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Optimistisch für Corporates der Frontier Markets


12.05.22 10:30
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Was haben Usbekistan, Paraguay und Vietnam gemeinsam? Alle drei bieten Anlegern deutlich höhere Renditechancen im Vergleich zu den klassischen Schwellenmärkten, so Thomas Fischli Rutz, Head Emerging Markets bei Fisch Asset Management in Zürich.

Sie würden zu den so genannten "Frontier Markets" zählen, also Staaten, die sich noch in einer frühen Phase der wirtschaftlichen Entwicklung befinden würden, aber bereits über einen Finanzmarkt verfügen würden, der Investitionen zulasse. Dazu kämen oftmals günstige demographische Strukturen mit einer jungen und wachsenden Bevölkerung. Ein weiterer positiver Faktor sei die stetig steigende Nachfrage für Dienstleistungen und Konsumgütern, ausgelöst durch eine wachsende Mittelschicht. Alle Länder hätten über die vergangenen Jahre ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum verzeichnet und würden dies, basierend auf Prognosen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, auch über die nächsten Jahre fortsetzen. Einige der Frontier Markets hätten zudem signifikante Rohstoffreserven, welche angesichts der globalen Entwicklungen enorm an Bedeutung gewinnen sollten.

J.P. Morgan fasse die Anlagemöglichkeiten in diesen Ländern im Staatsanleihenindex NEXGEM zusammen. Dieser weise per Ende April einen Risikoaufschlag von 780 Basispunkten aus. Vor der Corona-Pandemie sei dieser Spread zwischen 400 und 500 Basispunkten geschwankt. Sei dieser Anstieg gerechtfertigt beziehungsweise seien Investitionen nun deutlich riskanter als vor rund zwei Jahren? Schließlich könnten sich auch Frontiermärkte globalen Trends nicht entziehen. Im Einklang mit den Industriestaaten und den etablierten Schwellenländern seien viele Frontier Markets nach der Pandemie höher verschuldet. Die Refinanzierung könne im steigenden Zinsumfeld spürbar teurer werden. Und höhere Lebensmittel- und Treibstoffpreise würden ein armes Land in der Regel entsprechend härter treffen. Dennoch würden unternehmens- und länderspezifische Entwicklungen die wichtigsten Performancetreiber in Frontiermärkten bleiben und eine rigorose Analyse der lokalen Begebenheiten könne einem aktiven Portfoliomanager entsprechend attraktive Opportunitäten aufzeigen.

Besonders interessant scheine den Experten zurzeit Vietnam. Oft überschattet von den Problemen des großen Nachbars China, profitiere Vietnam von allen bereits erwähnten Merkmalen: Von der 100 Millionen starken Bevölkerung gehören etwa 25% zur Mittelschicht, bis in zehn Jahren könnten es 50% sein. Das durchschnittliche Jahreseinkommen von USD 2.700 (2021) habe sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt und Schätzungen würden von einer Vervierfachung bis 2030 ausgehen. Oder Paraguay, das kleine Land in Lateinamerika mit sieben Millionen Einwohnern profitiere von der hohen Nachfrage nach Agrargütern. Sojabohnen und Rindfleisch würden 50% der Exporte ausmachen. Und schließlich sei Usbekistan einen vertieften Blick wert: das Zentralasiatische Land habe 2019 sein Debüt am internationalen Kapitalmarkt gehabt und entwickle seither stetig seinen Finanzmarkt. Die Staatsverschuldung liege bei tiefen 40%. Die Verknüpfungen mit Russland seien überschaubar. Rücküberweisungen (Remittances) von Saisonarbeitern in Russland hätten 2021 ca. sechs Milliarden USD betragen und würden sicher abnehmen. Dafür würden sich Usbekistans wichtigste Export-Rohstoffe (Gold, Erdgas, Baumwolle und andere Agrargüter) hoher Nachfrage erfreuen.

Nicht nur Staats-, sondern auch Unternehmensanleihen aus Frontiermärkten würden Investmentchancen bieten. Häufiger handle es sich dabei um kleinere Emissionen, welche es nicht in die wichtigen Indices schaffen und vom Markt mit einer Erstemissionsprämie bestraft würden. Typische am Kapitalmarkt aktive Unternehmen würden meist aus den Sektoren der Immobilien- oder Agrarwirtschaft stammen. Ein Immobilienentwickler in Vietnam beispielsweise plane und baue qualitativ hochwertige Immobilien und stelle damit ein Zuhause für Millionen von Vietnamesen zur Verfügung. Und ein Fleischproduzent in Paraguay profitiere von reichlich verfügbaren Agrarflächen und damit einer hohen Verfügbarkeit von Rindern. Anleihen dieser Unternehmen würden bei Renditen von über 10% notieren - und würden ein attraktives Rendite-Risiko-Verhältnis aufweisen.

Einzeln betrachtet scheinen die Möglichkeiten, in USD-Unternehmensanleihen in diesen Ländern zu investieren, begrenzt, so die Experten von Fisch Asset Management. Nehme man aber Opportunitäten konsequent wahr, könne im hochverzinslichen Universum schnell ein Viertel eines Emerging-Markets-Portfolios oder mehr als Beimischung zu den etablierten Schwellenländermärkten in solchen Ländern angelegt werden. Dabei sei für den Anleger auch die Diversifikation der fundamentalen Risiken sehr attraktiv. Die hohe Korrelation, welche Marktpreise unterschiedlicher Frontiermärkte über kurze Zeitspannen ausweisen könnten, sei meist liquiditätsgetrieben. Mit einem längerfristigen Anlagehorizont würden Investoren hingegen von der Diversifikation profitieren. (12.05.2022/alc/a/a)