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Notenbanken bleiben bedeutende Akteure an den Finanzmärkten


05.01.18 12:10
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Laut chinesischem Horoskop wird 2018 das Jahr des Hundes sein, es verspricht somit ein gutes Jahr zu werden, aber nach den astrologischen Experten wohl auch ein anstrengendes, so Jens Herdack, CEFA, CIIA bei der Weberbank.

Was erwarte die Kapitalmärkte in den nächsten zwölf Monaten? Auch 2018 würden die Notenbanken bedeutende Akteure an den Finanzmärkten bleiben. Anfang Februar stehe zunächst die Staffelstabübergabe von Janet Yellen an den von Donald Trump nominierten neuen US-Notenbankchef Jerome Powell an. Allerdings erscheine dieser Übergang im Vergleich zu anderen Trump-Entscheidungen wenig spektakulär. So gelte Powell als anerkannter und erfahrener Notenbanker, der die bisherige Politik der US-Notenbank FED fortsetzen sollte.

Dementsprechend würden im Jahr 2018 die begonnenen Zinserhöhungen wohl vorsichtig voranschreiten. Selbige habe die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer Dezembersitzung bis zum Ende des von ihr aktuell im Umfang von monatlich 30 Mrd. Euro betriebenen Anleihekaufprogrammes ausgeschlossen. Somit sollten Zinserhöhungen in der Eurozone bis mindestens September 2018 ausbleiben, wenn EZB-Chef Mario Draghi an dem geplanten Vorgehen festhalte.

Die FED sei hingegen mittendrin in der Reduzierung ihrer Bilanzsumme. Dieses geschehe jedoch nicht über Verkäufe von Anleihen, sondern über eine nur teilweise Reinvestition der in ihrem Portfolio fällig werdenden Anleihen. Sie trete somit weiter als Käufer und nicht als direkter Verkäufer am Markt auf. Dementsprechend würden auch 2018 sowohl die FED als auch die EZB bedeutende Spieler an den Rentenmärkten bleiben.

Mit Ach und Krach habe es Donald Trump nun doch noch geschafft, eine Steuerreform verabschieden zu lassen. Und am Ende sei über diesen Weg sogar ein Teil des von ihm gehassten "Obamacare"-Programms seines Vorgängers durch einen geschickten Schachzug zurückgefahren worden. Im Resultat werde es 2018 eine deutliche steuerliche Entlastung der US-Unternehmen geben, was ihre weltweite Wettbewerbsfähigkeit erhöhe.

Zeitgleich sei die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass US-Unternehmen zumindest Teile ihrer im Ausland lagernden Gewinne in die USA zurückbringen würden. Diese Repatriierung der Gelder werde mit einem auf maximal 10% reduzierten Steuersatz belohnt. Hier werde mit Spannung zu beobachten sein, was die US-Unternehmen mit diesen Geldern anfangen würden. Würden sie, wie speziell im Biotech-Sektor erwarte, damit Übernahmen finanzieren? Oder würden sie die Gelder für Aktienrückkaufprogramme verwenden und sie somit "nur" an die Aktionäre auskehren, ohne Investitionsausgaben zu tätigen. Neben den US-Unternehmen würden aber auch die Unternehmen in der restlichen Welt vom gleichzeitigen globalen Wachstum profitieren. Es werde sich zeigen, ob sich in einem solchen Umfeld vielleicht auch der Investitionsstau auflösen könne und die Unternehmen mit dem Ausbau von Kapazitäten beginnen würden.

Die jüngste Wahl in Alabama sei bemerkenswert gewesen: Zwar sei sie von einem besonderen Einzelfall geprägt gewesen, einem Senator der mit Missbrauchsvorwürfen zu kämpfen gehabt habe. Sie habe jedoch gezeigt, dass die kleine Mehrheit der Republikaner im US-Senat, die Donald Trump die Durchsetzung seines Steuerpaketes ermöglicht habe, nicht mehr unumstößlich erscheine. Mit der Niederlage des republikanischen Kandidaten - in Alabama erstmals seit über 20 Jahren - sei die Mehrheit der Republikaner in dieser Kammer auf nur noch einen Sitz geschrumpft. Die 2018 anstehenden Kongresswahlen, in denen die Senatoren zahlreicher Bundesstaaten neu gewählt würden, könnten also durchaus für Spannung sorgen. Allerdings seien diese erst für den November angesetzt.

Viel früher im Jahr, nämlich bereits Anfang März, stünden die Parlamentswahlen in Italien an. Diese hätten ebenfalls das Potenzial, für zwischenzeitliche stärkere Marktbewegungen zu sorgen. Hier drohe den Sozialdemokraten des Ex-Premiers ein Desaster. Sie lägen in Umfragen weit abgeschlagen hinter der antieuropäischen Fünf-Sterne-Bewegung des Ex-Komikers Beppe Grillo und einem Bündnis mehrerer Rechtsparteien, die vom Urgestein Silvio Berlusconi angeführt würden. Dementsprechend könnte der Wahlausgang Europa erschüttern und für zwischenzeitliche Unsicherheit bei den Investoren sorgen.

Auch die Brexit-Verhandlungen seien immer wieder für Überraschungen gut. Und schließlich habe auch Angela Merkel noch immer keine stabile Regierung formen können. Auch diese Entwicklung könnte bei weiteren Verzögerungen und Rückschlägen die Investoren zwischenzeitlich verschrecken.

Insofern liege das chinesische Horoskop vielleicht nicht so falsch. Aktienseitig verspreche 2018 ein gutes Jahr zu werden, dessen Verlauf sich durch zahlreiche politische Störfeuer für die Investoren aber durchaus als anstrengend erweisen könnte. Auch Renteninvestoren hätten sicherlich ein nicht einfaches Jahr vor sich, welches durch aufkommende Zinserhöhungsfantasien und damit Kursbelastungen im Laufe des Jahres geprägt sein könnte. (05.01.2018/alc/a/a)