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Öffentliche Verschuldungsquote ist kaum gesunken


07.11.17 11:15
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die von Eurostat berechnete Quote der öffentlichen Verschuldung in Prozent des BIP ist Mitte des Jahres gegenüber dem 1. Quartal 2017 sowohl in der Eurozone (EA19) als auch in der Europäischen Union (EU28) nur wenig gesunken, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

In der Eurozone stehe sie jetzt bei 89,1% nach 89,2% und in der EU28 bei 83,4% nach 83,6%. Der Stand Mitte 2016 von 90,8% und 83,8% sei auch nur wenig darüber gewesen. Trotz der merklichen Konjunkturbelebung in beiden Regionen könne von einem spürbaren Abbau der Staatsverschuldung keine Rede sein. Bei der Formulierung der Maastrichter Stabilitätskriterien sei für die Eurozone eine Höchstquote von 60% des BIP vorgesehen gewesen.

Die höchste Verschuldung sei registriert worden für Griechenland (175,0%), Italien (134,7%) und Portugal (132,1%). Die niedrigste Staatsverschuldung würden Estland (8,9%), Luxemburg (23,4%) und Bulgarien (27,7%) zeigen. Im Vergleich mit Mitte 2016 hätten neun Mitgliedstaaten einen Anstieg und 19 Mitgliedstaaten einen Rückgang der Verschuldungsquote gezeigt.

Deutschland stehe mit 66,0% noch immer knapp über dem Stabilitätskriterium von 60% aber deutlich unter Durchschnitt der Eurozone von der 89,1%. Frankreich (99,3%), Spanien (99,8%) und Italien (134,7%) würden die Liste der großen Volkswirtschaften in der Eurozone anführen. Der größte Teil der Konsolidierungserfolge bei den Staatsfinanzen sei auf die niedrigen Zinsen zurückzuführen. Bei einer "normalen" Zinsstruktur wären überhaupt keine Besserungen eingetreten. Bei einer Normalisierung der Zinsstruktur würden Defizit- und Verschuldungsquoten schnell wieder ansteigen. Die gegenwärtigen geringfügigen Verbesserungen würden sich damit als nur vorübergehend erweisen.

Der Stabilitäts- und Wachstumspakt sollte zu solideren Staatsfinanzen führen und damit den EUR an den Devisenmärkten festigen. Doch die leichten Verbesserungen bei der Neuverschuldung seien insgesamt gesehen ins Stocken geraten. Da die Gesamtverschuldung weiter steige, würden sich die Besserungen als nur vorübergehend erweisen. Die EZB Geldpolitik bleibe wirkungslos, solange die erforderlichen Strukturreformen ausbleiben würden. (Ausgabe vom 05.11.2017) (07.11.2017/alc/a/a)