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Präzedenzfall Bankabwicklung: Entwertung von eigenkapitalnahen Instrumenten der spanischen Banco Popular


08.06.17 13:15
Assenagon

Senningerberg (www.anleihencheck.de) - Seit dem 1. Januar 2015 gelten einheitliche Regeln für die geordnete Abwicklung bzw. Sanierung angeschlagener europäischer Banken, so die Experten von Assenagon.

Der als Single Resolution Mechanism (SRM) bezeichnete Vorgang ergänze die Aufsicht der Großbanken der Eurozone durch die Europäische Zentralbank und gelte als wichtige Voraussetzung für die europäische Bankenunion. Am 7. Juni sei erstmalig die Entscheidung getroffen worden, diese Regeln anzuwenden. Die Auffassung der EZB, dass sich die spanische Banco Popular im Scheitern befinde oder dieses zumindest sehr wahrscheinlich sei, habe den Eingriff der Aufsicht erforderlich gemacht. Während zum letzten Quartalsbericht die veröffentlichten Kapitalquoten noch den regulatorischen Vorgaben genügten, scheinen dabei insbesondere der zusätzliche Abschreibungsbedarf und die prekäre Liquiditätssituation des Finanzinstituts eine ausschlaggebende Rolle gespielt zu haben, so die Experten von Assenagon. In den vergangenen Tagen habe es bereits Hinweise gegeben, dass die Vorsitzende des Single Resolution Boards (SRB) Elke König entsprechende vorbereitende Maßnahmen veranlasst haben solle.

Nach weiteren notwendig gewordenen Wertberichtigungen, vor allem auf das Immobilienportfolio, habe die Bank einen hohen Verlust für das erste Quartal 2017 verkündet. In der Folge habe sich die Kernkapitalquote auf nur noch 7,33% und eine Gesamtkapitalquote von 11,91% verringert, was nur 50 Basispunkte über der regulatorischen Mindestanforderung von 11,375% gelegen habe. Ein Unterschreiten dieser Marke hätte die Kuponzahlungen auf die begebenen Contingent Convertibles (CoCos) erschwert oder verhindert.

Da die Banco Popular vergleichsweise niedrige Rückstellungen für die Problemkredite gebildet habe, seien weitere Verluste in Höhe von mehreren Milliarden Euro zu befürchten gewesen. Die Suche nach einem Käufer für die angeschlagene Bank habe sich als schwierig erwiesen, sodass die Liquiditätslage bedrohlich worden sei.

Als einziger potenzieller Käufer sei die ebenfalls spanische Bank Santander verblieben. Um einen Verkauf der Banco Popular zu ermöglichen, sei das eingezahlte Aktienkapital vollständig entwertet worden. Obwohl die beiden von der Banco Popular begebenen CoCos mit einem Gesamtvolumen von EUR 1,25 Mrd. vertragsgemäß erst bei Unterschreiten der Kapitalquote von 7% bzw. 5,125% (regulatorisches Minimum) in Aktien konvertieren sollten, habe sich das SRB ebenfalls für eine vollständige Entwertung der beiden Anleihen entschieden. Dies entspreche der Vorgehensweise bei Erreichen des sogenannten Point of Non-Viability (PoNV), bei dem das weitere Bestehen der Bank nicht länger gesichert sei.

Andere nachrangige Anleihen, die dem Tier 2-Kapital zuzuordnen seien, seien in die wertlos gewordenen Aktien konvertiert worden, sodass im Ergebnis auch hier ein vollständiger Verlust des Nominals zu verzeichnen sei. Erstrangige Anleihen und gedeckte Schuldverschreibungen würden von der Santander übernommen und hätten sich von den Kursverlusten der Vortage erholt.

Die Maßnahmen des SRB würden eindrucksvoll zeigen, dass die Banken entsprechend der beschlossenen Regeln effektiv abgewickelt werden könnten. Sicher sei dabei einzuräumen, dass die Übernahme durch die Santander im Vergleich zu einer vollständigen Abwicklung deutlich einfacher sei. Die Entwertung von sowohl Aktien als auch Contingent Convertibles sei aus Sicht der Experten unter diesen Umständen unabdingbar und stelle unter Beweis, dass der anzunehmende PoNV, bei dem die Aufsicht einschreite, die vertraglich festgelegten Trigger-Kapitalquoten ersetze.

Weiter falle auf, dass auch Tier 2-Anleihen, die im Vergleich zu CoCos üblicherweise deutlich niedrigere Renditen aufweisen würden, ebenfalls vollständig zur Verlustabsorption herangezogen worden seien. D. h., alle Nachrangpapiere, Tier 1 und Tier 2, CoCos und traditionelle Nachranganleihen, seien gleichermaßen am Verlust beteiligt worden. Ob auch zukünftig davon auszugehen sei, dass Erstranganleihen von der Haftung ausgenommen würden, sei fraglich und mitunter von der nationalen Erfüllung der TLAC- bzw. MREL-Anforderung abhängig. Die vollumfängliche Entwertung der Aktien unterstreiche die Eignung von Put-Optionen zur Absicherung des Ausfallrisikos von CoCo-Emittenten, wie dies von Assenagon regelmäßig ein- und umgesetzt werde. Die idiosynkratischen Probleme der Banco Popular seien seit einiger Zeit erkennbar gewesen. Dementsprechend seien die von Assenagon verantworteten Anleihefonds zu keinem Zeitpunkt in Eigen- oder Fremdkapital der Bank investiert worden.

Da es sich hier um ein isoliertes Ereignis handle, seien keine nennenswerten branchenweiten Ansteckungseffekte zu beobachten gewesen. Die Auswirkungen auf den Gesamtmarkt seien überschaubar geblieben. Nach anfänglichen, leichten Verlusten hätten sich die meisten CoCos schnell erholt. Insofern habe sich der Bankenabwicklungsmechanismus bewährt und sein eigentliches Ziel, nämlich die Verhinderung einer ungeordneten Insolvenz mit weitreichenden Schäden auch für andere Finanzinstitute und die gesamte Wirtschaft, erreicht. (08.06.2017/alc/a/a)