Polens geldpolitischer Ausschuss belässt Leitzins bei 1,50%


07.09.17 11:45
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Der geldpolitische Ausschuss der Nationalbank von Polen hat gestern die Leitzinsen wie erwartet bei 1,50% belassen, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Begründet hätten die Währungshüter ihre Entscheidung vor allem mit dem geringen Preisdruck: Im August hätten die allgemeinen Verbraucherpreise lediglich um 1,8% höher als im Vorjahresmonat gelegen. Die Kerninflation sei zuletzt mit 0,8% gemeldet worden. Mit einer Teuerung in Höhe des Inflationszieles der Notenbank von 2,5% ±1 Prozentpunkt rechne die Zentralbank ebenso wie die Mehrheit der Marktteilnehmer frühestens 2019. Insofern würden die Analysten bis weit in das kommende Jahr hinein von unveränderten Leitzinsen ausgehen.

Die gute Auslastung am Arbeitsmarkt mit der niedrigsten Arbeitslosenquote seit 1990 verspreche für die größte Volkswirtschaft Mitteleuropas eine starke Inlandsnachfrage auf der Verbraucherseite. Auch die jüngste Lagebeurteilung im Verarbeitenden Gewerbe signalisiere ein Wachstum in der Industrie bei einer guten Auftragsentwicklung und einem steigenden Output. Die Analysten würden im laufenden Jahr ein preis- und saisonbereinigtes BIP-Plus von 4,0% erwarten (2016: 2,7%).

Durch den soliden Konjunkturverlauf und die bislang am Finanzmarkt zu wenig berücksichtigten Spannungen des Landes mit der EU würden die Analysten langlaufende Staatsanleihen Polens kritisch beurteilen. Die Regierung des Landes verweigere in umstrittenen Themen die Zusammenarbeit mit der EU, etwa bei der Justizreform, in der Migrationspolitik und der Rodung im Białowieża-Urwald.

Offensichtlich nehme die Regierung von Ministerpräsidentin Beata Szydło dabei die negativen Reaktionen aus Brüssel in Kauf: Die EU-Kommission habe Polen mit einem Vertragsverletzungsverfahren nach Artikel 7 des EU-Vertrags gedroht. Darin seien u. a. Sanktionen und ein Stimmrechtsentzug gegenüber Staaten vorgesehen, die schwerwiegend und nachhaltig gegen europäische Grundwerte verstoßen würden. Jedoch würden politische Beobachter es noch für offen halten, ob die EU-Kommission dem Europäischen Rat tatsächlich die Aktivierung des Artikels empfehle. Sollte Polen an seiner politischen Agenda festhalten, könne das Verfahren zu finanziellen Sanktionen führen.

Kritische Stimmen würden indes auch ohne diese formalen Schritte Nachteile für ein isoliertes Polen bei künftigen Verhandlungen über Mittelzuweisungen im Rahmen des nächsten mehrjährigen EU-Finanzrahmens 2021-27 befürchten. Auch die innenpolitische Entwicklung nach der Rückkehr des Parlaments aus der Sommerpause sei unklar, nachdem die polnische Regierung trotz des Vetos von Staatspräsident Andrzej Duda weitere Teile der Justizreformen durchsetzen wolle. Das spreche nach Einschätzung der Analysten für eine künftig steilere Renditekurve polnischer Staatsanleihen durch steigende Renditen am langen Ende. Auf der Währungsseite würden die Analysten mit Notierungen um 4,25 PLN je Euro per Ende 2017 weitgehend unveränderte Kurse erwarten. (07.09.2017/alc/a/a)