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Notenbanken und Technik stützen die Aktienmärkte, nur die "extreme Gier" mahnt kurzfristig zur Vorsicht


09.11.21 09:00
St.Galler Kantonalbank Dtld.

München (www.anleihencheck.de) - Der Chef der Federal Reserve (FED) hat ein wahres Kunststück vollbracht: Er kündigte den Einstieg der US-Notenbank in den Ausstieg aus den quantitativen Lockerungen an, nahm den Märkten aber gleichzeitig die Angst, dass damit die Unterstützung durch die Geldpolitik insgesamt wegfallen könnte, so Michael Winkler, Leiter Anlagestrategie bei der St.Galler Kantonalbank Deutschland AG.

Dieser Balanceakt sei auch der Europäischen Zentralbank (EZB) gelungen, die zwar das Auslaufen des Krisenkaufprogramms PEPP angekündigt habe, sich jedoch die Hintertür einer Aufstockung des langlaufenden Kaufprogramms APP offengehalten habe. Gleichzeitig hätten FED und EZB unisono den vorübergehenden Charakter des gegenwärtigen Teuerungsschubs betont. In der Folge seien die Renditen von zehnjährigen US-Treasuries und Bundesanleihen deutlich gesunken. Die beiden Notenbanken würden also einen guten Job machen: Die Schulden würden weginflationiert, während die Geldpolitik weiter akkommodierend bleibe.

Das Gegenbeispiel habe die Bank of England geliefert, die die angedeutete und an den Märkten bereits eingepreiste Zinsanhebung dann aus Sorge vor dem Wiederaufflammen der Coronavirus-Pandemie und den wirtschaftlichen Brexit-Folgen doch nicht geliefert habe. Die folgenden Kursverluste des Pfund Sterling seien eine Warnung an alle Notenbanken gewesen, wie wichtig derzeit eine gute Forward Guidance für die Kapitalmärkte sei.

In der Folge seien die Aktienmärkte auf neue Hochs gestiegen. Der von CNNMoney ermittelte "Fear & Greed"-Index liege im Bereich "extremer Gier". Kurzfristig zumindest scheinen die Aktienmärkte etwas heißgelaufen, allerdings würden wir daraus resultierende Rücksetzer eher als Kaufgelegenheiten interpretieren, so die Analysten der St.Galler Kantonalbank Deutschland AG. Dafür würden zahlreiche technische Faktoren sprechen: So würden die Hochs an Wall Street von einer steigenden Advance-Decline-Linie begleitet. Sie entspreche dem Saldo aus gestiegenen und gefallenen Aktien an der New York Stock Exchange und messe somit die Marktbreite einer Bewegung. Gleichzeitig sei der Russell-2000-Index nach einer monatelangen Seitwärtsbewegung nach oben ausgebrochen. Dies bedeute, dass jetzt auch die Small und Mid Caps mit von der Partie seien. Und schließlich habe der Dow Jones Transportation Average, ein Index der größten an der New York Stock Exchange gelisteten Transportunternehmen, die Hochs des Dow Jones Industrial Average bestätige. Er gelte als guter Vorläufer der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung in den USA.

Losgelöst vom positiven übergeordneten Bild hätten einige Aktien während der laufenden Berichtssaison auf diesen Bewertungsniveaus aber ausgesprochen heftig auf verfehlte Prognosen reagiert. Halbleitermangel und gestörte Lieferketten würden sich bei immer mehr Unternehmen bemerkbar machen und die Lage dürfte sich nicht vor Mitte kommenden Jahres deutlich entspannen. Allerdings würden solche teilweise prozentual zweistelligen Rücksetzer häufig Chancen für einen antizyklischen Einstieg bieten, ganz besonders, da man für 2022 mit einer ausgezeichneten Dividendensaison rechne. (09.11.2021/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.