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Österreich: Berichtssaison bei Financials und Non-Financials voll im Gang


06.11.20 09:02
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In Österreich zeigt sich die Berichtssaison voll im Gange, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

So habe aus der Coverage der Analysten letzte Woche die OMV AG ihre Q3 2020 Unternehmenszahlen sowie diese Woche Dienstag die AT&S AG ihr H1 2020/21 berichtet.

Am Morgen, dem 5. November seien die Verbund AG (Verbund) und Wienerberger AG (Wienerberger) gefolgt, die beide die Markterwartungen hätten übertreffen können. Während der Verbund zwar unter COVID und dadurch bedingter niedriger Strommarktpreise rund 11% niedrigere Umsatzerlöse (EUR 2.523 Mio.) in den ersten neun Monaten 2020 verzeichnet habe, hätten sich im Vorfeld abgeschlossene höhere Terminmarktpreise positiv u.a. auf das EBITDA (+5% vs. Vorjahr auf EUR 946 Mio.) ausgewirkt. Cashflowseitig sei ein leichter Rückgang in Höhe von 5% auf EUR 852 Mio. zu verzeichnen. Der Nettoverschuldungsgrad (Gearing) werde vom Unternehmen per 30. September 2020 mit 29,7% angegeben nach 36,0% in der Vorjahresvergleichsperiode.

Für das Gesamtjahr erwarte das Verbund-Management ein EBITDA zwischen EUR 1.240 und 1.300 Mio. während das bereinigte Konzernergebnis zwischen EUR 560 und 600 Mio. ausfallen sollte. Das Closing der in Q3 bekanntgegebenen Übernahme eines 51% Anteils an der Gas Connect Austria GmbH werde nach wie vor für H1 2021 erwartet (Kaufpreis: EUR 271 Mio. exkl. Gas Connect Schulden bei OMV).

Auch bei der Wienerberger habe sich die COVID-Thematik in den am 5. November 2020 veröffentlichten Unternehmenszahlen gezeigt. So sei ein Rückgang in 9M 2020 um 4% auf EUR 2.547 Mio. zu verzeichnen gewesen. Das berichtete EBITDA zeige einen Rückgang von 7% auf EUR 433 Mio. Werthaltigkeitsprüfungen (vollständige Abschreibung Firmenwert Nordamerika, Sachanlagen in Russland und ausgewählten europäischen Märkten) hätten zu einer mehr als Halbierung des EBIT auf EUR 131 Mio. (9M 2019: EUR 292 Mio.) geführt. Hingegen habe man cashflowseitig aufgrund von Working Capital Maßnahmen eine Zunahme der Cashflows aus laufender Geschäftstätigkeit von EUR 200 Mio. auf EUR 268 Mio. im Jahresvergleich verzeichnen können.

Bei der Nettoverschuldung (EUR 689 Mio.) gebe Wienerberger per Stichtag zum 30. September einen Rückgang von rund 20% sowohl gegenüber dem Q3 bzw. Jahresende 2019 an. Zwar sehe das Management nach den starken Sommermonaten wieder vermehrt Unsicherheiten auf den Märkten, jedoch gehe man für das Gesamtjahr 2019 aufgrund der bisherigen positiven Performance von einem bereinigten EBITDA am oberen Ende der Guidance von EUR 480-500 Mio. aus.

Bereits am 22. Oktober habe die voestalpine bekannt gegeben Sonderabschreibungen iHv. rund EUR 200 Mio. bei zwei Konzerngesellschaften im laufenden GJ 20/21 vorzunehmen. Betroffen seien zum einen die voestalpine Texas (Steel Division) sowie zu einem geringeren Umfang die voestalpine Tubulars (Metal Engineering Division). Die GJ 20/21 EBITDA Guidance sei hingegen leicht, von einer Bandbreite von EUR 0,6-1 Mrd. auf EUR 0,8-1 Mrd., konkretisiert worden. Am 10. November würden die Q2 20/21 Zahlen berichtet.

Über das Q3 2020 berichtet habe die A1 Telekom Austria Group (A1) am 20. Oktober. Der Umsatz iHv. EUR 1.142 Mio. habe um rund 1% unter dem Q3 19 gelegen, was i.W. auf Roamingverluste sowie negative Währungseffekte (Abwertung BYN) zurückgeführt werden könne, während die EBITDA- (38,7%) als auch EBIT- (18,4%) Margen leicht gesteigert worden seien. Weiterhin zeichne sich A1 nach Meinung der Analysten durch eine solide Free Cashflow Generierung aus. In den ersten neun Monaten sei ein FCF iHv. EUR 432 Mio. erzielt worden, der damit rund 72% über der Periode 9M 19 liege. Die Cash Position per 30. September 2020 habe sich auf EUR 307 Mio. (vs. EUR 140 Mio. per 31. Dezember 2019) belaufen.

Sowohl FCF als auch der Barbestand sollten jedoch vor dem Hintergrund der im Q4 20 anstehenden Zahlung der Spektrumauktion (EUR 66 Mio.) sowie der Dividende iHv. EUR 153 Mio. betrachtet werden. Für das GJ 20 rechne A1 mit einem Umsatzrückgang von rund -2% und Capex (vor Spektrum und M&A) welche rund 25% unter der ursprünglichen Guidance (EUR 770 Mio.) liegen sollten.

In den letzten Tagen habe die Berichtssaison zum Q3 20 auch den österreichischen Bankensektor erreicht. Die BAWAG Group habe für das Q3 20 einen Nettogewinn von EUR 79 Mio. und damit rund 37% unter dem Vorjahreswert berichtet. Für 9M 20 habe die Bank einen Nettogewinn von EUR 201 Mio. erwirtschaften können. Letzterer habe sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 41% reduziert. Stark beeinflusst worden sei das Ergebnis durch erforderliche Risikokosten - vordergründig natürlich durch die Corona-Pandemie bedingt - welche sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf EUR 179 Mio. vervierfacht hätten. Die operativen Kernerträge hätten mit EUR 873 Mio. in 9M 20 stabil gehalten werden können.

Ebenso habe die Erste Group über das abgelaufene Q3 20 bzw. 9M 20 berichtet. Dabei habe der Zinsüberschuss um 2% in 9M 20 gegenüber der Vorjahresperiode gesteigert werden können. Das Provisionsergebnis habe mit EUR 1,44 Mrd. rund 2,4% unterhalb dessen der Vorjahresperiode gelegen. Das Nettoergebnis von EUR 637 Mio. in 9M 20 habe sich halbiert gegenüber dem Vorjahr gesehen und sei unter anderem auf die gestiegenen Risikokosten zurückzuführen. Wertminderungen auf Finanzinstrumente hätten sich aufgrund von Nettodotierungen auf EUR -870 Mio. (70 BP) belaufen. (Ausgabe vom 05.11.2020) (06.11.2020/alc/a/a)