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Pfandbrief: Gesetzesnovelle 2021 auf der Zielgeraden


12.02.21 14:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die neuen EU-Regelungen zur Harmonisierung von Covered Bonds müssen bis 8. Juli 2021 in nationales Recht umgesetzt sein und ein Jahr später für alle Emittenten in Kraft treten, so die Analysten der Helaba.

Deutschland habe bereits frühzeitig die nötigen Änderungen in der Pfandbriefgesetz-Novelle 2021 (PfandBG-Novelle) auf den Weg gebracht und liege gut im Zeitplan. Per saldo dürfte der Pfandbrief nach Einführung der Novelle 2021 eine höhere Qualität als der EU-Mindeststandard ausweisen.

Der Regierungsentwurf zur PfandBG-Novelle 2021 beinhalte einen überschaubaren Umfang an Anpassungen, da viele verbindliche Vorschriften des EU-Harmonisierungspakets längst Standard für den Pfandbrief seien. Darüber hinaus hebe sich die Novelle durch einige striktere Vorgaben ab, wie etwa das generelle Verbot, Forderungen gegenüber Kreditinstituten aus der gleichen Bankengruppe wie der Emittent in Deckung zu nehmen.

Zu den weiteren Änderungen des Pfandbriefgesetzes würden die Ergänzung der barwertigen Überdeckungsquote um nominelle Überdeckungsquoten, die Erweiterung des Deckungsreportings und hohe Anforderungen an liquide Vermögenswerte zählen. Aufgrund dieser hohen Qualitätsstandards sei die Privilegierung von Pfandbriefen im Aufsichtsrecht und in den EU-Regelungen weiter sichergestellt. Daher würden die Papiere unter die europäische Bezeichnung "European Covered Bond (Premium)" fallen und könnten damit vermarktet werden. Ausnahme würden die Flugzeugpfandbriefe bilden, die sich nicht für das Premiumsegment qualifizieren würden.

Darüber hinaus entscheide sich der deutsche Gesetzgeber für die Einführung der Fälligkeitsverschiebung. Covered Bonds ohne und mit Fälligkeitsverschiebung (international häufig Hard- und Soft Bullet-Covered Bonds genannt) seien ohne jeden Unterschied, solange die emittierende Bank zahlungsfähig sei. Bei Insolvenz des Emittenten sei die Fälligkeitsverschiebung dagegen ein probates Mittel zur Reduzierung des Liquiditätsrisikos.

Gerade bei anstehenden großvolumigen Fälligkeiten könne ein sich verschaffter Zeitgewinn zur Liquiditätsbeschaffung helfen, den Ausfall der Covered Bonds zu vermeiden. Dies könnte auch dem Sachwalter zu Gute kommen, der zur Abwicklung der Deckungswerte und Pfandbriefverbindlichkeiten bei Insolvenz der Bank eingesetzt werde. Die Verschiebung von Pfandbrieffälligkeiten um maximal 12 Monate gelte als letztes Mittel des Sachwalters, um Liquiditätsengpässen entgegenzuwirken. Dies dürfte auch im Interesse der Investoren sein.

Covered Bonds mit Fälligkeitsverschiebung hätten in den letzten Jahren international zunehmend an Akzeptanz gewonnen und würden die Neuemissionen dominieren. Mit der PfandBG-Novelle werde der Anteil von Soft Bullet Covered Bonds deutlich von 52% auf 70% steigen. So einheitlich die Namensgebung und die Struktur der Fälligkeitsverschiebung wirken würden, so uneinheitlich seien sie doch. Unterschiede bei Auslösern, Verschiebemöglichkeiten und -techniken, Regeln zur Verzinsung und Berichterstattung würden Investoren trotz EU-Mindeststandards nicht von ihrer Vergleichsarbeit erlösen. Umso positiver sei die einheitliche Regelung in der PfandBG-Novelle für alle Pfandbriefe zu werten. (12.02.2021/alc/a/a)