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PBOC: Mindestreservesatz gesenkt - Notenbank reagiert auf Abschwung


04.01.19 12:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die chinesische Notenbank senkt überraschend den Mindestreservesatz um einen Prozentpunkt: Ab dem 15. Januar zunächst um 0,5 Prozentpunkte und zum 25. Januar abermals um 0,5 Prozentpunkte, so die Analysten der Nord LB.

Damit reagiere die Notenbank unmittelbar auf die sich andeutende geringere wirtschaftliche Dynamik, die sich nicht nur im eigenen Land abzeichne. In China seien beide Manufacturing Indices für den Berichtsmonat Dezember unter die wichtige 50-Punkte Marke gerutscht. Auch in den Vereinigten Staaten habe der ISM PMI Manufacturing gestern gewisse Bremsspuren angedeutet. Die Entwicklung an den Kapitalmärkten dürfte bei der Notenbank ebenfalls einen Eindruck hinterlassen haben.

Die Maßnahme sorge für mehr Liquidität im Finanzsektor und verbessere die Kreditbedingungen im Land. Die PBoC rechne mit CNY 1,5 Bio. an Mitteln, die damit frei werden könnten. Die Maßnahme werde partiell kompensiert durch zum Ende des Quartals auslaufende Medium Lending Facility (MLF) Volumina, sodass insgesamt die zusätzliche Liquidität nach offiziellen Angaben bei CNY 800 Mrd. liege.

Die Wirkung der Senkung werde überschaubar bleiben, allerdings dürfte die Regierung die PBoC relativ bald mit Stimuli sekundieren. Diese werde aber voraussichtlich das Ergebnis der aktuell wieder aufgenommenen Verhandlungen über die Handelsbedingungen mit den Vereinigten Staaten noch abwarten.

Im März laufe der 90-Tage "Handelskriegs-Waffenstillstand" aus. Donald Trump habe zwar zuletzt Optimismus geäußert, dieser habe aber in der Regel eine Halbwertszeit von 10 Tweets. Die Analysten würden in der Maßnahme der Notenbank kurz vor den Verhandlungen als eher verhaltenen Optimismus bezüglich des Ausgangs der Gespräche sehen. Aber: Im Rahmen des G20-Gipfels seien die Analysten aber schon einmal zu pessimistisch gewesen und sie würden sich hier gern positiv überraschen lassen.

Die Kapitalmärkte hätten positiv auf die Meldung reagiert. Im laufenden Jahr dürfte es auch nicht die letzte Mindestreservesatzsenkung bleiben. Die Analysten würden noch mit bis zu 3 weiteren Reduktionen in ähnlicher Größenordnung wie die heutige Maßnahme rechnen. Allerdings dürfe man auch potenziell negative Auswirkungen - die Verschuldung einiger Unternehmen sei weiter viel zu hoch - nicht aus den Augen lassen.

Die PBoC reagiere auf das sich zunehmend verschlechternde wirtschaftliche Umfeld mit einer schrittweisen Senkung des Mindestreservesatzes um insgesamt einen Prozentpunkt. Damit verschaffe sie dem Finanzsystem zusätzliche Liquidität und verbessere die Kreditbedingungen der Wirtschaft. Dass die Maßnahme mit der Aufnahme neuer Verhandlungen im Handelskonflikt mit den USA erfolge, sei eine interessante Randnotiz. Die Analysten würden glauben, dass auch staatliche Stimuli folgen würden. Die Auswirkung der aktuellen Mindestreservesatzsenkung dürfte überschaubar bleiben, wenn es keine Sekundierung durch andere Konjunkturprogramme gebe. Allerdings werde es auch nicht die einzige Liquiditätsmaßnahme bleiben, sodass die PBoC in 2019 einen deutlichen Anteil an Konjunkurimpulsen haben werde. (04.01.2019/alc/a/a)