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Notenbanken: Entscheidung über Reduzierung des Ankaufvolumens demnächst zu erwarten


04.08.17 08:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - EZB-Präsident Mario Draghi hatte in einer Rede Ende Juni auf einer Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra mit ungewöhnlich "hawkishen" Aussagen überrascht, so die Analysten von Postbank Research.

Diese hätten insbesondere den temporären Charakter von Inflationsverzerrungen betroffen, durch die die EZB hindurchsehe und die daher einer Trendwende in der Geldpolitik möglicherweise nicht zwangsläufig entgegenstehen müssten. Vor diesem Hintergrund seien die Erwartungen an die Sitzung des EZB-Rates Mitte Juli relativ hoch gewesen. Wer mit einem klaren Bekenntnis zu einem baldigen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik gerechnet habe, sei allerdings enttäuscht worden. Zwar hätten die Märkte eine Entscheidung über eine weitere Reduzierung der Anleihekäufe oder gar eine Änderung der Leitzinsen zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwartet. Überraschend sei aber doch gewesen, dass im Pressestatement keine substanziellen Änderungen zur vorangegangenen EZB-Ratssitzung zu finden gewesen seien.

Draghi habe abermals bestätigt, dass das Anleiheankaufprogramm mit seinem derzeitigen Volumen von monatlich 60 Mrd. Euro noch bis mindestens Ende dieses Jahres fortgeführt werde. Auch habe der Präsident erneut die Bereitschaft der EZB betont, das Ankaufprogramm - falls erforderlich - in seinem Volumen und/oder seiner Laufzeit wieder auszudehnen.

Die Analysten von Postbank Research gehen dennoch weiterhin davon aus, dass sich die Währungshüter auf einer ihrer kommenden Sitzungen für eine Verringerung der Ankäufe ab Anfang 2018 entscheiden werden. Denn angesichts der vorangegangenen massiven Interventionen der EZB wäre bei einem unverändert hohen Ankaufvolumen in einigen Teilbereichen des Rentenmarktes bald die Grenze der praktischen Umsetzbarkeit des Programms erreicht. Eine Leitzinserhöhung werde nach Erachten der Analysten aber noch längere Zeit auf sich warten lassen. Da die Anleihekäufe voraussichtlich erst im späteren Verlauf von 2018 vollständig eingestellt würden, sei mit einem solchen Schritt nicht vor Ende 2018/Anfang 2019 zu rechnen.

Die US-Notenbank habe auf ihrer geldpolitischen Sitzung im Juli ihren Leitzins unverändert belassen. In dem begleitenden Pressestatement habe sie angekündigt, dass sie bald damit beginnen werde, die avisierten Maßnahmen zur Verkürzung ihrer Bilanz umzusetzen, ohne dabei jedoch ein konkretes Datum zu nennen. Die Analysten von Postbank Research gehen unverändert davon aus, dass sie dies im Anschluss an ihre September-Sitzung nachholt und dann im Oktober mit den entsprechenden Maßnahmen startet. Die nächste Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte würden die Analysten im Dezember erwarten. Im Juni 2018 sollte dann ein entsprechender, weiterer Zinsschritt erfolgen, sodass die FED Funds Target Rate auf Jahressicht auf 1,50 bis 1,75% steigen dürfte. (Ausgabe August 2017) (04.08.2017/alc/a/a)