Erweiterte Funktionen

Notenbanken der Welt stehen vor weiteren Erfolgsmeldungen


12.06.18 12:00
LOYS

Oldenburg (www.anleihencheck.de) - Für den Mai meldeten die Statistiker einen Anstieg des allgemeinen Lebenshaltungspreisniveaus um 2,2 Prozent, so Dr. Christoph Bruns und Ufuk Boydak von LOYS.

Damit nehme die Bundesrepublik beim Preisanstieg einen führenden Platz unter den europäischen Nationen ein, denn die Eurozone habe einen Anstieg der Lebenshaltungskosten um 1,9 Prozent vermeldet.

Auch in den Vereinigten Staaten würden die Güterpreise mittlerweile kräftiger anziehen. Gleichwohl sei der Jubel bei den Zentralbankern nur verhalten ausgefallen, denn die gescheiterte Regierungsbildung in Italien habe die als vertrieben geltenden Geister der Eurokrise jäh aufgeschreckt. Während aber die USA im Zinsbereich bereits seit Längerem eine Wende vollzogen hätten, lasse diese in der Eurozone noch länger auf sich warten. Viel zu hilfsbedürftig seien die Krisenstaaten noch, um sie von den Zinserleichterungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) zu entwöhnen.

Tatsächlich würden die zuletzt beobachtbaren drastischen Kursverluste italienischer Staatsanleihen darauf hindeuten, dass die Geister der Finanzkrise durchaus noch nicht gebannt seien. Man tue gut, sich daran zu erinnern, dass die große Finanzkrise im Kern eine Verschuldungs- bzw. Überschuldungskrise gewesen sei, die durch exzessive Kreditvergabe hervorgerufen worden sei. In Italien möchten die neuen Koalitionäre nun ein neues Schuldenfass aufmachen, ohne dass es in den letzten Jahren gelungen wäre, die bereits turmhohe Verschuldung des Landes seit der Krise zurückzufahren. Dafür habe in dem Land, in welchem die Zitronen blühen würden, der politische Wille gefehlt.

Flankiert durch die großzügigen Maßnahmen der EZB hätten sich die Regierungen in Italien und anderswo stetig schrumpfender Zinsausgaben erfreut, sodass mitunter der irrige Eindruck entstanden sei, die Staatshaushalte seien strukturell reformiert worden. Symbolisiert werde das Scheitern italienischer Reformbemühungen durch das verlorene Referendum Matteo Renzis zur Staatsverfassung. Ins Gewicht fallender Reformeifer sei jenseits der Alpen nicht zu erkennen und so nehme es nicht Wunder, dass inzwischen zwei antieuropäische Parteien dort über eine Parlamentsmehrheit verfügen würden.

Immerhin sei aber festzustellen, dass Italien ein Nettozahler in die EU sei und insofern ein Austreten des Landes nach dem Vorbild des Brexits keine gute Nachricht für Brüssel wäre. Zusätzliche Ironie erhalte die Situation dadurch, dass der italienische Staat zwar klamm, seine Bürger aber vergleichsweise wohlhabend seien. Umgekehrt sei es in Deutschland, wo der Staat vergleichbar gut dastehe, während das Privatvermögen der Bürger eher unterdurchschnittlich ausfalle. Nehme man die aktuelle Vermögensstudie der Allianz zur Hand (Allianz Global Wealth Reports 2017), dann zeige sich, dass die Italiener nicht nur im Durchschnitt mehr Vermögen besitzen würden als die Deutschen, sondern vor allem bei der Medianbetrachtung weit vor den Deutschen rangieren würden.

Ein Wiederaufflackern der Eurokrise würde die seit fast einem Jahrzehnt anhaltende Niedrigzinsphase gewiss verlängern. Und man könne sich kaum vorstellen, dass die EZB und die europäischen Regierungen einen kontrollierten Ausstieg Italiens aus dem Euro unterstützen würden. Zur gleichen Zeit kündige die amerikanische Notenbank FED an, sie habe den Willen, höhere Inflationsraten als zwei Prozent zu akzeptieren, ohne in einen verschärften Zinserhöhungsmodus einzutreten. Für deutsche Zinsanleger verheiße dieses Szenario wenig Positives. Bei Nominalzinsen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen von 0,37 Prozent würden sie enorme reale Vermögensverluste erleiden. Auch für die Altersvorsorgesysteme sei dies keine angenehme Situation, denn dort setze man traditionell viel zu stark auf Zinsanlagen. Im Ganzen sei es daher nicht zu erkennen, dass Zinsanlagen eine attraktive Alternative zu Aktienanlagen sein könnten. (Ausgabe vom 5/2018) (12.06.2018/alc/a/a)