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Die Notenbanken verabschieden sich sukzessive von der ultra-expansiven Geldpolitik


05.10.21 10:15
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die globale Wachstumsdynamik hat zuletzt abgenommen, weil wichtige Rückenwinde wie ausgeprägte Aufholeffekte sowie die expansive Geld- und Fiskalpolitik allmählich wegfallen, so die Experten von Swisscanto Invest.

Dazu komme, dass anhaltende Liefer- und Personalengpässe das Wachstum zusätzlich bremsen würden. Insgesamt bleibe das Wachstum aber in nahezu allen Regionen klar überdurchschnittlich. Der Preisdruck bleibe weltweit hoch. Die anziehenden Inflationsraten seien jedoch unverändert vor allem von temporären Faktoren getrieben. Es seien noch keine Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale erkennbar. Die geldpolitische Normalisierung setze sich fort. Die US-Notenbank FED wie auch die Europäische Zentralbank (EZB) würden ihre Wertpapierkäufe demnächst reduzieren, während die Leitzinsen in vielen Schwellenländern auf breiter Front steigen würden.

Im Monat September habe der Anstieg der globalen Renditen wieder Fahrt aufgenommen. So seien die längerfristigen Renditen im angelsächsischen Raum deutlich angestiegen. Die Gründe hierfür seien zunächst bei den höheren Inflationserwartungen zu suchen. Zahlreiche Zentralbanken, angeführt von der FED, würden die steigende Inflation als vorübergehendes Phänomen werten. Die Experten von Swisscanto Invest seien grundsätzlich derselben Ansicht. Allerdings dürfte die Inflation länger als bislang erwartet auf einem hohen Niveau verharren. Die Unterbrechungen in den globalen Lieferketten würden weiter andauern. Zuletzt seien die Energiepreise stark angestiegen, da die Lagerbestände rapide gesunken seien. Solange die Produktion der Nachfrage hinterherhinke, würden auch die Inflationserwartungen aufwärts revidiert. Das äußere sich in einer Zunahme der Inflationsprämie am Anleihenmarkt.

Andererseits seien auch die Realrenditen (Nominalrenditen abzüglich Inflationserwartungen) angestiegen. Die Notenbanken würden sich sukzessive von der ultra-expansiven Geldpolitik verabschieden. In vielen Währungsregionen sei die Reduktion der Wertpapierkäufe bereits vollzogen worden oder stehe, wie im Falle der USA, unmittelbar bevor. Die schwindende Nachfrage der Notenbanken spreche für eine Neubewertung der tief im negativen Bereich liegenden Realrenditen. Der Renditeanstieg dürfte sich deshalb weiter fortsetzen. Am Zinsmarkt würden die Marktteilnehmer mit einem Leitzinsschritt in Kanada und Großbritannien bereits im ersten Halbjahr 2022 rechnen. Die Notenbanken dürften jedoch bei Zinserhöhungen behutsam vorgehen, sodass die Experten von Swisscanto Invest in beiden Regionen erst im zweiten Halbjahr 2022 damit rechnen würden.

Beim US-Dollar seien die Erwartungen für eine schnellere Drosselung der FED-Anleihenkäufe nun in der Währung widerspiegelt. Schließlich würden die Experten von Swisscanto Invest zurzeit den Japanischen Yen für den attraktiveren sicheren Hafen als den Schweizer Franken halten. Der Yen sei die Währung mit der schwächsten Performance in diesem Jahr und deutlich unterbewertet gegenüber dem längerfristigen fairen Wert. Auch bestehe konjunkturell in Japan noch Nachholbedarf. Zudem werde am Terminmarkt bis Ende 2023 mit einer Zinserhöhung bei der schweizerischen Nationalbank (SNB) geliebäugelt. Zurzeit sehen wir allerdings keine Anhaltspunkte dafür, dass die SNB diese Erwartungen erfüllen könnte, so die Experten von Swisscanto Invest.

Die Gewinnberichtssaison für das 3. Quartal dürfte spannender werden als diejenigen zuvor. Während sich die Zuversicht der Finanzanalysten an ihrem langjährigen Hoch bewege, würden auf konjunktureller Seite - gemessen am Macro Surprise Index der Citigroup - mittlerweile die negativen Überraschungen überwiegen. Dies könnte ein Hinweis auf zu hochgesteckte Erwartungen der Analysten sein. Für den S&P 500 werde im Mittel ein Gewinnanstieg von gut 28 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahresperiode prognostiziert. Produktions- und Lieferengpässe würden sich bislang aber als hartnäckig erweisen, was sich auf die Kostenentwicklung der Unternehmen und damit den Gewinnrück- und -ausblick niederschlagen dürfte. Die Experten von Swisscanto Invest würden zwar insgesamt mit überwiegend positiven Überraschungen seitens der Unternehmen rechnen, allerdings dürften die Kursreaktionen angesichts der hohen Erwartungen gedämpfter ausfallen.

In einer Phase mit erhöhter Unsicherheit schlage normalerweise die Stunde der eher defensiven Märkte mit relativ stabilem Gewinnwachstum. Unter diesem Gesichtspunkt würden die Experten von Swisscanto Invest den Schweizer Markt seit längerem als attraktiv erachten. Dennoch habe er sich im vergangenen Monat im regionalen Vergleich am schlechtesten entwickelt. Dies habe unter anderem an unternehmensspezifischen Faktoren gelegen, die sich in einem kleinen Aktienmarkt deutlicher bemerkbar machen würden. Vor allem aber habe ein erneuter Vorstoß der US-Regierung zur Senkung der Medikamentenpreise für Verunsicherung im Gesundheitssektor gesorgt. Die Experten von Swisscanto Invest würden allerdings erwarten, dass auch dieser erneute Versuch - genau wie die meisten zuvor - scheitern werde. Insofern würden die Experten von einem vorübergehenden Dämpfer ausgehen und erwarten, dass der Gesamtmarkt seine defensiven Qualitäten wieder ausspielen werde.

Die Rohstoffindices hätten sich im vergangenen Monat positiv entwickelt. Der Risikoappetit bleibe zumindest im Rohstoffbereich aufrechterhalten, obschon die US-Notenbank die Märkte auf eine Straffung ihrer Geldpolitik vorbereite und die Ausfallrisiken des chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande noch nicht gebannt seien. Betrachte man die einzelnen Rohstoffe, sei es jedoch kein breit abgestützter Preisanstieg gewesen, vielmehr hätten insbesondere die Energierohstoffe und einzelne Industriemetalle im September stark zugelegt.

Die Aluminiumpreise würden weiterhin von Angebotssorgen angetrieben. In China sei die Aluminiumproduktion bereits den vierten Monat in Folge gefallen. Gründe dafür dürften die Stromversorgungsengpässe und die strengere Klimapolitik der chinesischen Regierung sein. Die chinesische Konjunkturentwicklung sorge allerdings mit Blick auf die Aluminiumpreise für Gegenwind. Die Industrieaktivität im Reich der Mitte dürfte weiter abnehmen, was auch die Industriemetallnachfrage beeinträchtige. (05.10.2021/alc/a/a)