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Notenbanksitzungen in Frankfurt und London im Fokus


10.09.18 13:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In dieser Woche richtet sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer vornehmlich auf die am Donnerstag tagenden geldpolitischen Entscheidungsgremien in Frankfurt und London, so die Analysten der Nord LB.

Weder dem EZB-Rat noch dem Monetary Policy Committee (MPC) der Bank of England (BoE) traue irgendjemand eine Adjustierung der monetären Steuerungsparameter zu. Zum Non-Event würden die beiden Notenbanksitzungen deswegen aber auch nicht gleich verkommen. Die EZB werde ab dem nächsten Monat die Nettoanleihekäufe im Rahmen des Expanded Asset Purchasing Programme auf monatlich EUR 15 Mrd. halbieren und sich ab Januar dann auf die Reinvestments bei fällig werdenden Bonds beschränken. Dieser Fahrplan stehe und sorge für Verlässlichkeit.

Wenn der Ratsvorsitzende Mario Draghi im Anschluss an die Sitzung die aktualisierten Projektionen der EZB-Volkswirte zum Wirtschaftswachstum und zur Preisentwicklung präsentiere, werde der Markt sehr genau darauf achten, ob durch etwaige Revisionen zu den im Juni veröffentlichten Vorausschätzungen zunehmende Abwärtsrisiken erkennbar würden. Das u. a. von Handelskriegsängsten, den Gefahren eines ungeordneten Brexit und dem wirren politischen Kurs in Draghis Heimatland geprägte Umfeld könnte dazu durchaus Anlass geben.

Gerade aber weil die Währungshüter in dieser Konstellation auf Kontinuität und Berechenbarkeit bedacht sein würden und sich schon gar nicht von der panpopulistischen Regierung in Rom von ihrem Kurs würden abbringen lassen wollen, würden die Analysten mit einer unveränderten Forward Guidance rechnen. Dies schließe freilich nicht aus, dass einige Zwischentöne in der Pressekonferenz Interpretationsspielräume geben könnten.

Auch in der Londoner Threadneedle Street würden BoE Governor Mark Carney und die Mitglieder des MPC darauf Wert legen, die Notenbank in all den Unsicherheiten der entscheidenden Phase der Brexit-Verhandlungen als Stabilitätsanker zu positionieren. Hierauf deute auch die von Carney letzthin bekundete Bereitschaft, seine Amtszeit im Bedarfsfall noch einmal zu verlängern. Weder in der Eurozone noch auf der britischen Insel würden die Geldmärkte abrupte Kurswechsel einpreisen, die Eonia Forwards seien zuletzt allerdings um wenige Basispunkte nach oben geklettert, was durch eine dezente Anspannung im Vorfeld der Notenbanksitzungen erklärlich sein dürfte. (10.09.2018/alc/a/a)