Erweiterte Funktionen

Primärmarkt: Emittenten von Senior Unsecured Bonds sehr zurückhaltend


09.11.17 13:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Im Nachgang zur mit Spannung erwarteten EZB-Sitzung engten sich die Spreads am Credit-Markt weiter ein, so die Analysten der Nord LB.

Trotz der Ankündigung einer Reduzierung des Ankaufprogrammes für Papiere des Public Sector Purchase Programmes, werde insbesondere das Corporate Sector Purchase Programme von Ankäufen durch die EZB profitieren. Zudem werde die Notenbank im kommenden Jahr allein EUR 130 Mrd. an Reinvestments zu tätigen haben. Für unbesicherte Bankanleihen bleibe das Credit-Umfeld daher positiv und die Funding-Konditionen günstig. Mit der Dominanz der Notenbankpolitik würden potenzielle Risikofaktoren in den Hintergrund gerückt und die Analysten würden seitlich bis moderat ansteigende Spreadniveaus vom aktuellen sehr niedrigen Niveau erwarten.

Trotz des sehr freundlichen Funding-Umfeldes hätten sich Emittenten von Senior Unsecured Bonds in den vergangenen zwei Wochen sehr zurückhaltend gezeigt. Aus der Eurozone habe nicht ein Institut den Weg an den Primärmarkt gewagt. Ende Oktober habe die Swedbank einen fünfjährigen grünen Senior Unsecured Bond zu MS +7 BP emittiert. Ebenfalls als Green-Bond habe Barclays PLC eine TLAC-fähige sechsjährige Anleihe (mit Call-Option @11/14/22) zu MS +50 BP offeriert. Damit sei Barclays das erste britische Institut, das einen Greenbond begebe. Gestern sei SocGen noch mit zwei Bail-in-fähigen Bonds auf den Markt getreten.

Fast ein Jahr nachdem die EU-Kommission eine Vielzahl von Veränderungsvorschlägen veröffentlicht habe (CRD II, CRR II, BRRD II), hätten sich EU-Parlament, EU-Rat und die EU-Kommission Ende Oktober nun auf zentrale Elemente des Kommissionsentwurfes aus November 2016 geeinigt. Diese sollten in einem Schnellverfahren bis Ende 2017 Anfang 2018 abgearbeitet werden. In Bezug auf die BRRD II solle EU-weit eine neue Asset Kategorie, die "Non-Preferred Seniors" eingeführt werden. Dies solle zu einem harmonisierten EU-Ansatz hinsichtlich des Rankings von Investoren in Bankanleihen bei Insolvenz und Abwicklung führen.

Konkret rangiere die neu eingeführte Asset-Kategorie Non-Preferred Seniors im Falle der Inanspruchnahme aus einer Bankenabwicklung / Insolvenz nach Kapitalinstrumenten und nachrangigen Bonds und vor Preferred Bonds. In Bezug auf die Einigung hinsichtlich CRR/CRD II sei es um die Implementierung des neuen International Financial Reporting Standards (IFRS 9) und Übergangsregelungen gegangen, um den Einfluss auf die Kapitalisierung abzumildern. Konkret sehe die Einigung eine fünfjährige Übergangsphase für Banken vor, um die Auswirkungen des Anstieges der Wertberichtigungen einzudämmen und damit auch die potenziell negativen Effekte auf die Kreditvergabe.

Der diesjährige SREP fordere von den Banken mehr valide Daten als bei den vorherigen Überprüfungen. Weil dies jedoch bei den Prüfungskandidaten länger dauere, sei den Häusern nun eine um mehrere Monate längere Abgabefrist eingeräumt worden. Dies führe dazu, dass natürlich auch die Ergebnisse erst später vorlägen. Das Nadelöhr sei an dieser Stelle die Bilanznorm IFRS 9, die zu Anpassungen der Technik führe. Der Standard trete ab 2018 in Kraft. Anfang Juni sollten die Banken erste Daten an die EBA übermitteln und Mitte Juli die zweite Übermittlung vornehmen. Für Ende Oktober seien dann die letzten Daten fällig. Die Veröffentlichung der Ergebnisse sei nun für den 02. November 2018 vorgesehen.

Wie die BörsenZeitung berichte, habe sich der Chef der EBA auf einem Symposium für eine Entlastung bei den Berichtspflichten für kleinere anstatt von regulatorischen Erleichterungen ausgesprochen. Damit beziehe die Behörde in der Debatte um eine "Small Banking Box" Position. Der Nachteil regulatorischer Erleichterungen würde in einer Zweiteilung des regulatorischen Regimes müden (und zugleich gegen die einheitliche Bankenunion sprechen), was es zu vermeiden gelte, womit die Variante der Reduzierung des Compliance-Aufwandes zu favorisieren sei.

In einem Brief an den Präsidenten der EU-Kommission Valdis Dombrovskis, den Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses des Europäischen Parlamentes Roberto Gualtieri, der Chefin der EZB-Aufsicht Daniele Nouy und den estnischen Finanzminister Toomas Toniste betone die European Banking Federation (EBF) ihre Sorge hinsichtlich des Vorschlages der EZB zum Umgang mit Problemkrediten. Aus Sicht der EBF erhöhe sich für die europäischen Institute damit die regulatorische Unsicherheit, da nicht klar werde, ob sich der Vorschlag auch auf bereits existierendes Kreditexposure beziehe. Zudem ergebe sich für Institute, die Exposure außerhalb der Eurozone hätten, einen Wettbewerbsnachteil, da in dem Falle strengere Regeln angewandt würden. Die kurzen Implementierungsfristen sowie die Tatsache, dass im Vorfeld keine Auswirkungsstudie veranlasst worden sei, seien weitere Kritikpunkte. (09.11.2017/alc/a/a)