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Positives Stimmungsbild für Private Debt hält an


10.06.21 08:30
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Auf der Suche nach Allokationsmöglichkeiten bemühen sich Investoren angesichts der anhaltenden Volatilität der öffentlichen Märkte um Alternativen im Bereich des Privatsektors, um die potenziellen Auswirkungen steigender Inflation und Zinssätze zu verringern, so die Experten von NN Investment Partners (NN IP).

Private Debt habe sich zum schnellst wachsenden Segment auf dem Privatmarkt entwickelt, da Investoren nach diversifizierten Renditequellen suchen würden. Untersuchungen würden zeigen, dass zwei Drittel der Investoren planen würden, ihre Investitionen in Private Debt zu erhöhen. Fast 40 Prozent der neuen Kundenaufträge auf der Suche nach Private-Capital-Managern beim globalen Beratungsunternehmen Bfinance in 2020 hätten Private Debt betroffen, verglichen mit 23 Prozent im Jahr 20192.

Viele Unternehmen würden die Vorteile alternativer Kreditquellen erst recht in einer Post-Corona-Welt erkennen. NN IP gehe davon aus, dass Private Debt in den kommenden Jahren eine wachsende Rolle bei Unternehmenskrediten, Infrastruktur, Immobilien und globalen Handelsfinanzierungen spielen und sich in den Portfolios der Investoren stärker durchsetzen werde.

Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) würden verstärkt in Private Debt berücksichtigt werden. Es werde erwartet, dass der Fokus auf Nachhaltigkeit in der Asset-Klasse zunehmen werde und dass Regierungen möglicherweise regulatorische Instrumente einsetzen würden, um mehr private Investments einzubeziehen.

Niels Bodenheim, Head of Alternative Credit bei NN Investment Partners, sage: "Private Debt hat seine Belastbarkeit während der Pandemie unter Beweis gestellt. Da jedoch immer mehr Investoren auf Private Debt setzen, um Rendite zu erzielen, wird es immer schwieriger, attraktive Investments zu finden. Bei NN IP werden wir die Suche nach Investmentmöglichkeiten fortsetzen, wobei wir uns auf die Diversität der Gegenparteien konzentrieren und die Abhängigkeit von Schlüsselbeziehungen reduzieren. Wir werden in neuen Bereichen wie Trade Finance weiter wachsen und die komplette Steuerung aller neuen Investments und Partnerschaften beibehalten".

NN IP konzentriere sich auf vorrangig besicherte Kredite mit hoher Kreditqualität und sehe Spread-Ausweitungen von bis zu 400 Basispunkten gegenüber öffentlichen Investment-Grade-Anleihen, relevanten Swap-Kurven oder Referenzsätzen in den folgenden Marktsegmenten:

Europäische Asset-Backed Securities (ABS) würden im Vergleich zu anderen Fixed-Income-Kategorien attraktive Renditen bieten. Aus der Bewertungsperspektive würden die aktuellen Spreadniveaus einen günstigen Einstiegspunkt für Investoren bieten, wobei eine weitere Verengung über das zu Jahresbeginn beobachtete Niveau hinaus möglich sei.

ABS mit AA-, A- und BBB-Rating würden gutes Potenzial für eine Verengung bieten. Obwohl dieses Potenzial bei ABS mit AAA-Rating geringer sei, biete es einen positiven Carry. Darüber hinaus sehe NN IP mit zunehmender Inflationsunsicherheit die Zinsvolatilität als wachsendes Risiko für Fixed-Income-Produkte, während der variabel verzinsliche Charakter von ABS einen Schutz gegen höhere Zinsvolatilität biete. Die Spreads zu anderen Fixed-Income-Produkten mit Investment-Grade-Rating könnten bis zu 300 Basispunkte erreichen, abhängig von der jeweiligen Sub-Assetklasse und dem Rating.

Trade Finance umfasse Kredite, die die Risiken von Importeuren und Exporteuren bezüglich der Zahlung und Lieferung reduzieren würden. Laut der Welthandelsorganisation würden sich schätzungsweise 80 bis 90 Prozent des Welthandels auf sie verlassen. Das derzeitige Finanzierungsvolumen liege jedoch etwa 1,5 Billionen US-Dollar unter dem Marktbedarf. Die Fundamentaldaten für Trade Finance seien stabil, wobei die Ausfallraten für Trade-Finance-Produkte zwischen 0,03 Prozent und 0,24 Prozent lägen. Die Durchschnittszeit bis zur Rückzahlung für Trade-Finance-Produkte liege bei 120 Tagen, verglichen mit 437 Tagen für andere Asset-Klassen. Spread-Ausweitungen gegenüber dem USD-Libor lägen bei Asset-basierten Transaktionen bei etwa 300 bis 400 Basispunkten, was zu einer Rest-Risiko-Prämie von 200 bis 300 Basispunkten gegenüber einer liquiden Benchmark mit ähnlichem Rating, ähnlicher Duration und Branche führe.

Die Prognose für niederländische Wohnbauhypotheken sei trotz der Pandemie positiv. Die Immobilienpreise seien im Jahr 2020 um 8,3 Prozent gestiegen, wobei die niedrigen Hypothekenzinsen die Aktivität auf dem Immobilienmarkt angekurbelt hätten. Es werde erwartet, dass die Immobilienpreise im Jahr 2021 um 3 bis 5 Prozent und im Jahr 2022 um 1 bis 2 Prozent steigen würden. Die Spreads über Swaps lägen bei bis zu 200 Basispunkten. Obwohl die steigende Arbeitslosigkeit und die abnehmende staatliche Unterstützung für Unternehmen und Haushalte ihren Tribut fordern würden, halte es die Niederländische Zentralbank für unwahrscheinlich, dass dies die Stabilität des niederländischen Finanzsektors gefährden werde.

Nach einem deutlichen Rückgang der Transaktionsaktivität zwischen April und Juli 2020 erhole sich der Markt für CRE-Kredite in Europa. Die Unsicherheit über die Entwicklung der Sektoren wie Einzelhandel, Freizeit und Büros habe zu höheren Credit Spreads geführt. Wohn- und Logistikimmobilien seien weiterhin die Sektoren, die sich besser entwickeln würden als der Rest des Marktes, wobei sich sowohl die Credit Spreads als auch die Bewertungen der Vermögenswerte in den Bereich vor Corona bewegen würden. Dies sei auf die Belastbarkeit dieser Assetklassen zurückzuführen (Wohnimmobilien) bzw. auf die Tatsache, dass sie von dem beschleunigten E-Commerce-Trend profitieren könnten (Logistik), der durch Corona angetrieben werde. Die Prämien zu ähnlich bewerteten öffentlichen Investment-Grade-Anleihen lägen bei etwa 100 Basispunkten.

Trotz des pandemiebedingten langsamen Starts ins Jahr 2020 habe sich der Markt für Privatplatzierungen in der zweiten Jahreshälfte schnell erholt. Investitionen in die Realwirtschaft durch die Finanzierung allgemeiner Unternehmensziele über eine Multi-Corporate-Credit-Lösung (die traditionelle Kredite mit Investment-Grade-Rating, Privatplatzierungen, unternehmensgarantierte Kredite, grüne Kredite sowie komplexere strukturierte Deals umfasst) könnten eine Illiquiditätsrisikoprämie gegenüber öffentlichen Anleihen mit Investment-Grade-Rating von bis zu 75 Basispunkten generieren und ein zusätzliches Maß an Diversität bieten.

Infrastruktur-Assets würden wichtige Services bereit stellen und sich durch stabile, langfristige Cashflows auszeichnen, die oft aus Verträgen mit erstrangigen Gegenparteien, einschließlich Regierungen, stammen würden. Für Manager von Liability-Matching-Portfolios könnten Infrastruktur-Anleihen eine interessante Alternative zu öffentlichen Anleihen mit einem ähnlichen Risikoprofil darstellen. Viele europäische Portfolios mit Infrastruktur-Anleihen hätten sich als sehr resistent gegenüber den Auswirkungen der Corona-Pandemie erwiesen. Infolgedessen sei das Preisniveau für die meisten Infrastrukturanleihen schnell wieder auf das Niveau vor der Corona-Pandemie zurückgekehrt. Die Illiquiditäts- und Komplexitätsprämie gegenüber Investment-Grade-Unternehmensanleihen liege bei etwa 100 Basispunkten. (10.06.2021/alc/a/a)