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Parlamentswahlen und Notenbankentscheidungen


09.06.17 15:00
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die kommende Woche wartet mit interessanten politischen Entscheidungen auf, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Den Start mache Frankreich, wo am Sonntag die erste Runde der Parlamentswahlen stattfinde und damit über die Zusammensetzung der Nationalversammlung entschieden werde. Den jüngsten Umfragen zufolge habe die noch blutjunge Partei "La République En Marche" unter dem neuen Staatspräsidenten Emmanuel Macron gute Chancen auf eine Mehrheit der 577 Parlamentssitze. Final entscheide jedoch erst die Stichwahl am 18. Juni über die Sitzverteilung im Parlament.

Heiß hergehen dürfte es auch auf dem am Donnerstag stattfindenden Treffen der Eurogruppe zum Thema Griechenland. Im Juli müsse Griechenland Zahlungsverpflichtungen von mehr als 7 Mrd. EUR erfüllen, dadurch steige der Druck, die derzeitige Reformüberprüfung abzuschließen - Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Tranche. Seit dem letzten Treffen Ende Mai habe es allerdings wenig Bewegung bei den verhandelnden Parteien gegeben. Streitthema bleibe eine mögliche Schuldenerleichterung für das Land. Deutschland stelle sich vehement gegen einen entsprechenden Schnitt, für den IWF sei das aber die Voraussetzung, um sich am Hilfsprogramm zu beteiligen. Bewegen werde sich zunächst voraussichtlich Griechenland selbst müssen und damit weitere klare Maßnahmen zur Schuldenreduzierung herausstellen.

Auch seitens der Geldpolitik komme diese Woche Bewegung ins Spiel: Die FED dürfte am Mittwoch an der Zinsschraube drehen und die FED Funds-Rate um 25 BP auf 1,00 bis 1,25% erhöhen. Die "forward guidance" sollte trotz des erwarteten Zinsschritts auch weitere graduelle Erhöhungen der Zinssätze in Aussicht stellen. Mit Blick auf den gut funktionierenden Arbeitsmarkt und einer sich im Bereich von 2% zumindest stabilisierenden Inflation würden sich die Währungshüter in einem bequemen Umfeld befinden, die geldpolitische Lockerung zurückzufahren. Die Analysten würden als Basisszenario damit rechnen, dass dem Schritt am Mittwoch eine weitere Zinserhöhung im September folge. Das Augenmerk dürfte darüber hinaus auf möglichen weiteren Kommentaren der Währungshüter zum Timing und Vorgehen der Reduzierung der FED-Bilanzsumme liegen.

Zurückhaltender dürften sich die Mitglieder der Bank of England zeigen. Die Analysten würden auch nach dem für die Konservativen enttäuschenden Wahlausgang und der voraussichtlich schwierigen anstehenden Regierungsbildung keinen zusätzlichen geldpolitischen Impuls durch die Bank of England erwarten. Wenig Grund zur Anpassung der Geldpolitik dürften auch die Schweizer Währungshüter haben, nachdem das BIP im 1. Quartal enttäuscht habe und die Vorlaufindikatoren bestenfalls auf eine graduelle Erholung der Wirtschaft hinweisen würden, die kaum Potenzial für anziehenden Preisdruck berge. In Japan habe die wirtschaftliche Erholung zuletzt zwar anziehen können, die besseren Rahmenbedingungen hätten aber bisher nicht zu einem stärkeren Lohnwachstum geführt. Dadurch dürfte auch die Bank of Japan ihrem extrem lockeren geldpolitischen Pfad treu bleiben. (09.06.2017/alc/a/a)