Januar fast jede zweite Anleihe bzw. rund 45% des Marktvolumens platziert. Unternehmen aus der europäischen Peripherie seien mit knapp 20% stärker als in den vorangegangenen Jahren vertreten gewesen. Deutsche Unternehmen hätten mit 15,3% das höchste Platzierungsvolumen eingesammelt.

Nachrang-Titel würden ihren Höhenflug fortsetzen (vgl. Credit Special "Hybridanleihen: Wachstum gegen den Trend"). Ihr Marktanteil sei in den ersten sechs Monaten auf knapp 10% gestiegen. Jeder vierte Euro sei aus dem Sub-Investmentgrade gekommen - so viel wie in keinem anderen Jahr zuvor. Auch das Nachhaltigkeits-Segment sei zu einem neuen Rekord geeilt. Ihr Anteil am gesamten Marktvolumen habe mehr als 20% betragen. Erstmals sei der überwiegende Teil hiervon als Sustainability-linked Bond ausgestaltet gewesen. Der Marktanteil von nicht gerateten Emissionen habe sich auf hohem Niveau gehalten. Allerdings hätten die drei BBB-Ratingklassen fast die Hälfte des Marktes auf sich vereint. Ohne Berücksichtigung von Hybridanleihen seien variable verzinsliche Titel auf 5% des Marktvolumens gekommen.

Die Ankäufe der EZB dürften die Refinanzierungskostender Unternehmen weiterhin niedrig halten. Mit den Fortschritten bei der Bewältigung der Coronakrise und der Erholung der Konjunktur dürften die Unternehmen jedoch weniger Notwendigkeit sehen, zusätzliche Liquidität zu schaffen. Die Analysten der Helaba rechnen daher damit, dass das Emissionsvolumen in der Größenordnung von 2019 in Höhe von ca. 400 Mrd. EUR und damit deutlich unter dem Spitzenwert des Vorjahres liegen dürfte. (Ausgabe vom 30.06.2021) (01.07.2021/alc/a/a)