Pariser Nachhaltigkeitsanleihe trifft auf große Nachfrage - KfW platziert USD-Benchmark


15.11.17 12:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nach wie vor ist völlig offen, zu welchen "Konditionen" Großbritannien aus der Europäischen Union (EU) ausscheiden wird, so Mario Gruppe, CIIA von der Nord LB

Klar sei hingegen, dass der Brexit Einfluss auf eine der größten europäischen Supras - die Europäische Investitionsbank (EIB) - haben werde. Derzeit habe Großbritannien einen Anteil von 16,1% an der EIB. EIB-Chef Hoyer habe sich nun in einem Interview besorgt über die möglichen Folgen der EIB geäußert. Anders als etwa bei der Weltbank seien die Anteile an der EIB nicht handelbar. Entsprechend könnten andere Staaten den britischen Anteil nicht übernehmen. Hoyers Ansicht nach könnte sich die Verringerung des abrufbaren Kapitals infolge eines Ausscheidens von UK deutlich stärker bemerkbar machen als lediglich in der Reduktion des Kapitals. Die maximale Kreditvergabe könnte aufgrund der Hebelwirkung um EUR 100 Mrd. sinken, so Hoyer.

Der EIB-Präsident fordere daher eine Stärkung des Kapitals der EIB. Dies müsse nicht zwingend durch eine Bareinlage der anderen Anteilseigner erfolgen, sondern könne auch durch eine Umwandlung der Bankreserven in hartes Eigenkapital sichergestellt werden. Hoyer gehe davon aus, dass die meisten Anteilseigner (sämtliche EU-Staaten) ein solches Vorgehen mittragen würden. Ansonsten fürchte Hoyer spürbare Markteffekte für Anleihen der EIB ab der zweiten Jahreshälfte 2018. Aktuell könne man eine entsprechende Verunsicherung noch nicht feststellen. Die Nachfrage nach EIB-Titeln sei nach wie vor sehr hoch und die Spreads würden entsprechend auf sehr niedrigen Niveaus handeln.

Darüber hinaus fordere Hoyer eine Reformierung der Eurozone. Mit der EIB und dem ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) hätte die Staatengemeinschaft aber bereits die entsprechend notwendigen Institutionen. Er habe sich in diesem Zusammenhang auch offen gezeigt für neue Kooperationen zwischen EIB und ESM. Zudem habe sich Hoyer für eine neue Förderbank für Afrika ausgesprochen. Im Zuge der Flüchtlingsbewegungen habe eine der politischen Forderungen immer wieder in der Bekämpfung von Fluchtursachen gelegen. Auch der EIB-Chef habe sich dafür ausgesprochen, nachhaltig etwas gegen die klimatischen und ökonomischen Fluchtursachen zu tun. Nach seinen Vorstellungen müsse diese neue Förderbank einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag an Investitionen für Afrika mobilisieren.

In der vergangenen Woche habe die Stadt Paris wie angekündigt eine Nachhaltigkeitsanleihe begeben. Die Stadt habe dabei EUR 320 Mio. eingesammelt; insgesamt hätten Gebote über EUR 1,3 Mrd. vorgelegen. Mit einer Laufzeit von 17 Jahren habe Paris damit in erster Linie Investoren langlaufender Bonds bedient. Mit 42% sei weniger als die Hälfte des Bonds an inländische Investoren gegangen. Gut die Hälfte (54%) der Anleihe sei in die Bücher von Versicherungen und Pensionskassen gegangen, gefolgt von Asset Managern (29%). Zentralbanken hätten lediglich 3% der Anleihe erworben. Bonds der Stadt Paris seien bereits im Rahmen des PSPP angekauft worden.

Die Stadt Ludwigshafen stehe kurz vor der Emission ihrer zweiten Stadtanleihe. Nachdem die Stadt mit der Emission ihrer ersten Anleihe vor ziemlich genau drei Jahren EUR 150 Mio. eingesammelt habe, wolle sie nun weitere EUR 100 Mio. am Kapitalmarkt einwerben. Mit einer Laufzeit von zehn Jahren setze die Stadt damit auf eine langfristige Refinanzierung. Für den 23. November sei eine Roadshow geplant. Danach solle der Bond platziert werden.

Mit der African Development Bank (AFDB) habe sich ein seltener Gast am Primärmarkt für EUR-Transaktionen angekündigt. Erstmalig in diesem Jahr habe die Entwicklungsbank eine in EUR denominierte Anleihe (ISIN XS1720947081) begeben. Bis dato habe das Institut lediglich zwei EUR-Benchmarkanleihen ausstehend gehabt. Mit dem nun emittierten Social Bond komme die dritte EUR-Benchmark hinzu. Das Papier habe eine Laufzeit von sieben Jahren und ein Nominalvolumen von EUR 500 Mio.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) habe in der vergangenen Woche USD 3 Mrd. eingesammelt und damit nach eigenem Bekunden die letzte Benchmarkemission in diesem Jahr erfolgreich durchgeführt. Der Bond habe eine Laufzeit von drei Jahren und sei zu ms -1 Bp gepreist worden. Über die Hälfte (54%) der Anleihe sei von Investoren in Amerika erworben worden, gefolgt von Europa (22%) und Asien (20%). Die stärkste Investorengruppe hätten dabei Zentralbanken (40%) dargestellt. Asset Manager (29%) und Banken (22%) hätten ebenfalls nennenswerte Anteile gekauft.

Mit dieser letzten Benchmarkemission im Jahr 2017 habe die KfW bereits das untere Ende ihres für 2017 definierten Fundingkorridors von EUR 75 bis 80 Mrd. erreicht. Angesichts der noch immer äußerst günstigen Refinanzierungskonditionen könnten wir uns aber durchaus vorstellen, dass die Förderbank in einem überschaubaren Maße bereits Pre-Funding für das kommende Jahr betreiben könnte, so die Analysten der Nord LB.

Die Agence Française de Développement (AFD) habe in der vergangenen Woche einen Green Bond (ISIN FR0013296373 / WKN A19R7A) begeben. Dabei habe die französische Agency wie geplant EUR 750 Mio. eingesammelt. Die Gesamtnachfrage habe knapp unter der Marke von EUR 3 Mrd. gelegen.

Darüber hinaus habe die BayernLabo ihre erste Benchmarkemission in diesem Jahr durchgeführt. Dabei habe sie einen Social Bond (ISIN DE000A0Z1UQ7 / WKN A0Z1UQ) über EUR 500 Mio. begeben. Die Anleihe habe eine Laufzeit von zehn Jahren und sei zu ms -14 Bp begeben worden. Das Ordervolumen habe oberhalb der Marke von EUR 2 Mrd. gelegen. Zudem habe der ESM sein Funding für dieses Jahr mit der Aufstockung einer sechsjährigen Anleihe erfolgreich beendet. Die ESM 0 10/18/22 sei um knapp EUR 1 Mrd. getappt worden. Das Nominalvolumen der Anleihe liege damit nun bei knapp EUR 4 Mrd.

Die letzte Woche begebene Auckland 11/14 habe sich wie erwartet um mittlerweile ca. 5 Basispunkte eingeengt und handle nun bei ms +13 Bp. Am Primärmarkt sei Länder 10/27 um EUR 500 Mio. bei ms -18 Bp aufgestockt worden. Im Sekundärmarkt habe es bei unveränderten Spreads lediglich kleinere Umsätze gegeben. (15.11.2017/alc/a/a)





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