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Der "Powell-Put" wird uns längere Zeit beschäftigen


07.01.22 11:43
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Omikron-Variante scheint Covid-19 endemisch werden zu lassen, sodass einem breiten Wirtschaftsaufschwung nichts entgegensteht, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Für die Zentralbanken sei jetzt der Zeitpunkt gekommen, um auf die Bremse zu treten.

Die Renditen der US-Staatsanleihen seien zu Beginn des neuen Jahres gestiegen: Anfängliche Befürchtungen hinsichtlich der Omikron-Variante seien dem Optimismus gewichen, dass eine rasche Ausbreitung einer milderen Covid-19-Variante den Zeitpunkt beschleunige, ab dem viele Länder in der westlichen Hemisphäre lernen würden, mit dem Virus zu leben.

Vor diesem Hintergrund würden neue Lockdown-Maßnahmen immer unwahrscheinlicher. Neue Wirtschaftsdaten könnten allerdings nochmals durch die im vergangenen Monat aufgetretenen Sorgen im Zusammenhang mit dem Virus beeinträchtigt werden, weil viele Arbeitnehmer es weiterhin - oder wieder - vorgezogen hätten, der Arbeit fernzubleiben.

Das jetzt wiedergewonnene Vertrauen in verbesserte Wirtschaftsaussichten werde die Zentralbanken zu weiterem Handeln veranlassen, solange die Inflation weiterhin deutlich über den Inflationszielen liege. Die Experten würden daher davon ausgehen, dass eine Reihe von Zentralbanken in den kommenden Monaten eine restriktivere Haltung einnehmen werde. Bislang habe die US-Notenbank betont vorsichtig ein Ende der Ankäufe von Vermögenswerten und einen Weg zu höheren Zinsen angedeutet. Da Risikoanlagen jedoch vorerst gut unterstützt bleiben würden, hätten die Experten den Eindruck, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger in den kommenden Wochen mehr Mut entwickelten könnten und das Tapering-Tempo erhöhen würden.

In den vergangenen Tagen seien die Anzeichen, dass die FED bald eine aktive Reduzierung ihrer Bilanz durch den Verkauf von Vermögenswerten anstreben könnte, für einige Marktteilnehmer überraschend gekommen. Da die Renditekurve seit einigen Wochen jedoch ungewöhnlich flach verlaufe, könnte ein solches Vorgehen durchaus sinnvoll sein.

Da das Übermaß an Liquidität vor allem die Preise von Vermögenswerten treibe, komme die Liquiditätsabschöpfung wohl nicht von ungefähr: Die Vermögenszuwächse infolge der Vermögenspreisinflation hätten vor allem den Superreichen in der Gesellschaft viel Geld in die Kasse gespült.

Umgekehrt bekämen die unteren Einkommensgruppen die Kosten der Inflation unverhältnismäßig stark zu spüren, da sie einen größeren Teil ihres Einkommens für das Begleichen von Rechnungen für Versorgungsleistungen und Dinge des täglichen Bedarfs ausgeben müssten, wo die Preisinflation besonders schmerzlich zutage trete.

Insgesamt würden die Experten nicht denken, dass die politischen Entscheidungsträger die Preise von Vermögenswerten nach unten würden drücken wollen, aber sie möchten möglicherweise den spekulativen Übertreibungen bei zum Beispiel Kryptowährungen, NFTs und Meme-Aktien einen Riegel vorschieben. Auch die politischen Entscheidungsträger scheinen zunehmend zu akzeptieren, dass die Entwicklung der Aktienkurse nach einigen Jahren sehr starker Zuwächse nicht ewig so weiter gehen könne. Unter diesem Gesichtspunkt gehen wir davon aus, dass der "Powell-Put" uns längere Zeit beschäftigen wird - solange der S&P nicht prozentuale Verluste in zweistelliger Höhe verzeichnet, so die Experten von BlueBay Asset Management. (07.01.2022/alc/a/a)