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Österreich: Inflation kräftig angezogen - 2,7% im Juni


15.07.21 13:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach der starken Rezession im vergangenen Jahr nimmt die österreichische Konjunktur 2021 Fahrt auf; auch bei den Preisen und auf dem Wohnungsmarkt zeigt sich ein deutlicher Aufwärtstrend, so Marion Dezenter, Senior Country Analyst bei der Helaba.

2020 sei das BIP im Vorjahresvergleich um kalenderbereinigt 6,4% eingebrochen - nun sorge ein ausgeprägter Nachholbedarf für Impulse vom privaten Konsum. Aber auch die Exporte und Investitionen würden die Wirtschaft in Schwung bringen, begünstigt u.a. von niedrigen Zinsen. Die Kapazitätsauslastung habe seit dem Tiefpunkt im zweiten Quartal 2020 wieder deutlich zugelegt. Im zweiten Quartal 2021 habe sie bereits über dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre gelegen. Die Stimmungsindikatoren in verschiedenen Wirtschaftssegmenten seien massiv gestiegen. Die Einzelhandelsumsätze seien in den wiederholten Lockdowns eingebrochen und hätten im Frühjahr 2021 eine Aufholbewegung vollzogen. Die Sparquote, die 2020 einen Höchstwert von 14,4% erreicht habe, sinke und dürfte 2022 noch bei rund 8% liegen. Der Internethandel habe in der Pandemie schwächer zugelegt als in Deutschland oder im EU-Durchschnitt. Dennoch würden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie vor allem im stationären Einzelhandel und im Dienstleistungssektor wohl noch länger eine Rolle spielen.

Die Inflation habe derweil kräftig angezogen und habe im Juni bei 2,7% gelegen. Seien im ersten Halbjahr 2020 die Preise rückläufig gewesen, weil etwa Rohöl billiger geworden sei, seien die Kosten für Energie und andere Rohstoffe seither kräftig gestiegen. Auch Material- und Lieferengpässe würden sich bemerkbar machen. Hinzu komme z.B. für Hotellerie und Gastronomie ein vermehrter Aufwand, der ebenfalls preistreibend wirke. Die pauschal auf 5% reduzierte Mehrwertsteuer, von der dieser Wirtschaftssektor profitiere, gelte aber noch bis Ende des Jahres. Insgesamt dürfte die Inflation 2021 im Durchschnitt bei rund 2% liegen, nach 1,4% im letzten Jahr.

Das Wirtschaftswachstum werde im laufenden Jahr - in Abhängigkeit von den Einschränkungen durch die Pandemie und durch länger anhaltende Lieferengpässe - voraussichtlich auf 3,8% zulegen und damit das Vorkrisenniveau Anfang 2022 wieder erreichen. Die öffentlichen Haushalte würden aufgrund von Mehrausgaben und Mindereinnahmen deutliche Spuren der Pandemiebekämpfung aufweisen. Mit staatlichen Hilfen in Höhe von 11,7% des BIP, die das Land bereitgestellt habe, liege es im Vergleich der EU-Länder hinter Griechenland (13,7%) und vor Deutschland (11%) an zweiter Stelle. Der Fehlbetrag im Budget dürfte 2021 nach dem Rekorddefizit von 8,9% des BIP 2020 in diesem Jahr noch bei rund 6% des BIP liegen, bevor es im nächsten Jahr wieder einen Maastricht-konformen Wert um 3% erreiche. Der Abbau der Verschuldung in Höhe von zuletzt 83,9% des BIP (Eurozone: 98%) werde aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Aus der EU-Wiederaufbaufazilität erhalte Österreich Zuschüsse in Höhe von bis zu 3,5 Mrd. Euro, rund 1% des BIP (Ausgabe vom 14.07.2021). (15.07.2021/alc/a/a)