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Notenbanken treten langsam vorsichtig auf die Bremse


08.09.21 11:06
Merck Finck

München (www.anleihencheck.de) - Die großen Zentralbanken von der FED bis zur EZB stehen kurz davor, nach und nach, ihre Anleihekäufe zurückzufahren, so Robert Greil, Chefstratege bei der Merck Finck a Quintet Private Bank.

Damit dürften die Anleiherenditen etwas ansteigen - die Analysten würden bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen allerdings nur mit einem Renditeanstieg um 10 bis 30 Basispunkte in den zwei Monaten nach einer Verkündung der Reduzierungspläne für die Anleihekäufe der FED rechnen. Zugleich würden sie davon ausgehen, dass die Aktien- und Unternehmensanleihemärkte in der Lage sein sollten, diese Renditeanstiege gut zu verkraften.

Die Bank of England habe ihre Anleihekäufe bereits seit einiger Zeit reduziert. Trotz des schwächer als erwarteten US-Arbeitsmarktberichts vom vergangenen Freitag werde die US-Notenbank wohl noch vor Jahresende eine ähnliche Strategie ankündigen. Hinsichtlich der EZB-Entscheidung zum Tempo des PEPP (Pandemic Emergence Purchase Programme) für die nächsten drei Monate würden die Analysten angesichts der verbesserten Finanzierungsbedingungen und der wahrscheinlichen Aufwärtskorrekturen bei den Wachstums- und Inflationsprognosen damit rechnen, dass es der EZB nicht leicht fallen werde, die Beibehaltung eines "deutlich höheren" Tempos der Ankäufe im Vergleich zum Jahresanfang zu rechtfertigen. Daher werde sie wahrscheinlich eine Drosselung des PEPP ankündigen oder zumindest stark andeuten.

Eine Ankündigung, dass die FED ihre Anleihekäufe verlangsamen und schließlich beenden werde, dürfte sich in höheren Renditen für Staatsanleihen niederschlagen. Solange jedoch klargestellt werde, dass (das Basisszenario der Analysten) unmittelbar danach keine Leitzinserhöhungen folgen würden, sollte sich der Ausverkauf nach Meinung der Analysten auf 10 bis 30 Basispunkte für den 10-Jahres-Punkt in den ein bis zwei Monaten nach der Ankündigung des Tapering beschränken, die bereits diesen Monat noch erfolgen könnte - auch wenn Überreaktionen möglich seien. Viele der Merkmale, die dem "Taper Tantrum" von 2013 zugrunde gelegen hätten, seien dieses Mal entweder nicht vorhanden oder hinreichend anders. Das Ausmaß der Zinsänderungen dürfte daher geringer ausfallen - sodass es Risikoanlagen wie Aktien und Unternehmensanleihen verkraften können sollten.

Ein Anstieg der Anleiherenditen werde jedoch wahrscheinlich schrittweise und moderat erfolgen. Die Zentralbanken dürften ihre riesigen Bestände an fälligen Anleihen weiter reinvestieren, selbst wenn sie ihre Bilanz nicht mehr ausweiten würden (d. h., wenn sie keine zusätzlichen Anleihen mehr kaufen würden). Ihre Kernaussage bleibe, dass die Messlatte für Anhebungen der Leitzinsen höher liege. Das "Tapering" stütze sich aus Sicht der Analysten auf die Tatsache, dass eine massive geldpolitische Unterstützung nicht mehr notwendig sei, da sich die Volkswirtschaften erholen würden. Die Geldpolitik bleibe aber damit weiter expansiv. (08.09.2021/alc/a/a)