Erweiterte Funktionen

Politische Unsicherheit als Stütze für Treasuries und Bunds


04.10.18 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Renditen von deutschen Staatsanleihen bewegen sich seit Herbst 2016 in einem Seitwärtsband, das nur in wenigen Phasen verlassen wurde, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Bis Jahresende dürfte die Marktverzinsung für deutsche Staatsanleihen in ihrer langbewährten Handelsspanne verharren (z.B.: Zehnjährige Laufzeiten zwischen rund 0,2% und 0,5%). Erstens bleibe das politische Umfeld in den kommenden Monaten mit hohen Unsicherheiten behaftet (Politik Italien, Brexit, US-Handelskonflikt mit China, Iran und Russland Sanktionen, etc.), was sichere Häfen wie deutsche Staatsanleihen unterstütze bzw. deren Renditen dämpfe. Zweitens hat die EZB unserer Meinung nach keine Eile, die langfristigen Zinserwartungen nach oben zu korrigieren, so die Analysten der RBI. Die Reduktion der Netto-Anleihekäufe bzw. deren absehbares Ende würden wohl kaum Aufwärtsdruck bei Renditen deutscher Staatsanleihen verursachen. Immerhin bleibe das Angebot knapp. Die EZB werde weiterhin mehr als 30% der ausstehenden deutschen Agency Bonds und Staatsanleihen mit Laufzeit über ein Jahr halten, und die Nettoemissionstätigkeit Deutschlands bleibe wohl gering. Zuletzt dürfte auch die Inflation bis Jahresende leicht rückläufig ausfallen, was eine Aufwärtskorrektur der Inflationserwartungen und somit der Renditen von deutschen Staatsanleihen unwahrscheinlich mache.

Wir gehen davon aus, dass die Mehrheit der FOMC-Mitglieder nach der von uns erwarteten Zinsanhebung am 26. September bis Ende 2019 vier weitere Zinsschritte für angemessen halten wird, so die Analysten der RBI. Der Markt rechne gemessen an den FED Funds Futures bis Ende des nächsten Jahres dagegen nur mit Zinsanhebungen im Ausmaß von weiteren 50 Basispunkten. Angesichts der sich abzeichnenden Konjunkturüberhitzung in Kombination mit einem anziehenden Lohnwachstum und einer Inflationsrate, die sich oberhalb des FED-Zielwertes festsetzen dürfte, scheine den Analysten der RBI der Markt das Ausmaß der bevorstehenden geldpolitischen Straffung zu unterschätzen.

Der Druck auf die Kurse amerikanischer Staatsanleihen dürfte durch zwei weitere Faktoren zusätzlich erhöht werden. Zum einen reduziere die FED in zunehmendem Ausmaß ihren Bestand an Staatsanleihen. Ab Oktober werde sie monatlich um USD 50 Mrd. weniger Staats- und Hypothekenanleihen kaufen als in ihrem Portfolio abreifen. Zum anderen müssten die USA zur Finanzierung ihres riesigen Haushaltsdefizits deutlich mehr neue Anleihen emittieren als in den letzten Jahren. Wir gehen daher weiterhin von steigenden US-Renditen aus, so die Analysten der RBI. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen sähen die Analysten bis zum Jahresende 2018 nachhaltig über 3%. (Ausgabe 4. Quartal 2018) (04.10.2018/alc/a/a)